Dieter Härtel aus Annaberg-Buchholz und seine komplett neu aufgebaute Dieselameise. Foto: Jens Kraus
Ameise mit Fußlenkung und Handgas
Das Fahrzeug mutet wie ein Kuriosum an - man lenkt mit den Füßen und gibt mit den Händen Gas
Annaberg-Buchholz. Wenn Dieter Härtel vorn in seiner Dieselameise steht und losfährt, sieht das ziemlich gewöhnungsbedürftig aus. Ein Lenkrad gibt es nicht. Zum Lenken verlagert er das Körpergewicht je nach gewünschter Fahrtrichtung auf das linke oder rechte Bein. Ist der Untergrund zu weich, muss er auch mal ein bisschen auf dem "Schwebebalken" herumhüpfen, damit die Räder einschlagen. Als sei dies nicht genug, fasst er mit den Händen an seitliche Hebel. Im Stehen gibt er Gas, kuppelt, bremst und schaltet.
Die Dieselameise war indes keineswegs als Kuriosum konzipiert worden. Die Ladekapazität von beachtlichen zwei Tonnen - zum Vergleich: der Robur LO hatte 2,8 Tonnen Ladekapazität - und der minimalistische Arbeitsplatz des Fahrers sprechen für sich. Der eine Zeit lang auch offiziell als "Dieselameise" vorgestellte Kleintransporter sollte keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern wie sein Vorbild in der Natur einfach nur hart arbeiten. Im innerbetrieblichen Transport, bei der Bahn, in Kommunen oder auch auf Friedhöfen schleppte das kleine, auch für schmale Wege geeignete Fahrzeug unglaubliche Lasten.
Ursprünglich in Brand-Erbisdorf entwickelt und gebaut, ging die Produktion um das Jahr 1954 nach Ludwigsfelde, wo im selben Jahr auch Dieter Härtels DK 2002 - so die Fachbezeichnung - entstand. Im Zuge einer Werksumstrukturierung wanderte die Ameise zwei Jahre später weiter nach Waltershausen. Dort machte das Fahrzeug als "Multicar" eine beispiellose Karriere.
Oldtimerfans wie Dieter Härtel schätzen den technischen und historischen Reiz, den dieses Fahrzeug verkörpert. Seine Ameise besitzt einen Einzylinder-Dieselmotor aus Cunewalde, Hubraum 653 Kubikzentimeter, Leistung 4 kW/6 PS, Verdampfungskühlung und eine kardangetriebene Hinterachse. Das Fahrzeug gab es in mehreren Typen und Ausführungen: als Dreiseitenkipper, mit Plane, mit Feuerwehrleiter, mit Anhänger ...
Dieter Härtel, 53 Jahre alt und gelernter Kfz-Schlosser, hat sein Geschick schon mit einem selbst gebauten Mini-Moped und einem Vier-Zylinder-Wartburg-Motor unter Beweis gestellt. Der Motor steht jetzt in Eisenach und seine eigenhändig neu aufgebaute Dieselameise könnte er sich auch gut in einem Museum vorstellen. Sie hätte Besuchern sicher viel zu erzählen.