Beate Z. wurde am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Unter einer Decke wurde sie abgeschirmt.Foto: dapd
Spur nach Mord an Polizistin führt ins rechtsextreme Milieu
Festgenommene Beate Z. schweigt
Zwickau/Stuttgart. Nach dem Fund der Dienstwaffen einer vor mehr als vier Jahren in Heilbronn erschossenen Polizistin führt die Spur zu Tätern aus der rechtsextremen Szene. Die beiden mutmaßlichen Bankräuber, die in Eisenach tot aufgefunden wurden, und die wegen einer Hausexplosion in Zwickau verhaftete Beate Z. waren in der Neonazi-Szene aktiv, wie das Thüringer Innenministerium am Mittwoch mitteilte. Das Trio, das auch mit dem Polizistenmord in Heilbronn in Verbindung gebracht wird, zählte zur rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" (THS).
Der Fall gilt als einer der spektakulärsten in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte und beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaften in drei Ländern. Auch wenn sich die Ermittlungen noch lange hinziehen und zwei der Tatverdächtigen nicht mehr befragt werden können, gehen die Ermittler von einer Aufklärung des Falls aus. Die am Mittwoch in Untersuchungshaft genommene Beate Z. schweigt jedoch. Sie hatte zusammen mit den beiden mutmaßlichen Bankräubern in dem Haus in Zwickau gelebt.
Die Gruppe tauchte nach Angaben des thüringischen Innenministeriums 1998 unter, nachdem in Jena ihre Bombenwerkstatt ausgehoben worden war. Seitdem seien sie in Thüringen nicht mehr mit politisch motivierten Straftaten aufgefallen, sagte Landesinnenminister Jörg Geibert (CDU). Die Ermittlungen wegen des Baus von Sprengkörpern und Bombenattrappen seien 2003 wegen Verjährung eingestellt worden.
Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung
Eine 36 Jahre alte mutmaßliche Komplizin des Duos sitzt seit Mittwoch wegen schwerer Brandstiftung in Untersuchungshaft. Sie soll am vergangenen Freitag eine Explosion in dem Zwickauer Haus ausgelöst haben, das dadurch schwer beschädigt wurde und nicht mehr bewohnbar ist. Am selben Tag wurden kurz nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach die Leichen der beiden mutmaßlichen Täter in dem Wohnmobil aufgefunden. Laut Polizei haben die Männer Suizid begangen. Ihre Motivlage ist weiter unklar.
Die in dem Wohnmobil sichergestellten Waffen seien eindeutig der ermordeten Polizistin Michele K. und ihrem damals schwer verletzten Kollegen zugeordnet worden, teilten die Staatsanwaltschaft Heilbronn und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart mit. Außerdem seien die Handschellen und das Reizstoffsprühgerät der getöteten Polizistin gefunden worden sowie ein Messer, das vermutlich ihrem Kollegen gehörte.
Tatwaffe möglicherweise gefunden
Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und LKA in Baden-Württemberg wurde in dem abgebrannten Gebäude in Zwickau eine baugleiche Waffe gefunden, mit der die Polizistin erschossen wurde. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handele, werde derzeit überprüft.
Nach Angaben der Polizei in Zwickau wurden in dem Haus fünf Pistolen, ein Revolver und ein Repetiergewehr gefunden. Es lasse sich noch nicht sagen, ob darunter die bei dem Tötungsdelikt genutzten Waffen seien, sagte der Leiter der Polizeidirektion Südwestsachsen, Jürgen Georgie. Die gefundenen Waffen seien massiv durch die Explosion und den Brand beschädigt worden.
Auf der Suche nach weiteren Beweismitteln wurde am Mittwoch der Brandschutt der Wohnung in Zwickau untersucht, dabei fanden die Beamten weitere Waffen gefunden, unter anderem ein Wurfstern. Es gebe eine Vielzahl an unterschiedlichen Spuren, sagte Georgie. In der ausgebrannten Wohnung fand die Polizei unter anderem mehrere Kleidungsstücke, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bei drei Banküberfällen in der Region um Zwickau getragen wurden.
Derzeit wird geprüft, ob die beiden Männer auch für Überfälle in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich sind. Die Auswertung der durch Feuer und Löschwasser beschädigten Spuren sowie die Untersuchung der Waffen kann Wochen dauern. Die gefundenen Gegenstände wurden laut Polizei auf einer Fläche von 250 Quadratmetern zum Trocknen ausgebreitet.
Polizei jagte das "Phantom von Heilbronn"
Die Polizei jagt seit viereinhalb Jahren die Mörder der 22-Jährigen Polizistin der Böblinger Bereitschaftspolizei, die aus dem ostthüringischen Oberweißbach stammte. Sie war am 25. April 2007 auf einem Parkplatz in Heilbronn durch einen Kopfschuss getötet worden. Ihr Kollege erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Beiden wurden die Dienstwaffen geraubt. Die Polizei konnte DNA-Spuren am Tatort sichern, verfolgte aber jahrelang ein Phantom, weil die Wattestäbchen für die Probe von einer Mitarbeiterin des Herstellers verunreinigt wurden.
Die weiteren Ermittlungen konzentrieren sich laut Behörden derzeit vor allem auch auf die Frage, welche Verbindungen die Tätergruppierung nach Heilbronn hatte, aber auch auf die in Jena festgenommene 36-Jährige. Von einem dringenden Tatverdacht gegen die Frau bei dem Mord an der Polizistin geht die Heilbronner Staatsanwaltschaft derzeit nicht aus.
20:17 Uhr
wundesknie: sag ich doch. hatte mich heute früh auch geäusert, weil bei den herren schon feststand das der rechte flügel die verantwortung trägt. sei es so, dann aber nicht im vorfeld den jocker nach eine richtung schieben. verfolgt mal eure berichterstattung oder nehmt die nachrichten her.bei allem anderen verbrechen wird die tat immer, obwohl man es weiß in einer form präsentiert, das man annehmen könnte es gibt zweifel an den täter.man wirft ihn vor ,wobei man es genau weiß aber hier wurde schon alles klar gemacht.
13:49 Uhr
Roettgers: Heute Tag der Zensur bei der FP oder einfach unbequeme Wahrheit?
Der rechtsextreme "Thüringer Heimatschutz" stand in dieser Zeit unter der Führung von Tino Brandt. Brandt wurde gleichzeitig vom Verfassungsschutz als V-Mann mit dem Decknamen "Otto" geführt. Der Thüringer Verfassungsschutz teilte am Dienstagabend mit, dass er seit 1998 keine Kenntnisse über die drei Untergetauchten gehabt habe. Auch lägen keine Anhaltspunkte vor, dass das Trio "bei seiner Flucht von staatlichen Stellen Unterstützung" erhalten habe. Eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst habe es nicht gegeben.
Quelle: MDR