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Für die alten Eltern da sein
Gespräche auf Augenhöhe sind wichtig - Viele Formen der Unterstützung möglich
München/Zürich (dapd). Oft merkt man an Kleinigkeiten, dass die eigenen Eltern älter werden. Wenn die Mutter die Treppe zur Haustür langsamer erklimmt als früher oder der Vater immer häufiger Termine vergisst, beginnen viele, sich Gedanken über die Zukunft zu machen: Wie soll das mal werden, wenn meine Eltern Hilfe brauchen? Wie kann ich sie unterstützen? Und wie viel Engagement traue ich mir zu?
"Wichtig ist, dass man sich erst einmal über seine eigenen Vorstellungen zu diesem Thema klar wird", empfiehlt Bettina Ugolini, Autorin des Ratgebers "Ich kann doch nicht immer für dich da sein". Dabei sollte man sich fragen, was man aufgrund seiner Lebensbedingungen und seiner Kompetenzen leisten kann, aber auch wo man Grenzen hat. Dabei helfe es, sich möglichst konkret vorzustellen, wie es beispielsweise wäre, wenn man seine Eltern im Pflegefall selbst versorgen würde. "Wenn dabei negative Gefühle aufkommen, sollte man das unbedingt ernst nehmen", sagt die Diplompsychologin, die an der Universität Zürich die Beratungsstelle "Leben im Alter" leitet. Sei man nicht ehrlich und übernehme Aufgaben aus reinem Pflichtgefühl, dann erledige man sie widerwillig - "Das tut keinem der Beteiligten gut", gibt die Expertin zu bedenken.
Hat man seinen Standpunkt gefunden, sollte man das Gespräch mit seinen Eltern suchen. "Allerdings ist es wichtig, dass man das Thema Alter nicht zu brachial anspricht", betont Gertrud Teusen, Autorin des Ratgebers "Da sein - Nah sein: Wie wir unseren alten Eltern guttun können". Die meisten Menschen wollten nicht wahrhaben, dass sie alt werden, und reagierten auf diese Thematik daher erst einmal sehr ablehnend und schroff. Besser sei es, möglichst unverfänglich in das Gespräch einzusteigen. "Beispielsweise könnte man ansprechen, dass man selbst eine neue Brille braucht - und dabei fragen, wie es denn um Mutters Sehfähigkeit bestellt ist", schlägt Teusen vor.
Erwachsene Kinder sollten zudem darauf achten, dass sie ihren Eltern auch im Alter auf Augenhöhe begegnen. "Schwierig wird es meistens dann, wenn die Rollen umgedreht werden und Kinder plötzlich anfangen, ihre Eltern wie Kinder zu behandeln", sagt Ugolini. Sätze wie "Das musst du doch einsehen!" sollte man sich verkneifen. Die Expertin empfiehlt, die eigenen Beobachtungen zu beschreiben und deutlich zu machen, dass einen die Situation beunruhigt. Wichtig sei, dass man auch die Perspektive der Eltern im Blick behalte und sie frage, ob sie Ähnliches empfinden oder die Lage vielleicht ganz anders beurteilen. Das Ziel sollte sein, gemeinsam einen Weg zu finden, wie man mit dem Älterwerden umgehen möchte.
Manchmal sei es hilfreich, wenn eine Vertrauensperson bei so einem Gespräch anwesend sei, um es ein bisschen zu moderieren - diese Aufgabe könnte beispielsweise der Pfarrer, der Hausarzt oder auch Freunde der Familie übernehmen. "Mit einem einzigen Gespräch ist es außerdem meistens nicht getan - man muss sich langsam und Schritt für Schritt annähern", sagt Ugolini.