Und auf geht's - der Jumbojet hebt ab. Doch bevor es soweit ist, sollten Passagiere nicht alles dem Selbstlauf überlassen. Foto: Richard Warham/Caro
Bitte anschnallen und entspannt abheben
Wer mit dem Flugzeug auf Reisen geht, sollte etwas mehr Zeit in die Vorbereitung investieren
Chemnitz. Die Turbinen heulen auf, der Riesenvogel setzt sich in Bewegung, die Passagiere werden in ihre Sitze gepresst. Immer schneller düst die Maschine über die Startbahn, ehe sie sanft vom Boden abhebt...
Die Deutschen treten nach Informationen der Initiative Airport Media jährlich rund 28Millionen Flugreisen an. Statistisch ausgedrückt rund ein Viertel der 35,2Millionen deutschen Haushalte startet mit dem Flugzeug in den Urlaub. Auch Tausende Sachsen haben in diesem Sommer wieder eine Flugreise gebucht. "Freie Presse" fasst auf dieser Seite einiges zusammen, was rund um einen Flug wichtig ist.
Wie viele Gepäckstücke?
Bei der Mitnahme von Fluggepäck hat es in jüngster Zeit Änderungen gegeben. Wer das nicht mitbekommen hat, sitzt rasch in der Kostenfalle. Ganz abgesehen von den Regelungen zum Handgepäck, bei denen das Flüssigkeitsverbot über 2013 hinaus weiter gilt. Als Handgepäck ist in der Kabine je nach Fluggesellschaft oft nur ein Gepäckstück zwischen fünf und zwölf Kilogramm zulässig. Die Maße unterscheiden sich etwas, liegen jedoch im Durchschnitt bei etwa 55 x 40 x 20 cm.
Beim aufgegebenen Gepäck gilt inzwischen fast bei allen Gesellschaften: Jedes Gepäckstück zählt einzeln. Das musste auch "Freie Presse"-Leser Erik Bergmann aus dem erzgebirgischen Oelsnitz schmerzlich feststellen. Er hatte drei Koffer: 18,8 kg, 7,5 kg (der vom dreijährigen Sohn) und 30,8 kg, zusammen: 57,1 kg. In der Vergangenheit kein Problem, da alle drei Stücke zusammen zählten und er unter 60 kg blieb. Doch nun gilt das sogenannte Piece-Konzept, also Stück-Konzept, bei dem jedes Teil einzeln gewogen wird, was bisher vor allem bei Flügen in die USA und Kanada Anwendung fand. Nun heißt es entweder am Schalter umpacken oder aber zuzahlen. Und das kann teuer werden: Bei Condor zum Beispiel kostet ein Kilogramm auf der Kurz- und Mittelstrecke zehn Euro, auf der Langstrecke 20 Euro. Leser Bergmann musste 50 Euro berappen.
Es kommt dabei natürlich auf die gebuchte Fluggesellschaft und Preiskategorie an. Deshalb am besten vorher genau informieren. Und noch ein Tipp: Mit einer Kofferwaage, digital oder analog, kann man sich unangenehme Überraschungen am Check-in-Schalter ersparen, indem man das Gepäck schon zu Hause an den Haken nimmt.
Eine Horrorvision ist für viele, wenn das Gepäck nicht bzw. zu spät am Urlaubsort ankommt. Gut beraten ist dann, wer eine "Notfallausrüstung" im Handgepäck mit sich führt, zum Beispiel frische Unterwäsche. Falls der Koffer gar nicht oder erst Tage später am Urlaubsort ankommt, muss die Fluggesellschaft die Kosten für Ersatzkleidung und Hygieneartikel ersetzen.
Wo möchten Sie sitzen?
Bevor man zum Check-in-Schalter geht, sollte man sich mit dem Sitzplan des Flugzeugs vertraut machen. Wie viele Plätze sind am Fenster nebeneinander, gibt es einen oder zwei Gänge? Gerade, wer als Familie zu dritt oder zu viert unterwegs ist, sollte bereits eine Vorstellung davon haben, wo man sitzen möchte. Die Platzwahl im Flugzeug ist für eine bequeme Flugreise immens wichtig, weiß auch das Verbraucherportal für Fluggastrechte Flightright.de. Generell gilt: Die ruhigeren Plätze befinden sich am Fenster und eignen sich gut zum Schlafen. Gegen die Kälte an Fensterplätzen hilft eine Decke oder eine warme Jacke. Bewegungsfreudige Reisende, die sich öfters die Beine vertreten möchten, sollten am Gang sitzen. Wer nahe an der Bordküche sitzt, muss im Übrigen mit mehr Lärm rechnen. Mehr Beinfreiheit versprechen die Plätze am Notausgang. Diese sind jedoch sehr begehrt und am schnellsten vergeben.
Zu Streit kommt es oft darüber, wem die Armlehnen gehören. Bei Dreierreihen ist es laut polnischer Fluggesellschaft Lot Gepflogenheit, diese dem Fluggast in der Mitte zu überlassen, da die beiden anderen Passagiere entweder zum Fenster oder zum Gang hin Spielraum haben. Oft einigen sich Passagiere aber auch darauf, die Lehne gemeinsam zu nutzen, einer den vorderen, einer den hinteren Teil. Nutzt der Reisende auf dem Mittelplatz die Armlehnen nicht (z. B. im Schlaf), können sie die anderen Passagiere nutzen.
Wer mit Kindern fliegt, sollte die erste Reihe nach den Trennwänden nutzen, dort gibt es mehr Beinfreiheit, und die Kinder haben Platz zum Spielen. Für Säuglinge bis 10 kg Körpergewicht befinden sich in der Regel dort spezielle Babytragetaschen, die an den Vorderwänden angebracht werden können. Wer mit Babys reist, sollte sich bei der Buchung über Möglichkeiten und Kosten des Babytransports erkundigen.
Sind Sie gesund und munter?
Bei Langstreckenflügen hat man mit dem sogenannten Jetlag zu kämpfen, das heißt dem Zeitunterschied und dem veränderten Schlaf-Wach-Rhythmus. Experten des Portals Flightright.de empfehlen, das Verhalten je nach Flugrichtung zu wählen. Fliegt man nach Westen (also Richtung USA/Kanada oder bei Rückflügen nach Deutschland aus Asien), sollte man idealerweise wach bleiben. Der Tag erscheine dadurch länger und nach der ersten Nacht habe sich der körpereigene Rhythmus wieder eingependelt. Wer lange Strecken nach Osten fliegt (nach Asien), sollte versuchen, zu schlafen. Bei der Eingewöhnung an den neuen Zeitrhythmus helfe viel Tageslicht: Sonnenstrahlen am Zielort bewirken die Ausschüttung von Serotonin im Körper. Das macht munter und energiegeladen.
Nicht unterschätzen sollte man die Thrombosegefahr, weil im Flugzeug das Blut in den Beinen schlechter zirkulieren kann. Man spricht dabei oft vom "Economy-Class-Syndrom" wegen des beengten Sitzens. Deshalb sollte man hin und wieder aufstehen und sich die Beine vertreten. Mit einer speziellen Fußgymnastik kann man die Blutzirkulation zusätzlich unterstützen. Experten eines "Freie Presse"-Telefonforums haben aber auch betont: "Eine ordnungsgemäß behandelte Thrombose ist kein Grund, auf eine Flugreise zu verzichten."
Wichtig beim Fliegen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Passagiere sollten also genug trinken. Mineralwasser und Fruchtsäfte werden empfohlen, vor zu viel Alkohol wird dagegen gewarnt: Er erweitert die Venen und verlangsamt den Blutstrom zusätzlich.