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Kurze Laufzeit mit Tücken

Nimmt man jetzt einen Kredit zum Billigzins auf, kann das bei kurzer Zinsbindung teuer werden

Bielefeld. Immobilienkäufer können von der Schuldenkrise in der Europäischen Union nicht nur profitieren, weil die Zinsen für Darlehen auf ein Rekordtief gesunken sind. Immobilienkäufer können von der Misere auch viel lernen - indem sie zumindest die eigene Finanzierung auf solide Beine stellen. "Billiges Geld verleitet zum Schuldenmachen und dazu, die langfristige Refinanzierung außer Acht zu lassen", sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Konkret warnt er davor, sich die finanzielle Belastung durch die Wahl einer zu kurzen Zinsbindung und niedrige Tilgungen schön zu rechnen.

Die Euro- und Schuldenkrise hält die Konditionen für Immobiliendarlehen seit Wochen auf einem Rekordtief. Eine kurze Zinsbindung kann aber für Bauherren oder Wohnungskäufer zum Problem werden, wenn die Zinsen für Immobilienkredite mittelfristig steigen. Denn: Mit Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist in fünf oder zehn Jahren sitzen viele Immobilienkäufer, die sich für eine Standardtilgung von einem Prozent entschieden haben, noch auf einer Restschuld von rund 95 oder 90 Prozent. Liegen die Zinsen im Jahr 2017 oder 2022 nur zwei oder drei Prozent über dem heutigen Niveau, kann sich die Kreditrate schnell verdoppeln. "Wer dann die künftige Belastung nicht mehr stemmen kann, verliert seine Immobilie und riskiert eine Privatinsolvenz", warnt Finanzexperte Hölscher.

Die Finanzierungsexperten raten daher, das aktuelle Zinstief langfristig zu nutzen. Laut Enderlein können Darlehen mit 15 oder 20 Jahren Zinsbindung derzeit ebenfalls günstig aufgenommen werden - und sind damit nur unwesentlich teurer. Käufern und Bauherren rät der Experte, die Immobilienfinanzierung für 20 Jahre abzuschließen - noch dazu, wenn sie über geringes Eigenkapital verfügen. Sie müssen sich dann bis ins Jahr 2032 keine Sorgen um eine Verteuerung ihrer Monatsrate machen." Zudem lässt sich der Schuldenberg in 20 Jahren deutlich mehr abtragen als binnen zehn Jahren - was das Risiko einer teuren Anschlussfinanzierung zusätzlich verringert.

Darüber hinaus sollten Immobilienkäufer im jetzigen Zinstief nicht mit einer Standardtilgung von nur einem Prozent beginnen. "Das ist gerade im jetzigen Zinstief viel zu wenig und verlängert die Gesamtlaufzeit des Kredites auf über 50 Jahre", warnt Hölscher. Eine solide Immobilienfinanzierung startet nach Worten des Experten mit einer Mindesttilgung von zwei Prozent. Die monatliche Kreditbelastung sei dann meist immer noch gut zu stemmen und führt in 20 Jahren nicht zu einem bösen Erwachen, sondern zu Wohneigentum.

 
erschienen am 13.07.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 14.07.2012
    01:50 Uhr

    heureca: Sicher wird jetzt, wo die Eurobonds in sichtbare Nähe rücken, so
    mancher behaupten, dass es richtig sei, die Zinsen jetzt langfristig
    zu sichern, einen SWAP zu kaufen oder gar einen Forward-Vertrag
    abzuschließen. Die Experten der Kreditvermittler raten ja auch, sich
    jetzt die historisch günstigen Zinsen langfristig zu sichern.
    Aber das hat natürlich nichts mit professionellem Zinsmanagement zu
    tun, denn es ist eine reine Spekulation auf kurzfristig  u n d
    nachhaltig steigende Zinsen. Ein "Roulette-Spiel" ist es sowieso, da
    ja nicht klar sein kann, wie die Situation nach der Zinsbindung
    aussehen wird.

    Professionelles Zinsmanagement hat viel mit dem Verstehen von
    wirtschaftlichen Abläufen zu tun - es ist wichtig zu wissen, wie sich
    Zinstrends in den konjunkturellen Zyklen bewegen und welche
    Indikatoren wichtig sind, um die Zusammenhänge zu verstehen.
    Wer glaubt, dass die Zinsen nun aufgrund der Eurobonds in
    unerträgliche Höhen wachsen, wird sich getäuscht sehen, denn der
    Höchststand am 29. Juni war bereits das Maximum.

    Wenn man sich mit den gesamten wirtschaftlichen Rahmendaten
    auseinandersetzt, kann man sehen, dass die Zinsen momentan nicht
    nachhaltig steigen können. Solange die Staatsverschuldung in Europa
    weiterhin die heutigen Dimensionen beibehält und die Wirtschaft nicht
    boomt wie in den Wirtschaftswunder-Zeiten, werden die Leitzinsen und
    somit auch die Kreditzinsen niedrig bleiben.

    Diejenigen, die dieser Tage langfristige Zinsbindungen vereinbaren
    oder Forwards kaufen, werden sich in Bälde darüber ärgern und
    ohnmächtig zusehen müssen, wie die Konditionen weiter sinken.
    Wiederum könnte ein Blick nach Japan helfen, die momentane Situation
    richtig einzuordnen: Dort pendeln die langfristigen Zinsen seit 15
    Jahren zwischen 1,5 und 2%. Die zehnjährigen SWAP-Sätze waren dort in
    diesem Zeitraum sogar schon einmal bei 0,5%!
    Der langfristige Abwärtstrend ist ungebrochen, trotzdem die neuesten
    Ergebnisse aus dem EU-Gipfel bereits eingepreist sind. Nachdem die
    Angst vor den Eurobonds eskomptiert zu sein scheint, spricht alles für
    weiterhin fallende Zinsen.

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