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Foto: Hendrik Schmidt/dpa/Archiv

TU Chemnitz soll mehr Lehrer ausbilden

Wirtschaft und Politik in Südwestsachsen sorgen sich um die Qualität der Schulbildung. In Dresden findet man wenig Gehör.

Von Uwe Kuhr
erschienen am 22.03.2017

Chemnitz. Wirtschaft und Politiker aus Südwestsachsen drängen auf eine bessere Schul- und Berufsausbildung in der Region. In einem Positionspapier an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) setzen sie sich unter anderem für mehr gut ausgebildete Lehrer und weniger Seiteneinsteiger an den Schulen ein. Es ist nach einer ersten Resolution vom Frühjahr 2016 bereits der zweite, nunmehr erweiterte Vorstoß in dieser Frage. Hintergrund ist die in der Region Chemnitz besonders schwierige Situation bei der Wiederbesetzung frei werdender Lehrerstellen.

"Wir werden den größer werdenden Fehlbedarf an Lehrern in den nächsten Jahren nicht permanent mit Seiteneinsteigern abdecken können", teilten die Initiatoren dem Ministerpräsidenten mit. Als Lösungsansatz fordern sie eine "möglichst breite Lehrerausbildung an der TU Chemnitz" - über das bisherige Niveau hinaus. Unterzeichnet haben das Papier die Landräte der Landkreise Mittelsachsen, Vogtland, Zwickau und Erzgebirge (alle CDU), die Oberbürgermeisterin von Chemnitz (SPD), die Präsidenten der Handwerks- und Industrie- und Handelskammer, der Industrieverein sowie Vertreter von Großunternehmen wie VW und Komsa.

Die Sorgen wuchsen, nachdem in den Schulen der Region überdurchschnittlich viele Seiteneinsteiger angestellt wurden. So waren im Sommer 2016 knapp drei Viertel aller neuen Lehrkräfte an Oberschulen und zwei Drittel der an Grundschulen nicht vom Fach. Im Februar fielen die Zahlen ähnlich aus. Das Bildungsministerium rechnet damit, dass die Situation sich nur langsam ändert und verweist auf Fehler weit vor Amtsantritt der jetzigen Ministerin Brunhild Kurth (CDU).

Sachsen konzentriert seine Lehrerausbildung auf Leipzig und Dresden. Kurth hat Anfang 2016 einen jährlichen Bedarf an Studienanfängern für das Lehramt von 2000 angemeldet. Ein Plus von 300 Plätzen. Diesen Bedarf hat das Wissenschaftsministerium übernommen. Davon bekam die Leipziger Universität etwa 1100, die in Dresden 780 und die TU Chemnitz 120 - davon 100 für die Grundschule. Eine weitere Aufstockung um 375 Studienplätze ist noch in Verhandlung, würde Chemnitz aber nicht betreffen.

"So geht das nicht", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich, der die Lehrer-Ausbildung "zwingend als regionale Aufgabe" sieht. Aus seiner Sicht ist "ein Umdenken", ein "Ruck" vonnöten. Der Grund: Wer in Leipzig und Dresden studiert habe, sei kaum noch für Chemnitz zu gewinnen, sagt er. Aber etwa 80 Prozent der in Chemnitz Studierenden wollten als Lehrer in der Region bleiben, sagt Wunderlich mit Verweis auf eine entsprechende Umfrage.

Als Lösung schlagen die Unterzeichner vor, an der TU Chemnitz die Grundschullehrerausbildung anders als geplant unbefristet fortzuführen, die Ausbildung von Oberschullehrern zu prüfen und auf jeden Fall die Ausbildung von Berufsschullehrern wieder aufleben zu lassen. Letzteres ist den Unternehmen zur Fachkräftesicherung besonders wichtig. TU-Rektor Gerd Strohmeier ist im Prinzip zu einer solchen Lösung bereit. "Wir können das aber beim besten Willen nicht auf eigene Rechnung und zu Lasten anderer Bereiche tun", sagte er am Dienstag. Zusätzlich benötigte Mittel müssten zusätzlich bereitgestellt werden. Ein Plus an Lehramtsstudenten müsse auf die Studienplatz-Obergrenze der Uni aufgeschlagen werden. Dass ist deshalb wichtig, weil das Land die Zahl der Studienplätze von ursprünglich 106.000 bis 2024 auf 95.000 senken will. Die Hauptlast tragen die drei großen Unis. Die TU Chemnitz soll von einst 11.000 auf 9400 Studenten schrumpfen. Das SPD-geführte Wissenschaftsministerium sieht allerdings keinerlei Handlungsbedarf.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 22.03.2017
    21:56 Uhr

    cn3boj00: Seit etwa 25 Jahren regieren in Sachsen Könige in einem Palst, der sich weit über das tumbe Volk erhebt. Egal, woran es im Land mangelt, die Führungsriege ist erstarrt in ihrer eigenen Bewunderung, wie dazumalen in der guten alten zeit.

