Depressive versuchen oft, sich mit Alkohol zu betäuben.
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Durchhalte-Appelle und Urlaub helfen bei Depression nicht
Jeder fünfte Deutsche leidet oder litt an einer depressiven Störung
Leipzig. Nichts macht mehr Spaß, weder Freude noch Ärger erfüllen das Herz - nur noch tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Rund vier Millionen Deutsche leiden unter einer klinischen Depression, berichtet Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. "Durch bessere Aufklärung und Diagnose erhalten aber immer mehr Betroffene eine professionelle Behandlung."
Die früher sogenannte "Gemütskrankheit" habe nur selten eine einzige Ursache. Erbliche Veranlagung und Persönlichkeit spielten eine Rolle, aber auch psychische Belastungen wie der Tod eines geliebten Menschen oder Konflikte in Familie oder Partnerschaft. Ebenso könnten körperliche Erkrankungen, etwa der Schilddrüse, eine Depression auslösen oder auch soziale Faktoren, beispielsweise der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Umzug oder eine Beförderung.
All diese Dinge verändern den Stoffwechsel im Gehirn, erläutert Hegerl: "Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin sind aus dem Gleichgewicht, sodass die Übertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn gestört wird. Die Folge: Schlafstörungen, Grübeln, Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen, Depressionen." Die Betroffenen fühlen sich "innerlich leer", können sich zu nichts aufraffen, können sich nicht mehr konzentrieren und ziehen sich nach und nach von anderen zurück. "Behandelt werden dann häufig nur die körperlichen Beschwerden und nicht die Depression", berichtet Markus Pawelzik, leitender Arzt der EOS-Klinik für Psychotherapie in Münster. Deshalb seien Depressive auch besonders gefährdet, alkoholabhängig zu werden, wenn sie Heil und Trost im Trinken suchen.