Klaus Dauven zeigt den zeichnerischen Entwurf seines Bildes "Fisch-Reich", von dem ein kleiner Teil schon auf der Mauer zu sehen ist.  Klaus Dauven zeigt den zeichnerischen Entwurf seines Bildes "Fisch-Reich", von dem ein kleiner Teil schon auf der Mauer zu sehen ist.

Foto: Wolfgang Thieme

Staumauer der Talsperre Eibenstock erhält ein Kunstwerk auf Zeit

Zum ersten Mal seit ihrer Inbetriebnahme 1982 versucht sich an Betonstaumauer ein Künstler

Eibenstock. Ab Ende nächster Woche werden Wanderer von Neidhardtsthal (Erzgebirgskreis) aus die Staumauer der Talsperre Eibenstock in einem neuen Licht sehen: nicht mehr nur als Meisterwerk der Ingenieurbaukunst, sondern als Kunstwerk. Es ist allerdings ein Kunstwerk auf Zeit, das ein Mann aus Nordrhein-Westfalen hier gerade entstehen lässt. Auf dem im Verlauf von 30 Jahren leicht verwitterten Beton des Staudamms tummeln sich dann über die gesamte Breite von 300 Metern zwei riesige Bachforellen. Sie schwimmen aufeinander zu und scheinen sich im Wasser zu bewegen, obwohl sie auf der Luftseite der Mauer "aufgemalt" werden. "Die Forelle kann nur in sehr sauberem Wasser überleben. Sie steht damit auch für unsere Wasserqualität", erläutert Thomas Meisel von der Landestalsperrenverwaltung (LTV), zuständig für Eibenstock.

Der Künstler Klaus Dauven ist beeindruckt von den Bedingungen. "Die Wand ist optimal geeignet, denn ich lebe vom Schmutz und der Patina auf Mauern und Gebäuden. Ich brauche genug davon, um schöne Kontraste zu schaffen." Die Worte des 46-Jährigen, der im Hauptberuf als Lehrer für Kunsterziehung und Französisch arbeitet, kommen nicht von ungefähr. Dauven ist eine Art Graffiti-Künstler. Nur, dass er nichts aufsprüht, sondern Schmutzschichten abträgt. Nicht auf der gesamten Fläche, sondern so, dass durch einen Hell-Dunkel-Kontrast ein Bild in verschiedenen Naturtönen entsteht. "Fisch-Reich" nennt sich das, was künftig die Staumauer von Sachsens größtem Wasserfass ziert. In fünf bis sechs Jahren dürfte es vermutlich verschwunden sein - durch Staub, Moos- und Algenbelag.

Kletterer und Fassadenlift

Klaus Dauven hinterlässt bereits zum dritten Mal an einer Staumauer seine Handschrift. 2007 versuchte er sich erstmals an der Olef-Talsperre in der Eifel nahe der belgischen Grenze mit dem Motiv "Wildwechsel". Ein Jahr später zauberte er innerhalb einer Woche auf den Matsudagawa-Staudamm 80 Kilometer nördlich von Tokio riesige Blüten. Allerdings sei davon durch die besonderen klimatischen Bedingungen nichts mehr zu sehen, erzählt der Künstler in Eibenstock.

Die eigentliche Schwierigkeit im Erzgebirge war, den Entwurf auf die Mauer zu übertragen. Er habe dazu mit einer Vermessungsfirma zusammengearbeitet, die das gezeichnete Bild digitalisiert und mit Lasertechnik auf den Beton projiziert hat. Industriekletterer brachten anschließend 1100 gelbe Markierungspunkte an, die von Dauven mithilfe eines Hochdruckreinigers mit Linien verbunden werden. Diese ergeben die Umrisse der Fische, ihrer Augen und Flossen. Während Dauven von einem Fassadenlift aus arbeitet, hängen die beiden Industriekletterer, die ihn unterstützen, im Seil.

Stück für Stück reinigen sie den Beton innerhalb der Forellenumrisse. Bis zu zwölf Stunden arbeiten sie am Tag - eine Woche lang. "So einfach wie es aussieht, ist das Verfahren nicht", schränkt Dauven ein. "Denn wird an einer Stelle zu viel Schmutz weggenommen, dann lässt er sich nicht wieder auftragen." Augenmaß sei gefragt. "Wenn wir zwei Meter entfernt von der Mauer arbeiten, haben wir das Gesamtbild nicht mehr im Blick." Begeistert ist der Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung, Hans-Ulrich Sieber, - nicht nur weil das Wandbild genau 30 Jahre nach Inbetriebnahme der Talsperre entsteht. "Ich habe das erste Bild 2007 an der Olef-Talsperre gesehen und gedacht, so etwas könnte ich mir auch bei uns vorstellen."

 

 
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Staumauer der Talsperre Eibenstock erhält ein Kunstwerk auf Zeit
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erschienen am 11.08.2012 (Von Gabi Thieme)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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