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Eva Prase

Foto: Ronny Rozum

Das große Experiment

Zu Plänen von Forschern, Gedanken lesen und Informationen in Gehirne bringen zu können

Von Eva Prase
erschienen am 20.04.2017

Was Facebook am Donnerstag ankündigte, ist einer der größten Menschenversuche: Das Online-Netzwerk arbeitet an einer Technologie, mit der Menschen ihre Gedanken ohne eine Tastatur direkt aus dem Kopf online veröffentlichen können. Vorgesehen sind auch Verfahren, Informationen in die Gehirne zu bringen.

Wäre das Experiment mit der Gehirnaktivität von Affen oder Mäusen geplant, würden Tierschützer Amok laufen. Sie bekämen recht, denn der Versuch wurde nicht einmal angemeldet. Das biotechnische Experiment von Facebook aber wird sich einfach so ereignen. Millionen Menschen werden sich zur Verfügung stellen oder werden, weil sie sich von ihrem Smartphone oder Tablet nicht lösen können, verführt. Wirksamer Widerstand ist deshalb nicht zu erwarten.

Natürlich bekam die Öffentlichkeit eine Beruhigungspille. Das Ganze eröffne fantastische Möglichkeiten. So könnten Blinde und Taube kommunizieren, auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen könnte geholfen werden. Zudem dürfe niemand das Recht haben, wahllos Gedanken von Menschen zu lesen, beschwichtigte Facebook. Es komme nur auf solche Gedanken an, die von der jeweiligen Person an das Sprachzentrum geleitet werden.

Bitteschön - wie machen wir das? Wie trennen wir jene Gedanken, die wir aussprechen, von denen, die wir wohlweislich für uns behalten? Die Crux ist offenbar! Man kann die Zusicherung für bare Münze nehmen, dass die Technologie nur im Sinne der Menschen, friedlich wirken soll. Zweifel sind aber angebracht: Zu den größten Rätseln der Menschheit gehört das Funktionieren des wichtigsten Organs, des Gehirns. Spezialisten können einige neurowissenschaftliche Basics erklären. Otto Normalbürger, der sich bei Facebook anmeldet, weiß davon naturgemäß wenig. Doch selbst für die Forscher ist noch vieles unerklärlich. Wir wissen nicht, was uns nach neun Monaten auf die Welt treibt. Wir wissen nicht, warum unsere Herzen schlagen und warum wir älter werden. Wir wissen nicht, was unser Fühlen und Denken steuert. Wir wissen nicht, wie Visionen entstehen und woher wir die Kraft nehmen, sie zu verwirklichen. Wir wissen nicht, wie sich unsere Charaktere bilden ...

Es gibt eine Kluft zwischen der von außen gemessenen Gehirnaktivität und dem Erlebnis des tatsächlichen Denkens und Fühlens, die selbst Neurowissenschaftler nicht erklären können. Genau an dieser Stelle setzt Mark Zuckerbergs Experiment an. Es ist gefährlich, nicht nur, weil es im Ansatz diese Unbekannte hat. Sondern weil es im Ergebnis darauf zielt, das Handeln der Menschen zu beeinflussen. Er arbeitet daran, dass wir unsere Gedanken schneller in die Welt bringen, als wir dazu geistig und körperlich fähig sind. Der Schritt, Menschen biologisch abhängig zu machen von Maschinen, ist dann nicht mehr weit.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 22.04.2017
    11:55 Uhr

    aussaugerges: Ich bleibe bei meinen Foren und das reicht.

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  • 22.04.2017
    11:20 Uhr

    Freigeist14: Willkommen im Club.Ich halte mich auch konsequent von Facebook fern.Dann lieber mein altes Poesie-Album für gute Freunde :)

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  • 21.04.2017
    16:24 Uhr

    Pixelghost: 1. lasse ich mich nicht missionieren. Als ich werde mich ganz bestimmt nicht bei Facebook abmelden. Und 2. brauche ich diese Geräte nicht anschaffen, mir Folie oder sonstwas an den Kopf kleben lassen oder die Apps nicht installieren. Dann kann Facebook auch nichts scannen.

    2 1
     
  • 21.04.2017
    13:39 Uhr

    saxon1965: Puh! Scheußlich ... es sollten sich alle Menschen bei Facebook abmelden!
    Wie krank muss ein Gehirn sein, sich so etwas auszudenken bzw. welche Allmachtsfantasien muss Herr Zuckerberg haben?

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