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Energie und Nahrungsmittel sorgen für das Teuro-Gefühl

Gefühlte Inflation deutlich höher als die Gesamtstatistik

Wiesbaden (dapd). Dass mit der Einführung des Euro als Bargeld vor zehn Jahren die Preise kräftig gestiegen seien, ist ein weitverbreiteter Eindruck. Eine am Freitag veröffentlichte Studie des Statistischen Bundesamts belegt, dass das Teuro-Gefühl nicht völlig unbegründet ist. Auch wenn die Statistik nachweist, dass die Inflation in den bisherigen Euro-Jahren deutlich niedriger ausgefallen ist als zu D-Mark-Zeiten.

Seit der Einführung des Euro als Bargeld zum 1. Januar 2002 stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts durchschnittlich um 1,6 Prozent pro Jahr. In den zehn Jahren vor der Währungsumstellung lag die Teuerungsrate in Deutschland demnach bei durchschnittlich 2,2 Prozent, über die gesamte D-Mark-Zeit von 1948 bis Ende 2001 sogar bei 2,6 Prozent.

In dieser Betrachtung, die auch vom ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, in den vergangenen Monaten gern angeführt wurde, steht der Euro also recht gut und stabil da. Doch für das Preisgefühl der Verbraucher seien vor allem häufig gekaufte Waren und Dienstleistungen wichtig, erläutern die Statistiker in der neuen Studie über die "Preisentwicklung vor und nach der Bargeldumstellung".

Und dieses Preisgefühl wurde seit der Euro-Einführung kräftig strapaziert: Die Preise für häufig gekaufte Güter wie Nahrungsmittel und Kraftstoffe stiegen demnach in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich. Insgesamt wurden Strom, Gas, Benzin, Diesel, Heizöl und Nahrungsmittel in den vergangenen zehn Jahren 35 Prozent teurer. In den zehn Jahren zuvor lag die Teuerung in diesem Bereich nur halb so hoch bei 17 Prozent.

Regelrecht explodiert sind in den zehn Euro-Jahren die Preise für Heizöl und Kraftstoffe. Sie stiegen um 85,3 Prozent (32,9 Prozent in den zehn Jahren zuvor). Strom wurde 66,1 Prozent teurer (Vorzeitraum: 7,0 Prozent). Dafür seien staatliche Eingriffe wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz verantwortlich, schreiben die Statistiker. Die Nahrungsmittelpreise zogen um 16 Prozent an.

Bei vielen Dienstleistungen wie beim Friseur oder in Gaststätten hätten die Verbraucher unmittelbar nach der Bargeldumstellung deutlich höhere Preise bezahlen müssen, bestätigte das Statistische Bundesamt. Zwar seien die Preise für Speisen und Getränke in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf zwischen Juli 2001 und Juli 2002 insgesamt nur um vier Prozent gestiegen. "Vereinzelt haben Restaurants aber Preiserhöhungen von bis zu 100 Prozent vorgenommen", erklärte das Bundesamt. Aufschläge zwischen 20 und 40 Prozent habe es häufiger gegeben. Insgesamt stiegen die Preise in der Gastronomie seit der Euro-Umstellung um 18 Prozent.

Nachhaltige Preissenkungen gab es dem Bericht zufolge nur im Bereich langlebiger Gebrauchsgüter. Fernsehgeräte, Computer, MP3-Spieler und andere Produkte aus dieser Kategorie wurden in den vergangenen zehn Jahren um sechs Prozent billiger.

dapd

 
erschienen am 16.12.2011
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