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Erdogan: «Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas».

Foto: Depo Photos Bild 1 / 2

Erdogan: Türken in Europa sollen fünf Kinder kriegen

Präsident Erdogan hat den Streit mit Europa zu seinem bestimmenden Wahlkampfthema vor dem Referendum gemacht. Jetzt fordert er seine Landsleute in der EU dazu auf, mehr Nachwuchs zu zeugen - als «Antwort» auf angebliche Ungerechtigkeiten, die Türken dort erfahren.

erschienen am 17.03.2017

Istanbul (dpa) - Im eskalierenden Streit mit Europa hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seine dort lebenden Landsleute aufgefordert, ihren Einfluss auszuweiten und mehr Kinder zu zeugen.

«Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas», sagte Erdogan im westtürkischen Eskisehir. «Das wird die beste Antwort sein, die Ihr auf die Unverschämtheiten, Feindseligkeiten und Ungerechtigkeiten, die man Euch antut, geben könnt.» Der Staatspräsident kritisierte erneut das «faschistische Europa» und rief seine Anhänger dazu auf, sich dem entgegenzustellen.

Innenminister Süleyman Soylu drohte der EU, Tausende Flüchtlinge über die Grenze zu schicken. «Wenn Ihr wollt, ebnen wir jeden Monat 15 000 Flüchtlingen den Weg, die wir Euch (bislang) nicht geschickt haben, damit Ihr Euch einmal wundert», sagte er in Ankara. An diesem Samstag jährt sich der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei zum ersten Mal.

Die Regierung setzte auch ihre spezifisch auf Deutschland abzielenden Angriffe fort. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung im osttürkischen Gümüshane: «In Deutschland wird die Demokratie mit Füßen getreten.» Justizminister Bekir Bozdag sagte im westtürkischen Kocaeli: «Die türkische Justiz ist zweifellos gerechter, unabhängiger und unparteiischer als die deutsche Justiz.»

In knapp einem Monat stimmen die Türken in einem Referendum über die Einführung des von Erdogan angestrebten Präsidialsystems ab. Im Streit um Wahlkampfverbote hatte Erdogan Deutschland «Nazi-Praktiken» und den Niederlanden eine «neonazistische Gesinnung» vorgeworfen.

Erdogan sagte am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Eskisehir: «Von hier aus appelliere ich an meine Bürger und Brüder in Europa: Da wo ihr arbeitet und lebt, ist nun Eure Heimat. Gründet noch mehr Betriebe. Schickt Eure Kinder in bessere Schulen. Lasst Eure Familien in besseren Stadtteilen leben. Steigt in die besten Autos. Wohnt in den schönsten Häusern.»

Erdogan warf den Europäern vor, Türken in Europa nur zu dulden, wenn diese niedere Arbeiten verrichteten. «Gegen den Türken, der als Arbeiter in der Fabrik arbeitet, haben sie keine Einwände. Aber gegenüber dem Türken, der Besitzer, Ingenieur oder Leiter dieser Fabrik ist, haben sie keine Toleranz mehr.»

Den Europäern unterstellte Erdogan zugleich, mit ihrer Kritik in Wahrheit einen Aufstieg der Türkei verhindern zu wollen. «Es ist nicht meine Person oder die Regierung, die sie beunruhigt. Sie sind beunruhigt von der Wirtschaft der Türkei, von ihrer Demokratie, ihrer Stellung in der Region und der Welt und davon, dass sie eine Stellung erreicht, in der sie sie nicht mehr braucht.»

Der Präsident fügte mit Blick auf die Europäer hinzu: «Denn die Türkei, von der sie träumen, ist eine Türkei, die in jeder Hinsicht abhängig von ihnen ist und die sie herumschubsen können wie sie wollen. Und dasselbe empfinden sie gegenüber den Türken in ihren eigenen Ländern.»

Innenminister Soylu warf Deutschland und den Niederlanden vor, sich in innere Angelegenheiten seines Landes einzumischen. «Wird die Verfassung etwa in Deutschland oder in Holland geändert?», fragte er mit Blick auf das bevorstehende Referendum. «Was geht Euch das an? Wieso mischt ihr Euch ein? Habt Ihr etwa die Türkei in die Europäische Union aufgenommen? Habt Ihr die Türkei beim Kampf gegen den Terror unterstützt?»

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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Kommentare
7
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 20.03.2017
    11:12 Uhr

    Freigeist14: Wie nicht anders zu erwarten ,sieht der Despot vom BOSPORUS Frauen nur als Gebärmaschinen,die "dem Volke"Söhne schenken sollen.Darüber hinaus ist für sie keine Rolle vorgesehen,haben zu schweigen und sich um Haus und Herd zu kümmern.Ein Aufruf an die Frauen,dem Vater zu widersprechen und höhere Schulen zu besuchen für eine gute Ausbildung passt nicht zum archaischen Weltbild des neuen Sultans.

