Internet Mit ein paar Klicks ist es nicht immer getan.

Foto: Rüdiger Wölk/imago

Auf der Suche nach dem günstigen Tarif

Wie man beim Stromanbieterwechsel vorgehen und worauf man bei Vergleichsportalen im Internet achten sollte

Chemnitz/Berlin. Vergleichsportale für Stromtarife sind, wie bereits berichtet, nach Ansicht der Stiftung Warentest zu kompliziert und unübersichtlich. Dabei können diese Portale bei der Suche nach einem günstigeren Tarif durchaus helfen. "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Wie funktionieren Vergleichsportale?

Die Internet-Vergleichsportale holen regelmäßig Angebote der Energieversorger ein. Die Tarifrechner sortieren bei Anfragen von Nutzern diese Angebote nach ihrem Preis von billig nach teuer. Es arbeiten allerdings nicht alle Anbieter mit allen Tarifrechnern zusammen, sodass ein Internetportal nicht zwingend eine Auflistung aller Angebote zeigt. Schließt ein Kunde über ein Vergleichsportal einen neuen Vertrag ab, etwa mit einem Stromanbieter, zahlen einige Anbieter eine Provision. Diese liegt nach Recherchen der Stiftung Warentest oft zwischen 30 und 55 Euro pro Vertrag.

Worauf muss der Verbraucher bei der Tarifsuche achten?

Bei jedem Tarifrechner sollte der Kunde auf die voreingestellten Suchoptionen achten. Sitzt ein Häkchen an der falschen Stelle, sucht der Kunde - ohne es zu bemerken - nach Angeboten, die auch strittige Konditionen wie Vorkasse, Pakettarife oder lange Anschlusslaufzeiten beinhalten. Wegklicken sollten Verbraucher die Voreinstellung "Boni berücksichtigen". Denn indem die oft hohen Neukundenboni vom Gesamtpreis abgezogen werden, landen ihre Anbieter auf den günstigsten Plätzen der Preislisten. Allerdings werden die Boni oft gar nicht ausgezahlt, etwa wenn ein Kunde nur zwischen zwei Tochterfirmen eines Energieanbieters wechselt. Verbraucherschützer kritisieren, dass nicht alle Vergleichsportale darauf hinweisen, dass der geplante Wechsel zwar ein Tarif-, aber kein Anbieterwechsel ist ("Mehrmarkenstrategie"). Schließlich sollten Wechselwillige vor Vertragsunterzeichnung die dort aufgeführten Konditionen noch einmal genau durchlesen, um sicherzugehen, dass sie mit denen aus dem Angebot übereinstimmen.

Was kann der Verbraucher tun, um via Internet den besten Anbieter zu finden?

Verbraucherschützer raten dazu, die Vergleichsportale auch untereinander zu vergleichen. Wer auf verschiedenen Internetseiten sucht, erhöht die Chance, auf ein wirkliches Schnäppchen zu stoßen. Außerdem bekommt der Verbraucher so ein Gefühl dafür, wie hoch der Preis für einen bestimmten Strom- oder Gasverbrauch sein sollte. Trügerischen Lockvogel-Angeboten geht der Kunde dann nicht so schnell auf den Leim. In den Vergleich einbeziehen sollten die Verbraucher auch die Internetseiten der Anbieter direkt.

Wer kontrolliert die Vergleichsportale?

Eine behördliche Überwachung der Vergleichsportale gibt es nicht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband schlägt vor, die Kompetenzen der Bundesnetzagentur auszuweiten: von der Überwachung der Energieversorger auch auf Energie-Vergleichsportale. Auch der Tüv testet und zertifiziert die Servicequalität von Onlineportalen. Datengrundlage sind hier allerdings keine eigenen Untersuchungen, sondern Kundenbefragungen.

Wie finde ich den günstigsten Anbieter?

Kostenlose Preisvergleiche finden sich im Internet. Zur Berechnung einer Liste mit den günstigsten Tarifen genügen der Jahresverbrauch in Kilowattstunden, abzulesen auf der jüngsten Stromrechnung, und die Postleitzahl.

Welche Kriterien sind wichtig?

Wichtige Kriterien für faire Stromtarife sind eine monatliche Zahlungsweise, eine kurze Kündigungsfrist, eine kurze Anschlusslaufzeit und eine Preisgarantie. Wer Ökostrom möchte, sollte auf Siegel achten wie Ok-Power oder Grüner Strom Label. Der Vergleichsrechner listet die verschiedenen Angebote vom billigsten bis zum teuersten Anbieter auf. Abzuraten ist von Vorkasse, Pakettarifen, bei denen bei geringerem Verbrauch kein Geld erstattet wird, kurzer Preisgarantie und langen Kündigungsfristen.

Wie lange dauert der Anbieterwechsel?

Wer von seinem Anbieter ein Schreiben über eine Preiserhöhung erhält, hat in der Regel das Recht zur sofortigen Kündigung. Das muss möglichst bald nach Erhalt der Information erfolgen. Auch ohne Preiserhöhung ist der Wechsel möglich: Grundversorgungstarife können mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende gekündigt werden. Oft finden sich aber auch Tarife mit Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten. Es darf maximal nur drei Wochen dauern, bis der neue Anbieter Strom liefert. Die Frist beginnt, wenn der neue Lieferant den Wechsel des Kunden beim Netzbetreiber anmeldet. Die Versorgung kann dann an jedem beliebigen Werktag beginnen.

Wie wechsle ich am bequemsten?

Am einfachsten ist es, dem neuen Anbieter eine Vollmacht zu erteilen. Dieser erledigt meist die Kündigung und alle Formalitäten. Bei Kündigung wegen Preiserhöhung gilt der alte Tarif, bis der Wechsel perfekt ist.

Wie lange sollte ich mich an den neuen Anbieter binden?

Je kürzer desto besser. Da die Strompreise in Bewegung sind, empfehlen Verbraucherschützer eine Vertragslaufzeit von höchstens einem Jahr. Die Kündigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen.

Was passiert beim Wechsel?

Der Strom kommt auch nach dem Anbieter-Wechsel vom örtlichen Versorger, die Zähler bleiben die alten. Der neue Anbieter stellt den Strom weiter in das allgemeine Netz ein und zahlt dem lokalen Versorger eine Gebühr für den Transport bis in den Haushalt. Die Gefahr, ohne Strom dazustehen, gibt es auch bei einer Pleite des neuen Versorgers nicht. Der lokale Versorger ist gesetzlich verpflichtet, alle Haushalte zu versorgen - auch wenn sie nicht mehr Vertragspartner sind. Bei Problemen kann man sich an die Schlichtungsstelle wenden.

Der Test der Warentester

Von zehn Portalen erhielten fünf ein "befriedigend", vier ein "ausreichend" und eins "mangelhaft".

Speziell unerfahrenen Internetnutzern empfiehlt Stiftung Warentest die Vergleichsportale www.Energieverbraucherportal.de und www.Hauspilot.de. Bei einem Vergleich von insgesamt zehn Portalen bekamen sie wie www.verivox.de, www.check24.de und www.toptarif.de ein "befriedigend".

Das Versprechen, beim Anbieterwechsel bis zu 1000 Euro zu sparen, sei unrealistisch. Beim Basistarif sei eine Ersparnis von zehn bis 20 Prozent möglich, ein Drei-Personen-Haushalt spart bis zu 240 Euro. (afp)

Service

www.schlichtungsstelle-energie.de

 
erschienen am 01.03.2013
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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