Dietmar Beyer mit seinem Eigenbau-Öko-Traktor.
Foto: Jens Kraus
Eigenbau mit Duft nach Pommes
Dietmar Beyer aus Steinbach baute schon zu DDR-Zeiten einen Traktor - Unikat läuft mit Pflanzenöl
Steinbach. Ob Plagiatsaffäre oder Aufstand in Ägypten - Dietmar Beyer macht sich Gedanken über das, was in der Welt passiert. Auch über die Endlichkeit der Erdölressourcen hat er nachgedacht - und früh die Antwort gefunden. "Erneuerbare Energien - unsere Zukunft", hat er an seinen Traktor geschrieben. Aus gutem Grund: Er läuft seit 20 Jahren mit Pflanzenöl. Überhaupt steht das ganze Fahrzeug für Nachhaltigkeit. Ein Großteil des Materials stammt vom Schrottplatz oder wurde davor bewahrt. "Ich habe den Traktor aus zwei Gründen gebaut. Erstens, um aus Schrott wieder einen Gebrauchsgegenstand zu machen, und zweitens wollte ich da- mit Fuhrleistungen erledigen", sagt Dietmar Beyer. Bei dem 1957 gebauten Schlepper handelte es sich ursprünglich um den Typ Harz. Das Motorenwerk Nordhausen hatte diesen Traktor als Nachfolger des beliebten Pionier konzipiert. Allerdings verschwand der nur 3185 Mal gebaute Harz nach nur zwei Jahren Bauzeit zugunsten der Famulus-Baureihe.
Der "Basis-Traktor" von Dietmar Beyer lief zuerst im Sägewerk Zwönitz, dann bei der Vereinigten Holzindustrie Marienberg. "Schließlich kaufte ihn die LPG ,Frohes Schaffen' Arnsfeld. Da hatte er schon einen Getriebeschaden und der Techniker setzte ihn wieder in Stand." Als ein Motordefekt und das durchgefaulte Holzführerhaus 1986 den Einsatz beendeten, erwarb Dietmar Beyer die Ruine auf Rädern und baute ihn nach eigenen Vorstellungen neu auf. Dabei kamen dem heute 74-Jährigen seine langjährige Erfahrung als Landmaschinenschlosser und seine Kreativität zugute. So ersetzte er den defekten Antrieb durch den 54 PS starken, in Zwickau gebauten Vierzylindermotor EM 4-15 des Mähdreschers E 175. Für die Anpassung ans Originalgetriebe drehte er einen Zwischenring,. Um die Vorderachse aufnehmen zu können, konstruierte er einen stabilen Hilfsrahmen. Bei der überrollsicheren Fahrerkabine bewies er ebenfalls Einfallsreichtum: "Das Dach stammt vom Moskwitsch, die Fenster von Toyota und Mazda - vom Autofriedhof", sagt Dietmar Beyer, zufrieden, die alten Teile sinnvoll verwendet zu haben. Auch die Umrüstung des Motors auf Pflanzenöl nahm er 1991 selbst vor. "Ich habe schon vor der Wende Versuche mit Pflanzenöl gemacht. Für die Umstellung habe ich andere Siebfilter eingebaut, ein zweites Tanksystem - denn gestartet wird mit Diesel -, und der Einspritzdruck musste um 10 bar erhöht werden, um den Kraftstoff besser zu zerstäuben."
Inzwischen dient der Schlepper nur noch dem Hobby und ist bei Oldtimerveranstaltungen, wie etwa dem Pöhlberglauf, in Aktion zu erleben. So kommen auch die Zuschauer in den Genuss des Prinzips Nachhaltigkeit - in der Luft liegt dann leckerer Pommesduft.