Foto: ddp
Frustrierendes Gefühl
Gute Vorschläge - und der Chef hört nicht zu
Essen (ddp). Es ist ein frustrierendes Gefühl: Man weiß die Lösung für ein Problem, hat eine Idee, die die Arbeit wesentlich erleichtern könnte - aber es will sie scheinbar niemand hören. Das könne an der Art liegen, wie man seine Vorschläge äußert, sagt der Berufssoziologe Prof. Bernhard Schach aus Essen: "Manche präsentieren ihre Ideen so verhuscht, dass sie bei den anderen nicht ankommen. Andere müssen einfach lernen, wie man argumentiert. Man sollte sich spiegeln lassen, wie man bei den anderen ankommt." Die einfachste Möglichkeit: Einen ehrlichen Kollegen fragen. Wer dabei Schwächen bei sich entdeckt, dem könne zum Beispiel ein individuelles Coaching weiterhelfen.
"Wenn jemandem nicht zugehört wird, ist das aber oft auch das Resultat seiner Stellung in der Gruppe", sagt Schach. Hier sei der Teamleiter in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Kommunikation funktioniere. Erleichtert werde dies zum Beispiel durch Nutzung des Intranets. Kommunikationsplattformen wie Foren oder Blogs, in denen die Einträge von allen Teammitgliedern kommentiert werden können, oder auch E-Mails ans gesamte Team gäben auch denen, die sonst nicht gehört werden, die Möglichkeit, sich zu beteiligen und zu profilieren: "Was man aufschreibt, kann eigentlich kaum übersehen werden, der Vorschlag ist dann gewissermaßen in der Akte."
Es gebe aber auch Vorgesetzte, die nicht zuhören könnten und gar kein Interesse an Vorschlägen aus dem Team hätten. "Solche Chefs sind eine Katastrophe", sagt Schach. Ihnen müsse unter Umständen von der Unternehmensleitung klar gemacht werden, dass ihr Verhalten nicht nur demotivierend sei, sondern auch verhindere, dass wertvolle Vorschläge von der Basis in die betrieblichen Entscheidungsprozesse einflössen. "Wer nicht in der Lage ist, in seinem Bereich eine offene Kommunikationskultur aufzubauen, ist als Vorgesetzter prinzipiell ungeeignet", stellt Schach klar. Nicht umsonst werde in Kommunikationsseminaren für Führungskräfte der Satz gelehrt: Wer fragt, führt.
(ddp)