Optische Attraktivität - ein wichtiger Einflussfaktor auf die Partnerwahl.Foto:
Was Mann und Frau verbindet
Was sind die ganz großen Wünsche bei der Partnerwahl und was davon ist wirklich realisierbar?
Chemnitz - Nach welchen Kriterien wählen Menschen ihren Lebenspartner oder auch den Lebensabschnittsgefährten aus? Geht es ausschließlich um Schmetterlinge im Bauch oder spielen vielleicht noch ganz andere Faktoren eine größere Rolle? Die Sehnsucht nach der ganz großen Liebe ist auf jeden Fall weltweit präsent und keinesfalls nur auf den westlichen Kulturkreis oder die Industrienationen beschränkt, wie der US-amerikanische Anthropologe William Jankowiak Anfang der 1990er-Jahre herausgefunden hat.
Er hat Menschen aus 166 unterschiedlichen Kulturkreisen weltweit befragt, ob sie sich die ganz große Liebe mit extra viel Romantik erträumen. Das Ergebnis mag vielleicht nicht weiter verwundern: In 151 dieser Kulturkreise möchte man gerne seinem Herzen folgen und sich mit allem Drum und Dran hoffnungslos in seinen Partner verlieben, sei es nun bei den Briten, Inuit oder Huronen. Soweit die Theorie. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Nach welchen Kriterien wählen wir unseren Partner aus?
Eine reine Liebesheirat etwa ist heute in vielen Ländern der Welt überhaupt nicht möglich, weil Eltern oder andere Gemeinschaften dort die Partner bestimmen. Aber auch hierzulande ist das so eine Sache mit der Verbindung fürs Leben. Eine Institution, an die man in Sachen romantischer Liebe wohl nicht zuallererst denkt, ist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Dort hat man im Rahmen des Mikrozensus 2007 ermittelt, dass in Deutschland die meisten Paare den gleichen oder zumindest einen ähnlichen Bildungsabschluss haben, nämlich 61 Prozent. Bei drei von zehn Paaren hat der Mann einen höheren Bildungsabschluss als die Frau, bei einem von zehn ist es genau umgekehrt. So sagt dann auch Thomas Klein vom Institut für Soziologie der Universität Heidelberg: "An einer Dominanz statusgleicher Partner kann man die Abgeschlossenheit sozialer Schichten erkennen."
Diese Tendenz, sich seinen Partner nach möglichst großen Übereinstimmungen mit dem eignen Bildungsabschluss, Wertvorstellungen, Erfahrungen und Zielen auszusuchen, wird in der Wissenschaft auch als Homogamie bezeichnet. Der Volksmund sagt: "Gleich und gleich gesellt sich gern." Aber auch die entgegengesetzte Richtung, die Heterogamie, findet in der Realität Niederschlag, frei nach dem Motto: "Gegensätze ziehen sich an". Der US-amerikanische Psychologe Steven Reiss konnte empirisch belegen, dass Paare sich in Sachen Hobbys und Interessen eher heterogam zusammenfinden, während sie in Bezug auf grundlegende Wertvorstellungen und sozialer Normen sich vor allem homogam arrangieren.
Wichtig erscheint vielen aber vor allem die optische Attraktivität - ein Einflussfaktor auf die Partnerwahl, der zumindest im westlichen Kulturkreis sogar noch weiter zuzunehmen scheint. Zahlreiche wissenschaftliche Studien stimmen darin überein, dass viele Männer dabei vor allem auf ein jugendliches Äußeres der Partnerin schauen, möglichst symmetrische Gesichtszüge und auch die klassischen Maße 90-60-90 bevorzugen. Frauen hingegen präferieren oft größere Männer mit eher breiteren Schultern.
Warum das so ist, erklärt der Psychologe David Buss von der Universität Michigan mit einem evolutionären Ansatz. Ihm zufolge ist es ganz einfach noch die Welt unserer Vorfahren, die auch heute noch in den Genen steckt. Attraktivität verspricht demnach genetische Fitness, ein breites Becken spricht für Gebärfreudigkeit und breite Schultern mit vielen Muskeln bieten Schutz vor Höhlenbär, Mammut und Co. Busse sagt: "Bei einem schlechten Partner zu bleiben, nutzt niemandem, der seine Gene erfolgreich weitergeben will. Wir sind die Nachfahren von Menschen, die wussten, wann es an der Zeit ist, aus einem Verlustgeschäft auszusteigen".
Andererseits spielen soziale Faktoren heute eine wichtigere Rolle, meinen die Forscher, die die Sozialisation und die Rolle der Gesellschaft stärker betont wissen wollen. Vor allem in Gesellschaften, die Frauen kaum Aufstiegschancen und Unabhängigkeit bieten, weder in gesellschaftlicher noch in beruflicher Hinsicht, achtet die Frau verstärkt auf den sozialen Status sowie das Einkommen des Partners, teilweise auch auf das Alter. Verfügen ältere Männer doch oft auch über ein höheres Einkommen. Aber nicht nur das. Größere Erfahrungen und Zuverlässigkeit, die sich viele Frauen wünschen, werden zumeist mit älteren Männern assoziiert. Umgekehrt stehen jüngere Frauen bei älteren Männern ebenfalls hoch im Kurs.