Viele Autofahrer nerven die zahlreichen Visitenkarten von Gebrauchtwagenhändlern einfach nur. Laut Internetrecherche gibt es inzwischen aber auch eine Fangemeinde, die die verschiedenen Kärtchen sammelt. 
Viele Autofahrer nerven die zahlreichen Visitenkarten von Gebrauchtwagenhändlern einfach nur. Laut Internetrecherche gibt es inzwischen aber auch eine Fangemeinde, die die verschiedenen Kärtchen sammelt.

Foto: Bernd März

Visitenkarten-Werbung: Annaberg-Buchholz leitet Verfahren gegen Händler ein

"Auto Export"-Kärtchen kennt fast jeder Autofahrer - Dass deren Verteilung zumeist illegal ist, wissen aber die wenigsten

Annaberg-Buchholz. Der Mann am anderen Ende der Leitung spricht gebrochen deutsch. Nach einem kurzen "Hallo" fragt er gleich mehrmals "Was für Auto wollen Sie verkaufen?" Als er schließlich "Freie Presse" verstanden hat, wiegelt er rasch ab. "Ich muss meinen Chef fragen. Der ruft Sie dann zurück", ist noch zu hören, ehe der Mann auflegt. Kein Einzelfall. Die Masse dieser Gebrauchtwagenaufkäufer meidet die Öffentlichkeit. Und das aus gutem Grund: Die Verteilung ihrer Visitenkarten passiert in der Regel verbotenerweise.

Genehmigung nötig

Um das Ganze zu legalisieren, benötigen die Exporthändler beziehungsweise deren Mitarbeiter eine entsprechende Genehmigung. Diese gibt es für Parkflächen, die öffentlich gewidmet sind, bei der Stadtverwaltung. Dort hat allerdings noch nie ein solcher "Visitenkarten-Händler" vorgesprochen, teilt Stadtsprecher Matthias Förster mit. Etwas anders ist das Prozedere auf Plätzen, auf denen zwar öffentlicher Verkehr stattfindet, die aber nicht öffentlich-rechtlich gewidmet sind wie etwa der Parkplatz vor dem Erzgebirgs-Center, sagt Förster. Dort gelte das Hausrecht. Der jeweilige Grundstückseigentümer könne derartige Werbeaktionen zulassen oder verbieten. Aber auch dort wurde noch nie ein Antrag auf Genehmigung gestellt, wie gestern das Kölner Unternehmen Rendita Colonia mitteilte, der Eigentümerverwalter des Einkaufszentrums Erzgebirgs-Center.

Ob nun öffentlich gewidmet oder nicht, die Autofahrer nervt diese Masche mit den Visitenkarten gewaltig. "Vor allem, wenn man so ein Kärtchen auch an ein neues Auto gesteckt bekommt. Ich finde das schlichtweg nicht in Ordnung", findet etwa Eva Süß aus Sehma noch zurückhaltende Worte. Manfred Fischer aus Meinersdorf kritisiert, dass auf den Karten gar keine Adresse zu finden ist, sondern nur eine Handynummer. "Das kann doch nicht seriös sein", glaubt er.

Die Seriosität dieser Autohändler zu beurteilen, ist jedoch nicht Sache der Stadt. Sie muss lediglich durchsetzen, dass das Verteilen dieser Visitenkarten rechtlich in Ordnung geht. Dazu gehöre auch, dass der Verteiler neben der Zahlung entsprechender Gebühren erklären kann, in welcher Weise er Verunreinigungen durch weggeworfene Visitenkarten beseitigen will.

Verfahren eingeleitet

Wird jemand auf frischer Tat ertappt, muss er mindestens mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Ein solches ist nach Aussage von Förster erstmalig vor zirka 14 Tagen eingeleitet worden, als die Stadt von einer "nicht genehmigten Verteilung" erfuhr. Auch künftig soll gegen derartiges Treiben vorgegangen werden. Dabei setzt die Stadt auf die Unterstützung der Bürger, die bei entsprechenden Aktivitäten das Rathaus informieren sollen, so Förster.

Meist geht alles aber so schnell, dass kaum einer reagieren kann. Das hat auch Carola Otto aus Sehma festgestellt. "Ich war nur zehn Minuten im Erzgebirgs-Center einkaufen. Als ich zurück zum Auto kam, klemmte schon wieder eine dieser Visitenkarte daran. Diese Verteilung passiert immer aggressiver", sagt sie.

Offenbar ist das Geschäft mit dem Export von Gebrauchtwagen ein sehr lukratives. So wuchs zum Beispiel im Jahr 2009 trotz Abwrackprämie der Export allein nach Afrika um 12.700 auf insgesamt 79.600 an, hat das Statistische Bundesamt bilanziert.

 
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Visitenkarten-Werbung: Annaberg-Buchholz leitet Verfahren gegen Händler ein
"Ist nur eine Handynummer angegeben, sollte man vorsichtig sein."
 
erschienen am 11.09.2012 ( Von Thomas Wittig )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
8
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  • 13.09.2012
    20:35 Uhr

    gelöschter Nutzer: Da hat man seinem Nachbarn schon ein neues Gefährt hingestellt (schau mal was ich mir gekauft habe...) und dann kommt so ein dreister Kartenstecker und "verunglingft" das nagelneues Spielzeug.

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  • 12.09.2012
    08:29 Uhr

    809626: Hallo Deluxe, woher die Annahme, daß es in "Chemnitz sicher noch gehen mag"? Im Wohngebiet C-Kapellenberg habe ich die Kärtchen mehrmals pro Woche wenn es viel ist und mehrmals pro Monat, wenn es wenig ist. Und das ganze Straßenzüge entlang. Zugegeben, in den letzten paar Wochen landen sie vermehrt im Briefkasten als am Auto. Darin sehe ich schon eine Verbesserung, da das nur halb so nervt. Mal sehen, wie lange . . . .

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  • 11.09.2012
    17:15 Uhr

    Deluxe: In Chemnitz mag das sicher alles noch angehen - da betrifft es das einzelne Fahrzeug vielleicht ein-, Zweimal im Jahr. Hier in Annaberg-Buchholz habe ich mittlerweile 1-2mal wöchentlich die Karten am Auto, manchmal stecken sie so tief am Fensterschachtgummi, daß eine in die Tür hineinrutscht. Erst gestern - 10.09. - lief ein solcher Händler wieder durch die ganze Stadt und verteilte auf allen Straßen und Plätzen seinen Unrat. An meinem Fahrzeug war die Karte schon vormittags, am Nachmittag traf ich ihn im Vorbeifahren in der Innenstadt. Und heute morgen auf dem Weg dahin konnte man an jedem zweiten Auto ein solches Müllkärtchen bewundern.
    Ich finde es gut, daß die Stadt etwas dagegen tut - allmählich nevrt es nämlich wirklich.

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  • 11.09.2012
    14:54 Uhr

    schnellleserin: wieso Kostenaufwand - ist die Politesse einmal unterwegs, wäre es doch wünschenswert, wenn sie denn mal einen dieser Menschen dabei ertappt, dass sie auch reagiert.
    Wer sagt, dass man keine anderen Probleme hat?
    Soll man nur, weil man richtige Probleme hat, über andere Probleme hinwegsehen?

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  • 11.09.2012
    14:18 Uhr

    St0nemender: Also wenn ihr keine anderen Sorgen als das habt, gehts euch doch wirklich gut. Da kann man euch nur beneiden.

    Im Ernst. Das sind doch kleine Fische. Peanuts. Den Kostenaufwand nicht wert den man damit erzeugt. Aber für sowas ist Geld da. *kopfschüttel*

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