Technologie-und Hoffnungsträger für eine angeschlagene Marke: Das neue Elektromobil Ampera. Foto: Opel
"Ausdruck neuen Denkens"
Karl-Friedrich Stracke wirbt mit deutscher Ingenieurskunst für Unabhängigkeit von Opel
Rüsselsheim/Chemnitz. Ärgerlich und spekulativ seien die Meldungen, die dem Autokonzern General Motors mangelnde Geduld bei der Sanierung seiner Tochter Opel nachsagten. "Wir suchen unseren Erfolg nicht kurzatmig", hält der neue Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke dagegen und verweist im Gespräch mit Hubert Kemper auf das Elektromobil Ampera.
Freie Presse: Durchkreuzen Verkaufspläne, wie Sie kürzlich publik wurden, Ihr Sanierungswerk bei Opel?
Karl-Friedrich Stracke: Die Meldungen waren reine Spekulation und deswegen besonders ärgerlich. Richtig ist, dass wir in Europa schon im ersten Halbjahr operativ schwarze Zahlen geschrieben haben, durch Sonderabschreibungen aber einen Verlust von 275 Millionen Euro ausweisen mussten.
Freie Presse: Ihre Konzernmutter General Motors hat also mehr Geduld als berichtet wurde?
Karl-Friedrich Stracke: Wir sprechen zu recht von "New GM" und "New Opel". Das schließt ein, aus Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Wir suchen unseren Erfolg nicht kurzatmig. Dafür spricht ja unser neuer Ampera, mit dem wir den Aufbruch in die neue Aera der Elektromobilität einläuten.
Freie Presse: Legen Sie mit dem Ampera nicht einen Frühstart hin, wenn man bedenkt, dass der Käufer steuerliche Vorteile erst ab 2013 in Anspruch nehmen kann?
Karl-Friedrich Stracke: Wir kommen nicht zu früh, in vielen europäischen Ländern ist man schon deutlich weiter als in Deutschland. In Holland, Frankreich oder Großbritannien, zum Beispiel, wird der Kauf eines Elektrofahrzeugs mit mehreren Tausend Euro gefördert.
Freie Presse: Und in Deutschland: Gut 40.000 Euro sind ein stolzer Preis für ein Elektroauto.
Karl-Friedrich Stracke: Es ist ein fairer Preis für ein Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse, das nicht nur gut aussieht, sondern das erste vollwertige Elektrofahrzeug ist, das keinerlei Abstriche bei der Mobilität erforderlich macht. Für viele Käufer wird es der Ausdruck neuen Denkens und für Opel ein echter Imageträger sein, der unsere Technologieführerschaft über Jahre nachhaltig prägen wird.
Freie Presse: Also keine Förder-Forderung an die Politik?
Karl-Friedrich Stracke: Wir sind Teil der Nationalen Plattform Elektromobilität, die sich verschrieben hat, bis 2020 rund eine Million E-Fahrzeuge in Deutschland auf den Markt zu bringen. Aber wir erwarten, dass die Bundeskanzlerin Wort hält und ihre Fördermaßnahmen jährlich überprüft, wenn dieses Ziel außer Sichtweite gerät.
Freie Presse: Der Ampera wird in den USA gebaut, ist aber wesentlich bei Opel entwickelt worden. Ist deutsche Ingenieursleistung bei GM wieder gefragt?
Karl-Friedrich Stracke: Deutsche Ingenieurskunst ist mehr denn je ein Export-Schlager, damit auch für unseren Konzern. Für das Wachstum von Opel ist das Auslandsgeschäft von zunehmender Bedeutung. So verkaufen wir in diesem Jahr statt 50.000 mehr als 60.000 Fahrzeuge nach Russland. Wichtige Märkte sind auch Argentinien, Chile, Israel, Australien und China.
Freie Presse: Und wie kommt Opel in Deutschland an?
Karl-Friedrich Stracke: Wir haben im Gegensatz zu großen Mitbewerbern zugelegt. Unsere Werke sind voll ausgelastet, der Corsa-Absatz brummt ebenso wie der des Astra, und für den Insignia verkürzen wir die Sommerferien.
Freie Presse: Welche Sanierungsaufgaben müssen sie in den deutschen Werken noch bewältigen?
Karl-Friedrich Stracke: Bochum wird sich künftig ausschließlich auf den Zafira konzentrieren. Hier passen wir unsere Belegschaft wie geplant um 1200 Mitarbeiter an. Über 300 wechseln nach Rüsselsheim, anderen legen wir attraktive Abfindungsangebote vor.
Freie Presse: Und Eisenach?
Karl-Friedrich Stracke: ... hat glänzende Aussichten. Für die Stärke des Standortes spricht die Tatsache, dass wir ab 2013 unseren "Junior", also neben dem Corsa ein zweites Modell, dort bauen werden. Wir sind fest davon überzeugt, dass dieses Fahrzeug den Nerv der Zeit trifft.
Freie Presse: Opel hat erhebliche Lücken im Modellprogramm. Wann können Sie diese schließen?
Karl-Friedrich Stracke: Das stimmt so nicht. Wie viele unserer Wettbewerber haben denn zum Beispiel ein solch flexibles und innovatives Fahrzeug wie den Meriva im Angebot? Wir haben die jüngste Modellpalette in der Geschichte des Unternehmens. Unsere Offensive geht mit einer neuen, verbrauchsarmen Motorengeneration weiter, ebenso mit frischen Modellen.
Freie Presse: Also droht keine Übernahme des Unternehmens?
Karl-Friedrich Stracke: Ich wiederhole: Diese Meldungen waren reine Spekulation. Wir liegen aktuell in 19 von 27 europäischen Märkten im Plus und wollen in diesem Jahr wieder operativ eine schwarze Null erzielen. Dazu wird auch der Ampera beitragen.



