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Eberhard Spree Eberhard Spree hat den Eintrag "Johann Sebastian Bach, Capellmeister in Leipzig" im Zechenregister von 1741 im Bergarchiv Freiberg gefunden.

Foto: Gert Mothes/Gewandhaus

Thomaskantor auf bergmännischen Abwegen

Musiker entdeckt unbekannte Bach-Dokumente im Sächsischen Bergarchiv Freiberg

Freiberg/Leipzig, Johann Sebastian Bach war mit dem Bergbau im Freiberger Revier verbunden. Das hat jetzt der Gewandhaus-Kontrabassist Eberhard Spree im Bergarchiv Freiberg herausgefunden. Ein Sensationsfund auch für das Archiv. 38 bislang unbekannte Bach-Dokumente belegen, dass der Thomaskantor 1741 bis zu seinem Tod 1750 Anteile an der Zeche St. Ursula in Kleinvoigtsberg hatte. Das bei den 140.000 Zechenregistern des Bergarchivs herauszufinden, war aufwändig. Beharrlichkeit, die Liebe des Sohns einer Pfarrersfamilie zum Erzgebirge und die Unterstützung des Geologen Jens Kugler führten zum Volltreffer.

Der Capellmeister war Bach

Spree, der sich seit Jahren mit der Musikgeschichte beschäftigt, stieß beim Studium der Bach-Biografie von Philipp Spitta auf den unerforschten Abschnitt im Lebenslauf des Komponisten. "Ein Kux, genannt Ursula Erbstolln, zu Klein Voigtsberg an Werthe 60 RI" fand er im Nachlassverzeichnis. "Da ich mich für das Erzgebirge und den Bergbau interessiere, war mir klar, was das bedeutete: In Bachs Besitz befand sich ein Anteil des Ursula Erbstollens in Kleinvoigtsberg, der auf 60 Taler geschätzt wurde." Mithilfe des Kleinvoigtsberger Experten Kugler wurde der Kontrabassist fündig. Vielfach findet sich in den Zechenregistern, die jedes Vierteljahr neu erstellt wurden: "Johann Sebastian Bach, Capellmeister in Leipzig". Eine Berufsbezeichnung, die Bach, der in Leipzig Thomaskantor und Director Musices war, auch führte.

Noch etwas entdeckte Spree: Bach muss 1741 30 Taler für seinen Anteil bezahlt haben, von dem er sich 1745 wieder trennte. Da die Zahl der Bergleute gesunken war, hatte der Musikus offenbar das Vertrauen in seine Geldanlage verloren. Ein Jahr später aber steht Bach wieder im Verzeichnis. Inzwischen kostete der Anteil 60 Taler. "Auffällig ist, dass Bach immer in der Zeit einen Anteil erwarb, in der sich die Situation der Zeche verbesserte", erkannte der Kontrabassist. Wahrscheinlich war Bach über die Entwicklungen der Grube gut informiert. Dieses Geschäft des Thomaskantors war wohl weniger ein Gewinn bringendes als vielmehr eine Frage des Prestiges. Der sächsische Bergbau stand im 18. Jahrhundert in seiner Blütezeit. Für angesehene Personen war es zu der Zeit eine Ehre, daran beteiligt zu sein. "Ich vergleiche es mit einer Wohltätigkeitslotterie", schilderte der Entdecker dieser Bach'schen Intensionen. Nach den Funden empfiehlt Eberhard Spree Stadtführern in Leipzig, die Geschichte zum Bach-Denkmal zu überdenken. Es wird nämlich gern darauf hingewiesen, dass mit dem heraushängenden Futter aus der Rocktasche klar sei, dass Bach ein armer Mann war.

Musiker schlägt Ausstellung vor

Wer noch weiter auf Entdeckertour gehen will: Im Leipziger Bach-Museum im Bose-Haus befindet sich eine Kiste mit mehreren Schlössern. Möglicherweise lagerte dort der Anteilsschein an der Kleinvoigtsberger Grube. Spree kann sich vorstellen, dass sowohl dort als auch in Freiberg in einer Ausstellung diese neu entdeckte Seite von Johann Sebastian Bach beleuchtet werden könnte.

 
erschienen am 28.11.2010 (Von Gabriele Fleischer)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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