    0 4
     
  • 19.03.2017
    09:30 Uhr

    Nixnuzz: Wovon träumt dieser Mann? Kinder werden doch erst ab 10 - 12 Jahren politisch relevant? Wenn unsere Sozialstrukturen funktionieren, bekommen wir neue Staatsbürger - aber ob 1.) in 10 Jahren Hr. Erdogan noch "da ist"?? und 2.) ob hiesige Menschen nach diesem Referendum hier noch zu ihm stehen würden? Wenn die EU sich regeneriert, werden diese Kinder wohl Europäer sein, die wissen wo ihre Großeltern mal hergekommen sind - so wie viele hiesige "Deutsche" mit weltweitem Migrationshintergrund aus den verschiedensten Gründen. Wenn wir es geschafft haben, 1000 Jahre in 12 Jahren zu zerbröseln - was passiert alleine schon in 1 - 2 Jahren??

    2 2
     
  • 18.03.2017
    11:58 Uhr

    aussaugerges: Da streite ich mich nicht.
    Ich kenne viele die sind doch Ende dar 50 Jahre gekommen.

    1 1
     
  • 18.03.2017
    11:50 Uhr

    1953866: @maxmeiner, "Erst 1961 begann die Anwerbung türkischer Gastarbeiter..." Ergänzung: auf Wunsch der türkischen Regierung
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/gastarbeiter-die-kunst-des-missverstehens-11502703.html

    "1961 wurde auf Initiative und auf Druck der türkischen Regierung..."

    1 2
     
  • 18.03.2017
    10:40 Uhr

    Nixnuzz: Als die Wessis feuchten damals mit Länderübergreifenden Abkommen das unkontrollierte Einsickern von Arbeitssuchenden mit den Arbeitgebern organisierten, kamen zum Schrecken mancher Alteingesessenen Menschen zur Arbeit, für die hier nicht genügend Menschen dawaren. Der Zuzug von DDR- und Udssr-Flüchtlingen konnte den Bedarf nicht ausgleichen. Und die machten sich nicht nur die Hände schmutzig sondern waren genauso gut oder besser als manch hiesiger. Geplant waren ursprünglich Zeitarbeitskräfte mit Rückfahrschein nach 2 oder 3 Jahren. Peinlich - die Leute waren gut und schafften sich selbst Eigentum, Bildung und Familien - von zuhause oder aus der hiesigen Nachbarschaft. Und die meisten blieben. Als Gemüsehändler, Gastronom, Facharbeiter, Abteilungsleiter oder Bürgermeister.

    Ausländer insgesamt : 6.751.002 100,0 %
    davon: (Stand allerdings 1. Dezember 2006 )
    1. Türkei 1.738.831 25,8
    2. Italien 534.657 7,9
    3. Polen 361.696 5,4
    4. Griechenland 303.761 4,5
    5. Serbien und Montenegro 282.067 4,2
    6. Kroatien 227.510 3,4
    7. Russische Föderation 187.514 2,8
    8. Österreich 175.653 2,6
    9. Bosnien und Herzegowina 157.094 2,3
    10. Ukraine 128.950 1,9
    11. Niederlande 123.466 1,8
    12. Portugal 115.028 1,7
    13. Spanien 106.819 1,6
    14. Frankreich 104.085 1,5
    15. Vereinigte Staaten 99.265 1,5
    16. Vereinigtes Königreich 96.507 1,4
    17. Vietnam 83.076 1,2
    18. China 75.733 1,1
    19. Irak 73.561 1,1
    20. Rumänien 73.353 1,1
    21. Marokko 69.926 1,0
    22. Mazedonien 62.295 0,9
    ....

    Nur weil Hr. Erdogan plötzlich selbsterzeugte Pappkameraden um sein Land herum aufbläst und mit unseren Landsleuten gleichstellt und seine akustischen farbbeutel dagegenschleudert, sind die dadurch verdeckten echten Menschen der EU kein Deut schlechter als vor dem Referendums-Wahlkrampf. Das Islamisten im Namen ihrer Religion als auch manche Uralt-Familientradition Menschenverachtend handeln, kann nicht als alleiniges Ausschlusskriterium der hier lebenden - auch islamischen - Ausländer und deren Nachkommen herangezogen werden. Die Wahl in den Niederlanden mit ihren Wahllisten mit 28 Kandidaten und das Ergebnis mit mindestens 4 Koalitionspartnern und einer umwerfenden 80%igen Wahlbeteiligung sollte auch hier manchen Blickwinkel verändern.

    Sorry . ist mal wieder was lang geworden.

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