Das Anfertigen der Hausaufgaben erfordert Konzentration. Immer weniger Kinder haben diese.
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Nur noch mit Medikamenten schulfähig?
Experten kritisieren den hohen Verbrauch an Psycho-Stimulanzien
Chemnitz. Die Zahl der psychisch kranken Kinder in Sachsen steigt - im vergangenen Jahr waren es bereits knapp 59.000. Den bei der AOK Plus versicherten Kindern in Sachsen und Thüringen wurden 2011 Psychopharmaka, zum Beispiel Ritalin, im Wert von 3,5 Millionen Euro verordnet - das entspricht einer Menge von insgesamt 1,1 Tonnen. Für Rolf Steinbronn, Vorstandsvorsitzender der AOK Plus, sind das "schier unfassbare Zahlen". Jedes vierte Kind befindet sich seiner Auskunft nach in psychiatrischer Behandlung - und die Tendenz steigt.
Verhaltens- und emotionale Störungen stehen mit 30 Prozent an zweiter Stelle der häufigsten psychischen Störungen im Kindesalter (bis zum zwölften Lebensjahr). In diese Gruppe gehören auch das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) und Hyperaktivität (ADHS). Den ersten Platz mit 55 Prozent nehmen Entwicklungsstörungen ein, also Probleme mit der Sprache, der motorischen, aber auch schulischen Entwicklung.
Über die Ursachen von psychischen Störungen und Krankheiten von Kindern wird viel diskutiert. Der richtige Umgang mit eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer gehört für die AOK-Experten zweifellos dazu. Auch bei Kindern zeigt sich, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen und Erkrankungen das Resultat seelischer Belastungen und Kränkungen sein können, wenn diese über einen längeren Zeitraum anhalten. Kinder mit chronischer Anspannung oder sehr einsame Kinder erkranken im Allgemeinen schneller, weil auch ihr Immunsystem nicht mehr richtig funktioniert. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, mit Gefühlen umzugehen. Eine große Verantwortung kommt dabei den Eltern zu, die durch das eigene Vorbild den Grundstein für die sogenannte emotionale Intelligenz ihrer Kinder legen.
Kinder, die sich selbst vertrauen und an sich glauben, gehen mit offenen Augen durchs Leben und werden in einer immer komplizierter werdenden Lebensumwelt besser zurechtkommen. Selbstbewusste Kinder besitzen eine Reihe von Fähigkeiten, die mit Vertrauen und Selbstvertrauen, innerer Sicherheit und Stärke, aber auch mit Mut und Entschlusskraft zu tun haben.
Morris Rosenberg, ein Pionier der Erforschung des Selbstbewusstseins, fand bereits 1965 heraus, dass von Schülern, die ein großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten hatten, nur vier Prozent zu Depressionen neigten. Von jenen, die ein sehr schwaches Selbstbewusstsein aufwiesen, dagegen 80 Prozent. Das Bemerkenswerte: Heute gehen Experten davon aus, dass sich der Weg in die eine oder andere Richtung bereits im frühen Kindesalter manifestiert.
Damit Kinder selbstsicherer werden, brauchen sie zuverlässige Kontakte, eine angstfreie Eltern-Kind-Beziehung, einen Halt gebenden Lehrer-Schüler-Kontakt. Ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt durch Lernerfolg in der Schule, Anerkennung durch Lehrer und Eltern, die Erfahrung, gebraucht zu werden. Wenn sich Kinder in der Familie, der Klasse oder Gruppe "aufgehoben" fühlen, trauen sie sich mehr zu.
20:12 Uhr
Walter54: Es ist traurig, dass heutzutage das Verabreichen von Psychopharmaka der echten Lösung von Problemen vorgezogen wird. Mit der Gesellschaft geht es immer mehr bergab.