Seriosität gegen pure Abzocke: Dafür steht auch der Schlüsseldienst von Uwe Rapp in Hainichen. Seriosität gegen pure Abzocke: Dafür steht auch der Schlüsseldienst von Uwe Rapp in Hainichen.

Foto: Falk Bernhardt

Türöffner aus Glauchau wegen Wuchers verurteilt

Unter Generalverdacht gehört die Branche aber nicht

Hainichen. Ganz leise fiel die Tür ins Schloss. Der Schlüssel lag dahinter, der Kollege stand davor. Ausgesperrt. Er hätte uns vermutlich nie von diesem Missgeschick erzählt, das ihn rund 200 Euro gekostet hat. Doch dann hörte er von der Sache am Amtsgericht in Hainichen.

Das hatte in dieser Woche gegen den Geschäftsführer eines Schlüsseldienstes in Glauchau einen Strafbefehl in Höhe von 3000 Euro verhängt. Gegen den Mann, Jahrgang 1976, war Anklage wegen Wuchers in vier Fällen erhoben worden. In Penig, Chemnitz, Hormersdorf und Ehrenfriedersdorf seien horrende Summen für den Schlüsselnotdienst in Rechnung gestellt worden. Die belaufen sich zwischen rund 533 und 674 Euro. "Da bin ich ja noch gut weggekommen", sagt daraufhin der Kollege.

"Selbst das ist noch Wucher und Abzocke", positioniert sich Angelika Rapp vom Schlüsseldienst Uwe Rapp in Hainichen. "Würden wir solche Summen verlangen, könnten wir längst in Rente gehen", sagt sie. 35 Euro kostet eine Notöffnung der Tür, die nur ins Schloss gefallen ist. Am Wochenende werde ein kleiner Aufschlag verlangt, sind Reparaturen notwendig, dann kosten die extra, zählt sie auf. Doch die Aufträge gehen zurück. Sie vermutet, dass das auch an den Anbietern liegt, die im Telefonbuch ganz besonders schnell zu finden sind. Dort sind fast die gleichen Rufnummern für Hainichen, Frankenberg und Mittweida zu finden. "In Hainichen gibt es aber gar keinen Schlüsselnotdienst unter der angegebenen Rufnummer", sagt Angelika Rapp. Bis vor kurzem noch schafften es Schlüsselnotdienste mit A.A.A.A.A.A. an exponierte Stelle in den örtlichen Telefonbüchern. Im neuesten des Telefonbuchverlages "Das Örtliche" ist das nicht mehr so. "Das haben wir in zahllosen Gesprächen endlich erreichen können", sagt Uwe Balzuhn, der in Frankenberg in seinem Geschäft auch einen Schlüsseldienst anbietet und seit Jahren schon gegen die schwarzen Schafe in der Branche kämpft.

Doch noch immer tauchen Einträge auf, die einen Schlüsselnotdienst vor Ort suggerieren. "In den meisten Fällen wird nur eine Straße benannt, die Hausnummer fehlt", sagt Uwe Balzuhn. "Auch das ist nicht zulässig", findet er. Denn der Bürger glaube, er rufe zum Ortstarif an. Es sei aber eigentlich nicht klar, wo der Dienst wirklich ansässig ist. Deshalb fordert Balzuhn seit vielen Jahren von den Telefonbuchverlagen, dass sie sich den Gewerbeschein vorlegen lassen, der die richtige Firmenadresse ausweist.

Balzuhn, der "Vertragspartner" für Polizei und Gericht ist, weiß, dass die Anrufe in einer Zentrale zusammenlaufen, die Tag und Nacht besetzt ist. Von dort werde dann "Hilfe" geschickt - möglicherweise aus Bayern, aus Sachsen-Anhalt. Lange Anfahrtswege seien deshalb keine Seltenheit, und die lasse sich die jeweilige Firma dann ordentlich bezahlen. In dem Fall, der jetzt vor dem Amtsgericht in Hainichen eine Rolle spielte, hatte ein Peniger unter anderem für ein neues Schloss 130 Euro gezahlt, dazu 129Euro Nachtzuschlag plus Fahrtkosten, Einsatzpauschale und so weiter. Am Ende standen 533,12 auf der Rechnung. Die in bar fällig wurden.

Wird Uwe Balzuhn gerufen, wird das längst nicht so teuer. "In Frankenberg und den Ortsteilen kostet eine zerstörungsfreie Notöffnung 40 Euro", sagt er. Zerstörungsfrei heißt, die Tür ist nur ins Schloss gefallen. In den 40 Euro sind Mehrwertsteuer, An- und Abfahrt inbegriffen. Die Höhe der Summe für eine Notöffnung richte sich nach der Größe der Gemeinde, kann deshalb in Hainichen etwas niedriger liegen als in Frankenberg, erklärt er. Mit Interesse habe er deshalb in der "Freien Presse" gelesen, dass ein Geschäftsführer eines Schlüsselnotdienstes wegen Wucherei nun selbst zur Kasse gebeten wird. "Fällt die Tür ins Schloss, sollten die Bürger kühlen Kopf bewahren", rät Uwe Balzuhn.

 
erschienen am 26.05.2012 ( Von Petra Schumann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 29.05.2012
    22:13 Uhr

    UdopiaZwickau: Für 600 Euro kann man ja schon fast die eigene Tür eintreten....

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