Im warmen Wasser lassen sich rheumageschädigte Gelenke besser bewegen.
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Bewegung lockert kranke Gelenke
Rheuma ist auch eine Kinderkrankheit. 15.000 Heranwachsende unter 16 Jahre haben chronische Gelenkentzündungen. Zum sogenannten rheumatischen Formenkreis gehören aber mehrere hundert Erkrankungen. Linderung verschafft unter anderem die Bewegung. Diese stand im Focus des gestrigen Weltrheumatags.
ChemnitzDie rheumatoide Arthritis, wie das entzündliche Gelenkrheuma in der Fachsprache genannt wird, gehört zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen im Kindesalter. Bei dieser Krankheit greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe - speziell an den Gelenken - an und zerstört es. Jährlich kommen nach Auskunft der Rheumaliga 1500 Neuerkrankte hinzu. Um solche dauerhaften Schäden zu verhindern, sei fachkundige Bewegungstherapie und eine frühzeitige und leitliniengerechte Behandlung erforderlich. "Jede Neuerkrankung ist ein medizinischer Notfall, dessen Behandlung in die Hände erfahrener Rheumatologen gehört", betonte Prof. Matthias Schneider vom Uniklinikum Düsseldorf auf dem Deutschen Rheumakongress im September in München. Die Erkrankung beginne mit einer schmerzhaften Schwellung und morgendlicher Steifigkeit der Gelenke sowie grippeähnlichen Symptomen.
Ziel der Rheumatherapie bei Kindern sei es vor allem, die Beschwerden durch möglichst risikoarme Behandlungen zu lindern und ihnen eine normale körperliche Entwicklung zu ermöglichen, ergänzte Prof. Gerd Horneff, Vorsitzender der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie. Einen Durchbruch bei der Therapie rheumatischer Erkrankungen brachten vor einigen Jahren die sogenannten Biologika. Diese molekularbiologisch hergestellten Medikamente greifen gezielt in Entzündungsprozesse ein. Immerhin ist inzwischen ein Teil der neuen Präparate für Kinder zugelassen. Häufig jedoch gilt diese Zulassung nur für einige wenige Formen von Kinderrheuma. Dieses Problem besteht übrigens häufig in der Kinderheilkunde: Nur eine Minderheit der in Deutschland zur Verfügung stehenden Medikamente ist für Kinder verordnungsfähig.
Eine sogenannte Off-Label-Therapie - also außerhalb des zugelassenen Bereichs - ist laut Gesetz nur dann erlaubt, wenn es keine wirksame Alternative gibt und wenn zudem konkrete Forschungsergebnisse Therapieerfolge belegen. Krankenkassen lehnen die Finanzierung oft mit dem Hinweis auf fehlende Studien ab. "Das passiert sogar bei besonders schwer erkrankten Kindern, die stationär in spezialisierten Zentren behandelt werden. Den Patienten drohen so bleibende Schäden", klagt Horneff. Dabei gibt es in vielen Fällen gut dokumentierte Therapieerfolge, die durch den internationalen Austausch der Experten auf Kongressen und in Fachzeitschriften mitgeteilt werden.
Von der Europäischen Arzneimittelbehörde ist jetzt ein Medikament für Kinder zugelassen worden. Tocilizumab stammt aus der Rheuma-Therapie der Erwachsenen, wo es bereits seit Januar 2009 erfolgreichen Einsatz findet, teilt der Hersteller Roche Pharma mit. Kinder, die an der schwersten Form von Rheuma, dem Morbus Still, erkrankt sind, könnten davon profitieren. Patienten mit Morbus Still leiden unter chronischen Gelenkentzündungen, Hautausschlägen und Fieberschüben. Die Entzündung kann sich auf den gesamten Körper ausweiten. Organschäden und Wachstumsstörungen bis hin zu Kleinwuchs können die Folge sein. Bislang zeigten nur wenige Medikamente Wirkung. Die neue, zielgerichtete Therapie könne die Entzündung unterbrechen und die Krankheitssymptome dauerhaft zurückdrängen. Das Präparat sei schon ab einem Alter von zwei Jahren verordnungsfähig.