Wie ein Blitz schießt der Schmerz in den Zahn und lässt alles andere nebensächlich werden. Wenn heiß und kalt Probleme bereiten, sind oft freiliegende Zahnhälse schuld. Wie ein Blitz schießt der Schmerz in den Zahn und lässt alles andere nebensächlich werden. Wenn heiß und kalt Probleme bereiten, sind oft freiliegende Zahnhälse schuld.

Foto: Fotolia, Dentalhistorisches Museum

Gemeiner Zahnschmerz hat viele Ursachen

Zahnschmerz gilt seit Menschengedenken als größte Pein

Dresden. Zahnschmerz ist etwas sehr Unspezifisches, denn er kann viele Ursachen haben, meist liegen sie im Zahn selbst begründet, jedoch nicht immer. Und dann kann die Suche mitunter lange dauern, was viele Arzt- oder Zahnarztsitzungen nach sich zieht. Dem "gemeinen Zahnschmerz" gingen Fachleute bei einem Seminar der Landeszahnärztekammer auf den Grund.

Der einfachste und zugleich häufigste Schmerzfall ist der faule Zahn, denn Karies ist praktisch in aller Munde. Karies bereitet aber erst dann Schmerzen, wenn das Dentin, das Zahnbein, angegriffen wird. Denn dort gibt es Nerven, die die Schmerzempfindung weiterleiten können. Mit dem Signal Schmerz zeigt der Körper eine "Baustelle" an, die größere Schäden nach sich ziehen kann. Ein kranker Zahn und die Bakterien, die von ihm in den Körper geschleust werden, können sogar ein künstliches Hüftgelenk gefährden, erklärt Prof. Christian Hannig von der Uniklinik Dresden. Gegen Karies muss der Bohrer ran. Nicht schmerzlos, doch kein Vergleich zu den Anfängen der Zahnmedizin, als es entweder nur die Zange bzw. den Hebel gab, um einen Zahn aus seiner Verankerung im Kiefer zu bekommen, oder Tretbohrmaschinen, die den Zahn überhitzten und einfach nur eine Qual bedeuteten. Denn im Gegensatz zu heute gab es auch keine Narkose.

Kann der Zahnarzt keine kariöse Stelle entdecken, liegt die Entzündung mitunter tiefer. Freiliegende Zahnhälse, Zahnfleischtaschen oder winzige Defekte im Zahn, die eine Eintrittspforte für Keime ins Zahninnere darstellen, lösen Entzündungen aus, die mit starkem Druckschmerz einhergehen. Prof. Hannig: "Entzündetes Gewebe erwärmt sich und hat den Drang, sich auszudehnen. Das spürt man sogar bei einem Schnitt in den Finger. Die starke Durchblutung des Areals lässt den Finger anschwellen. Bei einer Entzündung im Zahn ist das mit dem Ausdehnen nicht so einfach. Ein pochender Schmerz ist das Resultat, jeder Pulsschlag scheint am Zahn anzukommen." Hier müssen die Karies oder der Entzündungsherd komplett entfernt werden. Entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente verbleiben eine Zeit lang im Zahn. Sie werden anschließend durch eine dauerhafte Füllung ersetzt. Reicht das nicht, dann hilft meist eine Wurzelbehandlung.

Freiliegende, empfindliche Zahnhälse entstehen durch zurückgehendes oder entzündetes Zahnfleisch. Der Kontakt mit heißen und kalten Speisen oder Getränken verursacht stechende Schmerzen. Diese Bereiche gelte es abzudecken, zu versiegeln, so Hannig. Fluoridhaltige Pasten haben aber nur eine kurze Haltbarkeit. Dünne Kunststofffüllungen seien langlebiger. Beim Putzen sei es wichtig, Zahncreme mit einem geringen Anteil an Schleifkörpern zu verwenden, so der Experte.

Komplizierter wird es, wenn entzündete Gesichtsnerven oder Zahnwurzeln keinen richtigen Ursprung oder Auslöser zu haben scheinen. Nervenschmerzen im Zahn sind meist ein sehr plötzliches Ereignis. Wie aus heiterem Himmel schießen sie in den Zahn und bringen den Patienten fast zur Verzweiflung. "Da die Schmerzen weit ausstrahlen, ist es für den Zahnarzt schwer, den richtigen Zahn zu finden. Ein Röntgenbild kann dabei helfen. Häufig seien solche Zähne nicht mehr zu halten.

Dr. Winnie Pradel, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin an der Uniklinik Dresden, nennt noch andere Ursachen für Gesichtsschmerzen. Allen voran die Trigeminus-Neuralgie, die durch Virusinfektionen wie Herpes, ausgelöst werden kann. "Eine Neuralgie ist der intensivste bekannte Schmerz und wird als höllisch beschrieben", so Pradel. Elektrostimulation, operative Eingriffe wie die Durchtrennung von Nerven sowie Schmerz- und Entzündungsmittel kommen zum Einsatz, oft in einer multimodalen Schmerztherapie.

Die Deutschen lieben ihren Zahnarzt zwar nicht direkt, doch vertrauen sie ihm, schätzen seine Sachkenntnis und sind sich sicher, dass er versucht, Schmerzen weitestgehend zu vermeiden. Mehr als drei Viertel der in einer bundesweiten repräsentativen Studie befragten 1800Menschen sagten das zumindest über ihren eigenen Zahnarzt.

Diese Aussage scheint so gar nicht zum nächsten Befragungsergebnis zu passen, denn 60 Prozent aller 35- bis 54-Jährigen haben Angst vor der Zahnbehandlung, und zwar hauptsächlich wegen des Ausgeliefertseins und möglicher Schmerzen bei der Behandlung, erklärte Dr.Thomas Breyer, Sprecher der Landeszahnärztekammer Sachsen. Zehn bis zwölf Prozent seien sogar Oralphobiker. "Sie haben eine behandlungsbedürftige Zahnarztangst." Breyer: "Der Gang zum Zahnarzt ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. Das wird sich wohl auch in 20 Jahren nicht ändern."

Seitdem es Zahnärzte gibt - und das ist erst seit knapp 200 Jahren der Fall -, wird nach schmerzarmen und effektiven Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Die bahnbrechendste Erfindung in dem Zusammenhang ist die Narkose, die auf einen Zahnarzt zurückgeht. Seit Mitte des 19.Jahrhunderts war sie verfügbar, doch dauerte es noch viele Jahre, bis sie zur Selbstverständlichkeit in der Zahnarztpraxis wurde. Schriftsteller wie Wilhelm Busch und Thomas Mann sind vielen mit ihren Schilderungen von Zahnschmerzen und deren Versuchen, sie loszuwerden, ein Begriff. Denn in dieser Zeit gab es bei schmerzenden Zähnen nur eins - die Zange. Selbst die ersten Zahnbehandlungsgeräte, wie der Tretbohrer von 1900, lassen Patienten heute eher schaudern. Viele solcher "Schätze" hat das Dental-Historische Museum in Zschadraß (bei Leipzig) ausgestellt - eine Fundgrube für Medizin-Interessierte.

 
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Gemeiner Zahnschmerz hat viele Ursachen
Schmerz in der Literatur
 
erschienen am 27.07.2012 ( Von Stephanie Wesely )
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