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  • 22.03.2017
    18:56 Uhr

    VaterinSorge: Seit Jahren drängen die Eltern und Elternräte der Landkreise Erzgebirgskreis, Zwickau, Vogtland, Chemnitz und Mittelsachsen um den Ausbau der Lehrerausbildung von derzeit 100 Stellen für Grundschullehrer auf 1.000 Stellen, für die Wiedereinführung des Lehramtsstudiums Oberschule und Einführung des Lehramtsstudiums Berufsschule. Erste Begründung der Ablehnung war, dass es keine Professoren gibt, die in Chemnitz lehren wollen. (Planungssicherheit nur bis 2020), 2. Begründung war, dass nicht einmal alle Stellen für Oberschulen, Berufsschulen und Förderschulen in Leipzig und Dresden ausreichend besetzt sind und 3. erwartet das Wissenschaftsministerium, dass das Problem, die drei Universitäten unter sich ausmachen sollen. Ich frage mich seit Jahren ernsthaft, wer hier wen an der Nase rum führt.

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  • 22.03.2017
    09:12 Uhr

    saxon1965: "Das SPD-geführte Wissenschaftsministerium sieht allerdings keinerlei Handlungsbedarf."
    Wie lange wollen WIR uns eine solche und dieses Beispiel zieht sich wie ein Roter Faden durch, Politik noch bieten lassen?! Eine Politik die herrscht anstatt zu dienen. Nicht einmal ein so übergeordnetes wichtiges Thema, wie die Bildung des Volkes, ist eine Staatsaufgabe. Das wird mehr oder weniger fähigen Landesregierungen überlassen. Da wird sich um Zuständigkeiten, Modelle und nicht zuletzt ums Finanzieren gestritten und was dabei heraus kommt ... Hauptsache wir streben 2 Prozent des BSP als Rüstungsausgaben an. Klar, als Soldaten taugen auch weniger gebildete Menschen oder die sogar ganz besonders?!

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  • 22.03.2017
    08:47 Uhr

    acals: Mit dieser Situation, d.h. einem Fachkraeftemangel, kennt man sich in Chemnitz doch gut aus - und weiss wie man darauf kann.

    Es gehoert tatsaechlich ein wenig Zivilcourage dazu, und sicherlich auch ein wenig "Ungehorsam" es wie die Altvorderen zu machen.

    Was haben die getan?

    Die haben den Vorlaeufer der heutigen TU Chemnitz als zunaechst private Bildungseinrichtung (aus)gebaut, finanziert und fuer 'koenigliche" Anerkennung gesorgt.

    http://monarch.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/4969/data/05-Kap1.pdf

    Aus der Not kann man durchaus eine Tugend machen - und das ganze deutschlandweit als Modell 'verkaufen' nach dem Motto: Verfehlte Landespolitik wird in Eigenregie repariert. Das offensichtliche Abschneiden/Benachteiligen/Vernachlaessigen des Grossraumes Chemnitz (Autobahn, Zug, Studierendenkuerzungen ...) gibt dazu Anlass.

    Ich frag mich nur, ob und ab wann sich die Stadtverantwortlichen mal Gedanken machen wollen wie sie unsere kommunalen Steuergelder mal nachhaltig und potentiell wertschoepfend anlegen/ausgeben wollen. Mir fielen da spontan eine ganze Reihe von echten Luftbuchungen ein ... aber lassen wir das lieber.

    Wieviel Schaden muss noch auftreten, bevor Chemnitz selbstbewusst, in Eigenregie, zukunftsorientiert, nachhaltig, zum Wohle seine Buerger (und weniger zum Vergnuegen) agiert?

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  • 22.03.2017
    06:05 Uhr

    vomdorf: Wer soll denn diese Lehrer bitteschön ausbilden? Es fehlen jetzt schon mindestens 50 Lehrerbildner.
    Über Jahre wurden alle Warnungen, dass es eines Tages zu dem Dilemma kommen könnte, das wir jetzt haben, gewarnt. Über Jahre wurde alles kleingeredet. Jede Kritik in Bezug auf die bestehende Lehrerbildung nicht gehört oder unterdrückt. Ein Kultusminister hat seinen Hut genommen, weil er den Schei.. nicht mehr mitmachen wollte.
    Und nun? Es werden seit Jahren in Sachesen immer mehr Kinder geboren....die natürlich zum Erstaunen unserer Regierung irgendwann in eine Schule gehen wollen.....von den außerplanmäßig zugestoßenen, nicht deutsch sprechenden Kindern gar nicht zu reden. Das können die paar Alten nicht Deckeln, die Arbeiten am Limit und sind auch ab und zu mal krank. Es gibt keine Reserven. Man fragt sich manchmal, ob die in Dresden überhaupt ansatzweise wissen, was an den Schulen los ist. Da aber immer kräftig von oben nach unten getreten wird, traut sich keiner von unten nach oben die Wahrheit zu sagen. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein paar Schwarzenberger in Dresden freundlich empfangen wurden....

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