1972 fertigte der Künstler Werner Petzold das Ölgemälde "Zwei Generationen". 
1972 fertigte der Künstler Werner Petzold das Ölgemälde "Zwei Generationen".

Foto: Wolfgang Thieme

Wismut öffnet ihre Schatzkammern

Unternehmen will einen Teil seines Archivs der Öffentlichkeit zugänglich machen

Chemnitz. Der fast 45 Jahre währende Uranbergbau in Sachsen und Ostthüringen ist so umfangreich und vielfältig dokumentiert worden, wie keine andere Unternehmensgeschichte in Ostdeutschland. Das hat die komplette Erfassung sämtlicher Bestände ergeben, die jetzt weitgehend abgeschlossen ist. Demnach verfügt das Bundesunternehmen beispielsweise über 1550 Meter Archivakten aus der Zeit, als die Wismut noch als reine sowjetische und ab 1954 als sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft tätig war. Auch die Personaldaten ihrer fast 500.000 Beschäftigen existieren noch. Lohnunterlagen lassen sich bis 1946 zurück verfolgen.

Hinzu kommen etwa zwei Kilometer Akten, die das so genannte geologische Archiv darstellen. Dazu zählen fast 10.000 Erkundungsberichte und Gutachten, 5600 Feldbücher mit geologischen Dokumentationen, 3273 geologische Karten, 7500 Gesteins- und Mineralstufen sowie mehr als 15.600 Grubenrisse.

Sanierungsfortgang archiviert

Nach Einschätzung von Hardi Messing, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens, war weltweit keine Gegend so gut erkundet wie die, in der die Wismut aktiv war - vorrangig, aber nicht nur aus dem Eigeninteresse an Uran heraus. Auch viele Bohrkerne existierten noch, gelten sie doch als sichere Informationsquelle zum Rohstoffinhalt der untersuchten Gebiete. Lediglich die Erkundungsergebnisse, die für den geologischen Dienst der DDR erstellt wurden, seien heute in Besitz der Landesbehörden.


Silber in kristalliner Form und Roteisenstein auf kristallinem Kalkspat gehören zur umfangreichen Mineraliensammlung der Wismut.
Silber in kristalliner Form und Roteisenstein auf kristallinem Kalkspat gehören zur umfangreichen Mineraliensammlung der Wismut.

Foto: Wolfgang Thieme

Mit der Zusammenführung der ursprünglich getrennten geologischen Archive Sachsens und Thüringens in Sachsen werden in den kommenden Jahren weitere Bestände hinzukommen, sagte Messing. Das gilt auch für das Archivgut der vergangenen 20 Jahre, das sämtliche Sanierungsaktivitäten widerspiegelt und so lange fortgeschrieben wird, wie das Unternehmen existiert. Es umfasst allein über 8000 Genehmigungen sowie alle Auflagen und Ergebnisse der Umweltüberwachung. Zum Beispiel müssen jährlich über 30.000 Proben mit rund 300.000 Parametern dokumentiert werden. Auch das Geschehen an mehr als 2000 Sanierungsobjekten, darunter Halden, Schächte und Gruben, ist im Archiv festgehalten.

Von großem öffentlichen Interesse ist die wismut-eigene Kunstsammlung. Sie umfasst 4138 Grafiken, Gemälde, Lithografien und Plastiken von insgesamt 450 Künstlern, darunter 63 Laienkünstler und 23 aus ehemaligen Ostblockländern. Auch Blätter von Willi Sitte, Bernhard Heisig und Werner Tübke wurden angekauft. Der Bestand umfasst Arbeiten, die zwischen 1933 und 1989 entstanden. Frühe Werke, die den Wismut-Bergbau thematisieren, stammen von 1956. Seit 1959 und dem Richtung weisenden "Bitterfelder Weg" regte auch die Wismut einen engen Kontakt zwischen Kunstschaffenden und Betrieben an. Gut die Hälfte der Arbeiten geht auf Aufträge zurück. Auch Verträge mit Künstlern lagern in Depots. Dominierende Motive sind Bergbaulandschaften, Untertageszenen und Porträts. Ab 1979 richtete der viertgrößte Uranproduzent der Welt fünf Pleinairs mit Künstlern aus "Bruderstaaten" aus, in deren Ergebnis 129 Werke entstanden. Die Kunstsammlung gilt als größte und bedeutendste Unternehmenssammlung der DDR.


Eines von rund 100.000 Archivfotos: Ohne jeglichen Schutz misst ein Kumpel in den Anfangsjahren die Radioaktivität eines Erzklumpens.
Eines von rund 100.000 Archivfotos: Ohne jeglichen Schutz misst ein Kumpel in den Anfangsjahren die Radioaktivität eines Erzklumpens.

Foto: Wismut GmbH

Interesse ungebrochen

Etwa 100 Gastausstellungen gestaltete das Unternehmen bis heute aus Beständen des Kunstarchivs, darunter in Tschechien, Slowenien, Österreich. Bis auf einige Arbeiten, die in Schlema im Kulturhaus "Aktivist" und am Firmensitz in Siegmar aushängen, sind die anderen Arbeiten kaum der Öffentlichkeit zugänglich. "Wir sind aufgefordert, dem Bund Vorschläge zu machen, was mit diesen Dingen geschehen soll. Dabei steht ganz obenan die Frage, wer sich um dieses Erbe in Zukunft kümmern soll", sagte Hardi Messing. Denn das Unternehmen werde eines Tages nicht mehr existieren, "diese Dinge aber bleiben". Wenn auch noch einiges in der Schwebe sei, so habe sich aber ein Einstellungswandel vollzogen, und zwar dass die Bewahrung des gesamten Archivgutes als Teil des Sanierungswerkes gesehen wird. Zugleich bestehe Einigkeit, dass man die Sammlungen nicht auseinanderreißt, sondern alles zusammen bleiben muss. Für Archivleiter Thomas Hennicke ist das Alleinstellungsmerkmal die enge inhaltliche Verknüpfung aller Archivteile und der Kunstsammlung. "Das Ganze ist dadurch mehr als die Summe seiner Teile."

Service:

Am 14. Mai stellt die Wismut GmbH "Das besondere Angebot" in der 12. Chemnitzer Museumsnacht dar. "Blitzlichter aus der Kunstsammlung" und Informationen zur Sanierungstätigkeit werden Besuchern offeriert.

 

Weitere Archivbestände:

Rund 100.000 Fotos und 100 abgeschlossene Filmproduktionen gehören neben den rund zwei Kilometer geologischen Archivakten zu den historischen Dokumenten. Auch die Lagerstättensammlung, von der über 1500 Stücke in Hartenstein am Schacht 371 gezeigt werden, ist Bestandteil des Firmen-Depots. Ferner existiert ein gesonderter Archivbestand der Generaldirektion. Die Ergebnisse eines Geschichtsprojektes des Bundeswirtschaftsministeriums wird das Wismut-Archiv weiter aufwerten. Etliche russische Archivunterlagen werden nach Abschluss des Forschungsprojektes der Wismut übergeben. Damit wird die Erschließung weiterer Bestände forciert.

 
erschienen am 05.04.2011 ( Von Gabi Thieme )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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