Ohne Schuhe und Strümpfe, im weichen Sand fühlen sich Füße am wohlsten. Enge Schuhe und Fehlbelastungen führen bei vielen Menschen zu schmerzhaften Deformierungen.Foto: dapd
Füße lieben Luft, Sand und Wiesen
Unsere Füße tragen uns im Laufe des Lebens dreimal um die Welt
Chemnitz. Der Tag des Fußes (29.Juni) liegt nicht zufällig am Beginn des Sommers. Denn oftmals erst dann, wenn man Sandalen tragen möchte, werden Pflegefehler oder Deformierungen sichtbar. Vorher schenken die meisten diesem komplizierten Gebilde aus 28 Knochen, 114 Bändern und 20 Muskeln viel zu wenig Aufmerksamkeit. Es sei denn, die Füße schmerzen, dann spürt man, welch große Last sie zu tragen haben.
Fußprobleme sind weit verbreitet, und das nicht nur im fortgeschrittenen Alter. "Senk- und Spreizfüße als Ursache vieler Deformierungen werden bereits im Kindes- und Jugendalter festgestellt", erklärt Dr. Udo Rötschke, Fußchirurg und Facharzt für Orthopädie aus Chemnitz. "Beim Senk- und Spreizfuß weichen die Zehen aufgrund der Fehlbelastung fächerförmig am Vorderfuß auseinander. Zwängt man sie dann in nach vorn spitz zulaufende Schuhe, knickt zum Beispiel das Großzehengrundgelenk ab und drückt seitlich gegen die anderen Zehen. Das Gleiche passiert bei der Kleinzehe. Sie bildet praktisch das Spiegelbild zur Großzehe", erklärt Rötschke das Entstehen solcher Veränderungen. Ein Hallux valgus (auch Frostbeule genannt) und ein Schneiderballen (Kleinzehenballen) könnten so entstehen. Der Druck des Schuhs wirke nun isoliert auf die äußeren Fußknochen - Entzündungen und Druckstellen seien die Folge. Typisches Konfektionsschuhwerk könnten viele Betroffene dann aufgrund der Schmerzen gar nicht mehr tragen.
Doch den Schuhen die alleinige Schuld an Fußdeformierungen zu geben, geht auch für den Chirurgen zu weit. Etwa zur Hälfte seien auch genetische Belastungen dafür verantwortlich. Will heißen, wenn Mutter, Vater oder Großeltern bereits Fußprobleme hatten, tut man als junger Mensch gut daran, seinen Füßen alles Mögliche an Pflege und Wohlergehen zuteilwerden zu lassen. Rötschke: "Nur in Turnschuhen zu gehen und niemals elegante Sandalen mit Absatz zu tragen, verlangt niemand. Doch sollte man in den Stunden des Tages, wo man keine Schuhe braucht, viel barfuß laufen, seine Füße gut pflegen und Fußgymnastik durchführen. Eine kräftige Fußmuskulatur stabilisiert genauso wie in anderen Bereichen des Körpers die Gelenke." Eine Wohltat für die Füße sei das Laufen auf unebenem Untergrund, zum Beispiel im weichen Sand oder auf einer Wiese. "Für diese Art der Bewegung sind unsere Füße eigentlich gemacht", betont der Orthopäde.