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In der Metall- und Elektrobranche stehen die Zeichen auf Streik

IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld - Verhärtete Fronten bei Leiharbeit

Frankfurt/Main (dapd). Die IG Metall startet mit der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn in die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2012. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies die Forderung umgehend als zu hoch zurück. Die Gewerkschaft ließ ihre Streikbereitschaft durchblicken: Bleibe es bei dieser "starren Haltung", sei ein Arbeitskampf nicht ausgeschlossen, sagte der erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, am Dienstag in Frankfurt am Main.

Schon bevor am 28. April die Friedenspflicht abläuft, sind Warnstreiks wahrscheinlich, wie der Vizechef der Metallgewerkschaft, Detlef Wetzel, andeutete. Zwar darf die Gewerkschaft vor diesem Datum nicht für mehr Geld zu Ausständen aufrufen, zulässig sind aber Informationsveranstaltungen und in extra lange Mittagspausen. Auch das tut den Arbeitgebern weh. Und an passenden Streitpunkten herrscht in dieser Tarifrunde kein Mangel.

Besonders die Leiharbeit ist der Gewerkschaft ein Dorn im Auge. Nach Schätzung der IG Metall gibt es 300.000 Leiharbeiter in der Branche, Gesamtmetall spricht dagegen von weniger als 200.000. Obwohl diese Leiharbeiter für gewöhnlich keinen Gewerkschaftsausweis haben, will die IG Metall auch für sie eintreten. Zum ersten Mal sollten Leiharbeiter und Stammbelegschaften Seite an Seite streiten, sagte Wetzel. "Das hat es noch nie gegeben."

Leiharbeiter als billige Konkurrenz in den Betrieben

In den Betrieben stellen die Leiharbeiter eine billige und flexible Konkurrenz dar. Helga Schwitzer, geschäftsführendes IG-Metall-Vorstandsmitglied, nennt das die "zweite Lohnlinie", welche die Stammbelegschaft unter Druck setze. Es sei deshalb im eigenen Interesse der Werksarbeiter, sich für bessere Bezahlung ihrer ausgeliehen Kollegen einzusetzen.

Die Fronten sind verhärtet. Die IG Metall will das Mitspracherecht der Betriebsräte bei Leiharbeit ausweiten. Das will der Arbeitgeberverband Gesamtmetall verhindern. "Wir brauchen die Flexibilität. Ich kann nicht zum Betriebsrat gehen und fragen, ob ich einen Auftrag annehmen kann. Das geht nicht", sagte Ingo Kramer, Geschäftsführender Gesellschafter der Firmengruppe Kramer in Bremerhaven. "Die IG Metall geht immer davon aus, dass alles schön planbar ist. Das ist aber nicht die Realität des deutschen Mittelstandes." Kramer ist auch Mitglied des Gesamtmetall-Präsidiums.

Auch die Gehaltsforderung weisen die Arbeitgeber zurück. "In dieser Höhe ist die Forderung für uns nicht nachvollziehbar", erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Drei Prozent wären näher an der wirtschaftlichen Situation. Gewerkschaftschef Huber parierte dies umgehend. "Es hätte mich gewundert, wenn Herr Kannegiesser mir heute bereits zugestimmt hätte", sagte er.

Im langjährigen Mittel hat die IG Metall meist etwas mehr als die Hälfte ihrer Gehaltsforderung durchsetzen können. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass die Arbeitnehmervertreter zum Schluss ein Plus von mindestens drei Prozent durchsetzen wollen. Die geforderten 6,5 Prozent begründete die IG Metall indes mit den guten Gewinnen der Vergangenheit, der Produktivitätssteigerung in der Branche und dem Anstieg der Verbraucherpreise.

Nachdem der Bundesvorstand der IG Metall nun seine Forderungsempfehlung aufgestellt hat, werden in einem nächsten Schritt die regionalen Tarifkommissionen bis zum 23. Februar darüber diskutieren. Einen Tag später legt sich die Gewerkschaft dann endgültig auf eine Forderung fest. Der angestrebte Tarifvertrag über eine Laufzeit von zwölf Monaten ist direkt und mittelbar für 2,3 Millionen Arbeitnehmer die Grundlage ihrer Entlohnung. Ein Abschluss hätte aber Signalwirkung für alle rund 3,5 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

dapd

 
erschienen am 07.02.2012
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