Er hat Grund zur Freude, denn seine Hüfte ist normal entwickelt.
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"Weiche" Babyhüfte noch gut formbar
Hüft-Ultraschall bei Babys ist nötig, denn die Hüftdysplasie ist die häufigste Fehlbildung im Säuglingsalter
Chemnitz. "Unserer Hebamme fiel gleich nach der Geburt von Mia auf, dass ihre Po-Falten nicht symmetrisch aussahen, wenn das Baby auf dem Bauch lag. Sie sagte, unsere Tochter könnte eine Hüftgelenksdysplasie haben", erzählt Miriam Reuter aus Wuppertal. Wenige Tage danach bestätigte die Kinderärztin den Verdacht mittels Ultraschall im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U2, die zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag des Kindes erfolgen soll. "Wir wurden noch am selben Tag zum Orthopäden geschickt", erinnert sich Mias Mutter.
Gelenkpfanne ist zu flach
Was genau ist bei einer Dysplasie an Babys Hüfte falsch geformt? Das Hüftgelenk muss beweglich und zugleich belastbar sein. Bei einem Kugelgelenk liegt der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens in der Gelenkpfanne der Hüfte. Wie in einer Schale dreht er sich in die verschiedenen Richtungen. Die Gelenkpfanne muss dabei einen großen Teil des Gelenkkopfs umschließen. Und genau an diesem Punkt besteht bei der Dysplasie das Problem: Die Gelenkpfanne ist zu flach geformt, Ärzte nennen es zu steil. "Die Pfanne kann deshalb den Gelenkkopf nicht halten, er droht herauszuwandern, in der Fachsprache Luxation genannt. Andererseits entwickelt die Pfanne aber nur dann ihre physiologische Form, wenn sie Druck durch den Hüftkopf erhält, er sich also tief in der Pfanne befindet", erklärt Dr. Silvia Schröder, Kinderorthopädin an der Uniklinik Aachen.
Geometrie hilft bei Diagnose
Die Dysplasie ist eine Reifungsstörung des Hüftgelenks und kommt bei zwei bis vier von hundert Säuglingen vor. Etwa zehnmal seltener ist die Ausrenkung des Hüftkopfes aus der Pfanne. Bei der teilweisen Ausrenkung, der Subluxation, sitzt der Hüftkopf bereits nicht mehr in der Mitte der Hüftpfanne, sondern ist leicht dezentriert. Bei der vollständigen Luxation ist er ganz herausgerutscht.
Eine Fehlbildung der Hüfte wird zuverlässig bei den beiden Ultraschalluntersuchungen erkannt, die die U2 und U3 (bis zur sechsten Lebenswoche) begleiten. "Nur manchmal ist eine Kernspin-Untersuchung nötig, etwa wenn der Rückführung des Gelenkkopfs in die Pfanne ein Hindernis entgegensteht, das abgeklärt werden muss", erläutert Prof. Alfred Karbowski, Chefarzt der Klinik für Orthopädie im Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln. Die Diagnose der Hüftfehlbildung hat viel mit Geometrie zu tun: "Das Hüftgelenk besteht aus knöchernen, knorpeligen und bindegewebigen Anteilen. Der sogenannte Alpha- und Beta-Winkel erlauben, die knorpelige und knöcherne Gelenkpfannenstruktur auszumessen. Die Winkel sind die Grundlage für eine Gradeinteilung der Hüftgelenkdysplasie oder der eventuell bereits eingetretenen Hüftluxation", erläutert Orthopädin Dr. Schröder.
Behandlung muss früh beginnen
Bleibt die Dysplasie unbehandelt, hat die Fehlbildung des Hüftgelenks schlimme Folgen: So kann der Hüftkopf ganz aus seiner Pfanne heraus gleiten. Doch auch, wenn dies nicht passiert, führt die Fehlbildung zu weiteren Verformungen und zum frühen Verschleiß des Hüftgelenks.
