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Für Sport ist es nie zu spät

Eine trainierte Muskulatur beugt im Alter Stürzen und Gebrechlichkeit vor

Köln/Remscheid (dapd). Muskelaufbau ist altersunabhängig. "Wenn jemand mit über 65 Jahren vom Nichtstun zur Bewegung findet, ist die Verbesserung besonders stark", sagt Herbert Löllgen, Facharzt für Inneres, Sportmedizin und Kardiologie in Remscheid. "Körperliche Aktivität als Lebensstil ist also bei Älteren unbedingt notwendig und zu empfehlen, um die Gesundheit herzustellen oder zu erhalten", sagt Löllgen. "Und ich spreche bewusst immer lieber von Bewegung und nicht von Sport, weil allein das Wort Sport viele abschreckt."

Bis zum 50. Lebensjahr haben die Menschen noch ein gutes Kraftverhältnis, danach baue der Körper ab und sportliche Aktivität werde umso wichtiger, um Gebrechlichkeit und Stürzen vorzubeugen und die Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. "Vor allem bei Älteren sollten auch Alltagsbewegungen wie Treppensteigen, manuelle Hausarbeit oder Gartenarbeit positiv angesehen werden", sagt Internist Löllgen, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) ist, denn mehrere dieser kleinen Trainingseinheiten am Tag summierten sich zu einem positiven Gesamteffekt.

"Wir wissen aus vielen Studien, dass schon moderate und regelmäßige Bewegung die Sterblichkeit senkt", sagt Löllgen. Trotzdem treiben nur 13 bis 15 Prozent aller Deutschen mehr als dreimal pro Woche mindestens 30 Minuten Sport, wie es die Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit empfiehlt. "Fast die Hälfte der Deutschen ist inaktiv und bewegt sich nicht über die Alltagsaktivitäten hinaus." Dabei sei es nie zu spät, mit dem Sport zu beginnen.

"Vor dem Besuch im Fitnessstudio oder vor anderen sportlichen Aktivitäten sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um sich einmal komplett durchchecken zu lassen", sagt Löllgen. "Nur so können Risiken abgeschätzt und die Belastungs- und Trainingsintensität beurteilt werden." Gibt es grünes Licht vom Arzt, brauchen ältere Menschen unbedingt ein individuell angepasstes Übungs- und Trainingsprogramm, mit dem sie zu regelmäßiger Aktivität angeleitet werden. "Das gilt auch und gerade für Menschen mit chronischen Krankheiten, bei denen körperliche Aktivität eine Therapie darstellt, oder für diejenigen, die bisher nicht körperlich aktiv waren", sagt der Mediziner.

Das Training älterer Menschen sollte wie bei allen anderen Altersgruppen vielseitig sein und sich innerhalb eines Wochenzyklus aus "70 Prozent Ausdauer, 20 Prozent Krafttraining und 10 Prozent koordinativem Beweglichkeitstraining, also dem, was wir früher Gymnastik nannten, zusammensetzen", sagt Löllgen. Am besten beginnt man jedes Training mit Aufwärmen, leichten gymnastischen Übungen und dynamischen Dehnungen. "Älteren Personen wird in der Regel die Teilnahme in Gruppen empfohlen, die von Vereinen, auch mit dem Siegel 'Sport pro Gesundheit, von Krankengymnasten, Seniorensportgruppen oder qualifizierten Fitnessstudios angeboten werden."

Wer sich für das Training in einem Fitnessstudio entscheidet, sollte laut Löllgen das Studio auf jeden Fall vorher besuchen und auf zwei Dinge achten: Die Trainer müssen Sportwissenschaftler oder Übungsleiter sein und die erste Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen stimmen, beispielsweise muss ein Defibrillator da sein und jemand, der im Notfall damit umgehen kann. "Es schreckt zwar viele ab, erst einmal nach einem Defibrillator zu fragen", sagt Löllgen. "Aber das ist entscheidend und spricht auch für die Qualität des Studios."

Zur Ergänzung des Trainingsprogramms ist ein gelegentlicher Wechsel der Sportart angeraten. Gut geeignet sind beispielsweise auch Schwimmen, Aquagymnastik, Aqua-Riding oder Nordic Walking. "Gerade im Alter geht es aber nicht nur um den reinen Sport", sagt Löllgen: "Auch begleitende Maßnahmen wie Wellness, Sauna oder Massagen sind unbedingt zu empfehlen."

dapd

 
erschienen am 29.03.2011
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