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In Deutschland wird der Strom knapp

Netzbetreiber müssen nach Energiewende zum zweiten Mal auf Reservekraftwerke zurückgreifen

Stuttgart (dapd). Wegen der anhaltenden Kältewelle und eingeschränkter Gaslieferungen aus Russland wird der Strom in Deutschland knapp. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, mussten die deutschen Netzbetreiber am Mittwoch gleich auf drei Kraftwerke aus der sogenannten Kaltreserve zurückgreifen, wie das baden-württembergische Energieministerium mitteilte.

Grund dafür war der erhöhte Strombedarf durch die frostigen Temperaturen. Zusätzlich erschwert werde die Situation durch die unerwartet spärlichen Gaslieferungen aus Russland, berichtete das Ministerium. Das Gaskraftwerk RDK 4 in Karlsruhe sei wegen der Lieferengpässe derzeit vom Netz. Dieser Strom fehle nun und müsse ausgeglichen werden.

Es ist das zweite Mal in diesem Winter, dass die Netzbetreiber auf die sogenannte Kaltreserve zurückgreifen müssen. Beim ersten Mal hatten sie Anfang Januar ausschließlich Kraftwerkskapazitäten in Österreich genutzt. Diesmal ging auch der Reserveblock 3 des Großkraftwerks Mannheim (GKM) in Betrieb.

"Es gibt zurzeit keine großen Sicherheitspuffer mehr", begründete Marian Rappl vom Netzbetreiber Amprion den Schritt. Vor allem am Abend, wenn die Leistung der Photovoltaikanlagen wegfalle, könne die Leistung der Reservekraftwerke benötigt werden. Die Lage sei "äußerst angespannt, aber noch beherrschbar", hieß es bei dem Netzbetreiber.

"Die deutsche Stromversorgung ist gesichert"

Wie viel Strom im Laufe des Tages von den drei Reservekraftwerken wirklich ins Netz eingespeist werden musste, war zunächst offen. Alle Anlagen könnten höchst flexibel zu- und abgeschaltet werden, erklärte das hessische Energieministerium. Dank des Rückgriffs auf die Reservekraftwerke bleibe "sichergestellt, dass der Strombedarf in Baden-Württemberg nicht nur gesichert ist, sondern selbst beim unerwarteten Ausfall eines Kraftwerks kein Engpass entsteht", sagte der baden-württembergische Energieminister Franz Untersteller (Grüne).

Auch die Bundesnetzagentur bemühte sich, Sorgen vor einem Black-out zu zerstreuen. Es gebe keinen Grund zur Panik. Die Kraftwerke seien schließlich genau für den Einsatz in derartigen Situationen reserviert worden, betonte ein Sprecher. Der Nachrichtensender n-tv zitierte den Präsidenten der Netzbehörde, Matthias Kurth, mit dem Satz: "Die deutsche Stromversorgung ist gesichert."

Tatsächlich exportierte Deutschland trotz der aktuellen Probleme auch am Mittwoch Strom nach Frankreich, wie der Amprion-Sprecher betonte. Vor allem in den Mittagsstunden, wenn die Solaranlagen 6.000 bis 7.000 Megawatt Leistung liefern, helfe der Strom aus Deutschland dem Nachbarland seinen Strombedarf zu decken. Dies ändere aber nichts daran, dass am Abend mit dem Wegfall der Sonnenenergie der Rückgriff auf die Reservekapazitäten nötig werden könne.

Tatsächlich ist Deutschland trotz des beschleunigten Atomausstiegs in den vergangenen Monaten wieder zum Stromexporteur geworden. Die deutschen Energiekonzerne hätten seit Oktober wieder deutlich mehr Strom ins Ausland geliefert, als importiert worden sei, sagte Kurth am Dienstagabend in Düsseldorf.

dapd

 
erschienen am 08.02.2012
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