Gerhard KißlingerFoto: DFB
"Wenn es um Fragen der Sicherheit geht, müssen wir Druck ausüben"
Über die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sprach Mario Schmidt mit Gerhard Kißlinger, der bei dem Verband Ansprechpartner für Stadionsicherheit ist.
Freie Presse: Der CFC darf sein Stadion noch ein Jahr nutzen. Wobei haben Sie ein Auge zugedrückt?
Gerhard Kißlinger: Wir haben gar kein Auge zugedrückt. Entscheidend für uns ist, ob der Spielbetrieb und die Sicherheit in einem Stadion gewährleistet sind. Das ist beim Chemnitzer FC noch der Fall. Für die neue Saison musste bei den Video-Überwachungssystemen und beim Flutlicht nachgebessert werden. Das ist geschehen. Im CFC-Stadion fehlen allerdings Sitzplätze. Der Verein hat einen Ausnahmeantrag gestellt, dem wir zugestimmt haben.
Freie Presse: Welche weiteren Auflagen können die Chemnitzer nicht erfüllen?
Gerhard Kißlinger: Es muss beispielsweise etwas getan werden, um die geforderte Zentrale für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste dem Standard anzupassen. Dafür sind größere Räume notwendig. Zudem geben wir die Empfehlung, dass ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen und diese für einheimische Besucher und Gäste-Fans getrennt sind.
Freie Presse: Gibt es am CFC-Stadion genügend Parkplätze?
Gerhard Kißlinger: Die örtlichen Behörden in Chemnitz haben die Parkplätze freigegeben, das ist entscheidend. Allerdings haben die Behörden eine Vergrößerung der Parkflächen angeregt.
Freie Presse: Stehen ausreichend Toiletten zur Verfügung?
Gerhard Kißlinger: Bei meinem letzten Besuch war die Anzahl ausreichend. Nach den Pokalspielen gegen St. Pauli und den VfB Stuttgart habe ich allerdings Fan-Berichte gelesen, in denen die Situation bezüglich der WC-Anlagen kritisiert wurde - vor allem im Gästebereich.
Freie Presse: Der DFB ist als sehr streng bekannt. Was die Stadionzulassung des CFC betrifft, sind Sie eher als Partner des Vereins aufgetreten.
Gerhard Kißlinger: Das sind wir ja auch, ohne die Qualitätsstandards aus den Augen zu verlieren. Der CFC ist gerade in die dritte Liga aufgestiegen und muss sich dort erst einmal akklimatisieren. Da können wir nicht sagen: Baut sofort 1000 Sitzplätze mehr oder eine neue Tribüne. Wir nehmen auch Rücksicht auf die finanzielle Situation der Vereine, aber maximale Sicherheit bleibt die Maxime.
Freie Presse: Inwiefern?
Gerhard Kißlinger: Auch bei der Stadionproblematik wollen wir die Clubs begleiten und nicht schikanieren. Sonst kann es passieren, dass sie keine Luft mehr bekommen und sich finanziell vielleicht übernehmen. Wenn es aber um Fragen der Sicherheit geht, müssen wir Druck ausüben.
Freie Presse: Jetzt kämpfen die Oberbürgermeisterin und der Club um ein neues Stadion. Kennen Sie das Projekt?
Gerhard Kißlinger: Ich hatte mit der Geschäftsführung des CFC gesprochen. Wir sind uns einig, den 5. Oktober abzuwarten, wenn der Chemnitzer Stadtrat über das Vorhaben entscheidet. Gibt es Zustimmung, werden wir uns über die Details unterhalten und die Feinjustierung vornehmen.
Freie Presse: Die Stadt Chemnitz muss die Kosten für den Stadion-Neubau allein tragen. Ist es nicht traurig, dass die Kommune bei so einem Projekt vom Freistaat Sachsen finanziell im Regen stehen gelassen wird?
Gerhard Kißlinger: Das will ich nicht beurteilen. Im Idealfall gibt es ein partnerschaftliches Zusammenwirken von Land, Kommune und Verein.
Freie Presse: Was passiert, wenn der Stadtrat den Stadion-Neubau ablehnt?
Gerhard Kißlinger: Dann muss der CFC wieder auf den DFB zukommen, und wir werden die Situation für die nächste Saison neu bewerten. Ich habe mich für Chemnitz gefreut, dass der Aufstieg in die 3. Liga gelungen ist. Für den Verein wäre es sicher schön, wenn der nächste Schritt getan wird und ein adäquates Stadion entsteht.
Freie Presse: Wird der DFB vielleicht sogar versuchen, auf die politische Entscheidung zum Stadionbau in Chemnitz Einfluss zu nehmen?
Gerhard Kißlinger: Die politischen Entscheidungsträger werden sicher eine gute Lösung finden.
Freie Presse: Was trauen Sie dem CFC als Aufsteiger in der 3. Liga zu?
Gerhard Kißlinger: Ich habe die Mannschaft noch nicht spielen sehen und kann mir deshalb kein Urteil erlauben. Ich wünsche den Chemnitzern, dass sie sich in der 3. Liga etablieren. Das wäre sicher für die gesamte Region wichtig.