Foto: dapd

Salat Quelle für Darminfektion?

Seit dem Wochenende grassiert eine gefährliche Darminfektion, die durch EHEC-Bakterien ausgelöst wird

Dresden/Berlin. "In Sachsen gibt es derzeit keine Krankheits- oder Verdachtsfälle mit dem gefährlichen EHEC-Erreger", sagte gestern ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Dresden. Bei der derzeitigen Erkrankungswelle im Norden leiden mehrere Patienten an der schwersten Form der Krankheit, bei der es zu Nierenversagen und Blutarmut kommt. Einige schweben sogar in Lebensgefahr.

Eine solche Häufung von EHEC-Infektionen in so kurzer Zeit bezeichnen die Gesundheitsbehörden als besorgniserregend. Denn EHEC spielt in Deutschland sonst eher eine untergeordnete Rolle. Rund 1000 Erkrankungsfälle gibt es pro Jahr. Infektionen mit Salmonellen und dem Darmkeim Campylobacter kommen rund 50 Mal häufiger vor.

In diesem Jahr seien in Sachsen 33 EHEC-Fälle registriert worden, 2010 habe es insgesamt 70 Fälle gegeben. Keiner davon verlief nach Angaben des Gesundheitsministeriums tödlich. In Schleswig-Holstein lag gestern die Zahl bei rund 90 Erkrankungen oder Verdachtsfällen. Niedersachsen registrierte 67 Fälle. Der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, geht davon aus, dass es eine gemeinsame Quelle für die Infektionen gibt. Nach ersten Befragungen von Patienten durch das Robert-Koch-Institut handele es sich wahrscheinlich um roh genossenes Gemüse. Die Art des Gemüses stehe noch nicht fest. Vorstellbar seien als Quelle etwa Salat oder anderes Gemüse, das mit Gülle gedüngt worden sei. Angesicht der Verbreitung der Erkrankungen liege es nahe, dass es sich um ein überregional vertriebenes Lebensmittel handele. Eine Ansteckung über verseuchtes Fleisch oder Rohmilch wird indessen ausgeschlossen. Neben ungewaschenem Gemüse könnten auch andere Lebensmittel die Ursache sein. Die Behörden suchen fieberhaft danach. (dapd/sw)

 

Die Abkürzung EHEC

EHEC steht für Enterohämorraghische Escherichia Coli. Die Keime Escherichia Coli kommen im Darm von Menschen und Tieren vor. Bei der enterohämorragischen Form handelt es sich um einen besonderen krankmachenden Stamm dieses normalen Darmbakteriums.

 

Hygiene verringert Erkrankungsrisiko

Wie kann man das Risiko einer Erkrankung eindämmen?

Nur durch Hygiene lässt sich das Risiko einer EHEC-Infektion deutlich einschränken. Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Eine Therapie mit Antibiotika ist problematisch. Nach dem Tier- und Bodenkontakt sollten die Finger nicht in den Mund gesteckt werden. Rohes Fleisch und leicht verderbliche Lebensmittel müssen stets bei Kühlschranktemperatur aufbewahrt werden. Das ausreichende Durchgaren der Lebensmittel (Kochen) genügt, um Bakterien abzutöten. Die Hände sollten häufig und gründlich gewaschen werden. Küchen-Utensilien müssen gründlich gespült werden.

Wie erkenne ich eine Infektion mit dem EHEC-Erreger?

Eine Infektion äußert sich am häufigsten durch schweren, bisweilen auch blutigen Durchfall. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und in seltenen Fällen Fieber.

Was sollte man bei Beschwerden tun?

Bei schweren Durchfällen muss der Salz- und Flüssigkeitsverlust wieder ausgeglichen werden. Fertige Elektrolytlösungen gibt es zum Beispiel in der Apotheke. Bei erheblichen Beschwerden ist ein Arzt aufzusuchen. Um Komplikationen schnellstmöglich entgegenzuwirken, sollten besonders gefährdete Personengruppen wie Säuglinge, Kleinkinder oder ältere Menschen im Krankenhaus behandelt werden.

Welche Erreger für eine Magen-Darm-Infektion gibt es noch?

Neben dem EHEC-Erreger kommt der Norovirus infrage, er kursiert über das ganze Jahr und hat in den Wintermonaten seinen Erkrankungsgipfel. Der Rotavirus ist bei Kindern häufig. Weitere Erreger für solche Infektionen sind Salmonellen, Campylobacter und Staphylokokken. (dapd) www.rki.de

 
erschienen am 24.05.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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