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Elternzeit für Papa

Pioniere werden oft belohnt - Dem Arbeitgeber frühzeitig Lösungsmöglichkeiten anbieten

Berlin/Hamburg (ddp). Theoretisch wurde es Vätern in den vergangenen Jahren wesentlich erleichtert, Elternzeit zu nehmen. Doch in der Praxis fällt es diversen Papas immer noch schwer, sich mit allen Konsequenzen für die Karrierepause zugunsten der Familie zu entscheiden. "Viele möchten gerne, trauen sich aber nicht", vermutet Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Tatsächlich werde es in Betrieben oft immer noch nicht allzu gerne gesehen, wenn Väter Elternzeit beantragen. "Vorgesetzte sind häufig hauptsächlich genervt bei dem Gedanken, welchen Organisationsaufwand die Vätermonate für sie mit sich bringen", sagt Hofert.

"Aller Anfang ist schwer", weiß auch Eberhard Schäfer, der als Leiter des Väterzentrums Berlin täglich mit Männern zu tun hat, die sich im Spagat zwischen Kind und Karriere üben. Er empfiehlt Vätern jedoch, das Thema Elternzeit offen und mutig anzugehen. "Viele haben schon gedacht, das ginge in ihrem Betrieb auf keinen Fall - und haben dann gestaunt", berichtet er. Oft breche der erste "Elternzeit-Pionier" in einer Firma das Eis und finde plötzlich viele Nachahmer. Zudem ernte man unter den Kollegen häufig Anerkennung für seinen Mut.

Am besten tastet man sich erst einmal langsam an das Thema Elternzeit heran. "Man sollte sich Gedanken machen, wie der Betrieb und vor allem der Chef ticken, ob die Stimmung allgemein familien- und väterfreundlich ist", sagt Eberhard Schäfer. Dazu könne es auch hilfreich sein, mit Kollegen und Führungskräften unverbindlich über das Thema Kinder, Familie und Beruf zu sprechen und so deren Haltung herauszufinden.

"Auch für Chefs ist die Situation nicht einfach, wenn einer ihrer Mitarbeiter für mehrere Monate ausfällt", betont Schäfer. Wenn man den Vorgesetzten von dem Elternzeitantrag unterrichtet, sollte man daher am besten gleich ein paar Ideen parat haben, wie der Ausfall bewältigt werden kann. "Vielleicht kann man schon einen Plan präsentieren, welche Kollegen Teile der eigenen Aufgaben übernehmen könnten", schlägt Schäfer vor. Svenja Hofert ergänzt: "Möglicherweise kann sich der Arbeitnehmer auch vorab informieren, ob seine Abwesenheit durch einen Zeitarbeiter ausgeglichen werden könnte." Eine gute Alternative zum kompletten Ausstieg sei außerdem, nach einer Frist in Teilzeit zurückzukehren.

Nicht immer ernten moderne Väter Verständnis mit ihrem Anliegen. "Manche Vorgesetzte denken immer noch in alten Rollenmustern. Es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass ein Mann ernsthaft Elternzeit nehmen will", sagt Eberhard Schäfer. Häufig vermuteten solche Chefs daher eher, dass der Angestellte überfordert sei und deshalb "Babyurlaub" nehmen wolle, um sich auszuruhen. "Dabei nehmen die Väter das durchaus ernst und wollen diese Zeit nutzen, um für ihr Kind da zu sein - das hat mit dem Beruf gar nichts zu tun." Sei der Vorgesetzte selbst Vater kleiner Kinder, habe man hingegen oft gute Chancen, Verständnis zu ernten. "Nach der Erfahrung unserer Klienten sind auch weibliche Führungskräfte bei diesem Thema allgemein offener", sagt Schäfer.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei aber auch die Haltung, die der Arbeitnehmer selbst zeigt. Viele Väter trauten sich nicht so recht, für ihr Anliegen einzustehen, weil sie Nachteile für sich befürchteten. "Wenn ein Mann dagegen selbstbewusst mit dem Thema Elternzeit umgeht und deutlich macht, dass es ihm wichtig ist, gewinnt er Anerkennung", sagt Schäfer.

Um durch die Elternzeit den Anschluss im Job nicht zu verlieren, müssen sich Männer genauso anstrengen wie ihre Kolleginnen. "Wichtig ist, dass man einen möglichst konkreten Plan hat, wie man seinen Wiedereinstieg gestalten möchte", sagt Karriereexpertin Hofert. Eberhard Schäfer empfiehlt, während der Vätermonate auf jeden Fall Kontakt zu Chefs und Kollegen zu halten, um am Ball zu bleiben.

Eine Garantie, dass die Elternzeit einem Mann im Betrieb nicht nachteilig ausgelegt wird, hat man trotzdem nicht. "Macht man tatsächlich negative Erfahrungen, wird man beispielsweise nach der Rückkehr aus der Elternzeit degradiert oder von den Kollegen belächelt, ist möglicherweise die Suche nach einem besseren Job sinnvoll. Insbesondere Hochqualifizierte haben da gute Karten", gibt Eberhard Schäfer zu bedenken. In diesem Fall sei man wohl ohnehin beim falschen Arbeitgeber beschäftigt, ergänzt Svenja Hofert. "Der Verzicht auf die Vätermonate bedeutet außerdem keine Jobgarantie", sagt Hofert. Und falls man ein paar Monate später aus anderem Grund seine Stelle verliere, habe man seine Zeit mit Kind völlig umsonst geopfert.

(ddp)

 
erschienen am 04.01.2010
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