Die Behandlung sollte bereits in den ersten Lebenstagen und -wochen beginnen. Denn jetzt ist das Gelenk noch weich und besteht überwiegend aus Knorpel. "Bei der am häufigsten diagnostizierten Dysplasie besteht zwar eine zu steile Pfanne, aber ein noch zentriert stehender Hüftkopf. In diesen Fällen wird die Behandlung zum Beispiel mit einer Spreizhose oder einer Hüftbeugeschiene vorgenommen, um die Hüftpfanne zur Ausreifung zu bringen", erklärt Dr. Schröder. Bei der kleinen Mia kam neun Wochen lang die sogenannte Tübinger Hüftbeugeschiene zum Einsatz. Groß war die Erleichterung der Eltern, als sich bei den Kontrolluntersuchungen zeigte, dass die Dysplasie ausgeheilt war.
Mit Mühe zum Erfolg
Steht der Hüftkopf bereits außerhalb der Pfanne (Luxation), muss er zunächst manuell zurück in die Pfanne gebracht werden. Damit er aber auch dort bleibt, muss das Baby einige Wochen eine Sitz-Hock-Position einnehmen, was zum Beispiel durch einen sogenannten Fettweis-Gips oder die Pavlik-Bandage erreicht wird. Welche Methode angewandt wird, hängt dabei auch vom behandelnden Arzt ab. So favorisieren einige Fachleute Hilfen, die dem Kind, zum Beispiel zum Baden, ausgezogen werden können. Anderen ist dies zu unsicher: "Wir befürworten den Fettweis-Gips", so Prof. Alfred Karbowski, "denn dieser kann nicht ausgezogen werden, was den Behandlungserfolg sicherer macht."
Nur selten ist eine Operation nötig. "Die konservative Behandlung ist das A und O", betont Prof. Karbowski. Werde doch ein chirurgischer Eingriff nötig, so meist bei Kindern mit einer Ausrenkung des Hüftkopfs, die auf die normalen Therapien nicht ansprechen. "Auch bei einer Luxation reicht aber etwa bei zwei Drittel der Fälle eine konservative Behandlung, ein Drittel muss operiert werden", so Karbowski. Die Operation findet ab einem Alter von drei bis vier Monaten statt. Nach der Operation bekommt das Kind meist für einige Wochen einen Becken-Bein-Gips.
Breit wickeln ist keine Therapie
Von den therapeutischen Maßnahmen muss das sogenannte "breite Wickeln" abgegrenzt werden, das keine Therapie ist. Es wird vom Arzt manchmal empfohlen bei einer physiologischen Unreife des Hüftgelenks, die sich im Laufe der ersten Lebenswochen meist von selbst gibt. Diese Unreife ist noch keine Dysplasie, die vom Arzt gemessenen Winkel sind grenzwertig zum Normalbereich. Das breite Wickeln soll den normalen Reifeprozess des kindlichen Hüftgelenks unterstützen.
Dabei kann man dem Baby über die geschlossene normale Windel zwei gefaltete Einwegwindeln zwischen die Beinchen legen, bevor man den Body darüber zieht. Die Beine sollten seitlich etwas angewinkelt sein. Auch ein Moltontuch kann zu einem schmalen Rechteck gefaltet und quer zwischen die Beine des Säuglings gelegt werden.
14:04 Uhr
FranzJosefNeffe: Mit eben diesem Problem kamen häufig Mütter mit ihren Babys zu D.Dorn. Der Arzt hatte die "Spreizwindel" verordnet, die löst das Problem aber nicht. Sie hält nur die Beine in einer Position, wo man sie gerne hätte. Dorn zeigte den Müttern eine einfach "Hüft-Übung", die machten sie täglich mehrmals mit dem Kind und der Arzt fand dann bei der nächsten Visite keinen Grund mehr für eine "Spreizwindel". Die - inzwischen weltweit verbreitete - Dorn-Methode kann jeder in 1 Tag lernen; dann ist man zwar noch kein Meister aber immerhin Anfänger. Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe
Franz Josef Neffe