Wenn sich die Schulden türmen, ist guter Rat oft teuer.
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Schuldenfrei - das sollten Sie tun
Verbraucherschützer zeigen, wie man mit Schulden umgeht
Düsseldorf. Im Zusammenhang mit einem neuen Ratgeber haben die Verbraucherzentralen zehn Grundregeln aufgestellt, wie man seine Schulden angehen sollte:
1. Werden Sie aktiv. Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit einen Fehler gemacht. Vielleicht haben Sie sich zu viel Geld geliehen. Oder Sie haben einem windigen Geschäftspartner zu sehr vertraut. Vielleicht hat das Schicksal Ihnen auch übel mitgespielt. Egal. Es kommt darauf an, was Sie jetzt daraus machen. Packen Sie es an!
2. Sie sind nicht allein. Weit mehr als sechs Millionen Menschen in der Bundesrepublik sind überschuldet. Glauben Sie nicht, Sie hätten "versagt", weil Sie Schulden haben. Machen Sie in Ihrer Familie und auch im Kollegen und Bekanntenkreis klar, dass Sie Schulden drücken. Sie werden sich wundern: Wenn Sie erst einmal die Karten auf den Tisch gelegt haben, werden bestimmt andere zu Ihnen kommen, die ähnliche Probleme haben.
3. Erst an den Vermieter, dann an die Bank zahlen. Viele Menschen denken zuerst an die Bank, bevor sie sich um ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit kümmern. Sicher sollten Sie Ihre Schulden nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber kein Kredit ist so wichtig, dass Sie deshalb riskieren sollten, dass Ihnen die Wohnung gekündigt oder der Strom gesperrt wird.
4. Dubiosen Kreditvermittlern aus dem Weg gehen. "Bargeld sofort - ohne Schufa-Anfrage!" Solche Kleinanzeigen klingen verlockend. Aber tun Sie sich einen Gefallen: Lassen Sie die Finger von solchen Kreditvermittlern. Sie werden tatsächlich bei solch einem Kredithai fast nie Geld sehen - vielleicht schwatzt er Ihnen auch nur eine unnötige Versicherung auf.
5. Hilfe holen. Einen Schuldenberg abzubauen ist viel leichter mit Unterstützung einer Vertrauensperson. Das kann eine Schuldnerberaterin sein, ein Kollege aus dem Betriebsrat oder eine freundliche Nachbarin. Aber Vorsicht: Es gibt Anbieter, die selbst an Ihrer ausweglosen Situation noch etwas verdienen wollen. Sogenannte gewerbliche Schuldenregulierer versprechen oft einfache Lösungen, verlangen viel Geld von Ihnen - und das, ohne Sie der Lösung Ihres Problems auch nur ein Stück näherzubringen. Gut zu wissen, dass die Schuldnerberatung der Wohlfahrtsverbände, Kommunen und der Verbraucherzentralen in aller Regel gebührenfrei ist. Und diese Schuldnerberatung ist in jedem Fall seriös.
6. Verhandeln ist öfter möglich, als Sie denken. Viele Menschen wissen nicht, wie oft Gläubiger nachgeben. Doch dafür müssen Sie verhandeln. Es kommt durchaus vor, dass danach nur noch ein Viertel der ursprünglichen Schuld abbezahlt werden muss. Versuchen Sie es, dafür müssen Sie keineswegs ausgebuffter Verhandlungsprofi sein.
7. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Es gehört zum Repertoire einiger Gläubiger, Sie durch ständige Anrufe zu nerven - oder sogar breitschultrige Herren in Lederjacken vorbeizuschicken. Ein typischer Fehler von Schuldnern ist, diesen Einschüchterungsversuchen nachzugeben und an den zu zahlen, der am meisten Druck macht. Versuchen Sie, diesem zu widerstehen. Sie erreichen nämlich mehr, wenn Sie mit allen Gläubigern sachlich verhandeln und einen genauen Sanierungsplan ausarbeiten. Denken Sie daran: Als Ausweg bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit, es mit der Restschuldbefreiung durch das Verbraucherinsolvenzverfahren zu versuchen.
8. Keine Angst: Sie können nicht ins Gefängnis kommen. Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, wenn Ihr Gläubiger andeutet, Sie könnten verhaftet werden. Nur wenn Sie sich weigern, eine eidesstattliche Versicherung abzulegen, mutwillig Ihre Unterhaltspflichten verletzen oder andere schwerwiegende Straftaten begangen haben, können Sie verhaftet werden.
9. Forderungen immer kontrollieren. Nur weil etwas auf Papier geschrieben steht, muss es noch lange nicht stimmen. Überprüfen Sie immer, ob alles seine Richtigkeit hat, bevor Sie zahlen! Vielleicht sind Sie gar nicht in der Pflicht, sondern nur Ihr (Ex-)Partner? Vielleicht verlangt der Gläubiger zu viele Gebühren oder die Forderung ist verjährt? Aktuell kommt es außerdem wiederholt vor, dass Forderungen aus Verträgen erhoben werden, die angeblich im Internet geschlossen wurden, obwohl diese nicht zustande gekommen oder zumindest angreifbar sind. Deswegen ist es äußerst wichtig, sich beraten zu lassen.
10. Versuchen Sie, sich mit Geduld zu wappnen. Sicher - das ist leichter gesagt als getan. Trotzdem: Versuchen Sie es. Sie können sich Hilfe und Unterstützung holen - aber nur Sie haben es in der Hand, Ihre Schuldensituation wieder vollständig in den Griff zu bekommen. Die oft über Jahre angehäuften Schulden werden Sie weder durch eine neue Umschuldung los noch werden sich diese in Luft auflösen, wenn Sie sie ignorieren. (db)
Service
Mehr zum Thema im Ratgeber "Geschafft: Schuldenfrei!" 6. Auflage 2012, 216 Seiten, 9,90 Euro (zzgl. 2,50 Euro Versandkosten). Bestellmöglichkeiten: Bei allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Sachsen, unter Telefon 0211 3809555 oder im Internet: www.vz-ratgeber.de; www.vzs.de