Bei Juckreiz und Trockenheit der Haut greifen die meisten zuerst zur Salbe.
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Salbe allein reicht nicht
Ganzheitlich behandelnde Mediziner sehen Neurodermitis als Resultat eines von innen kommenden Prozesses
Chemnitz. Ausgetrocknete Haut und permanenter Juckreiz, durch den sich Betroffene bis aufs Blut aufkratzen, sind die Symptome der Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt. Wer ein neurodermitiskrankes Kind hat, versucht alles, um es von dieser quälenden Krankheit zu befreien. Und der Markt ist voll von Mitteln und Methoden, die versprechen, dem Leiden endgültig ein Ende zu machen.
Da aber noch nicht einmal die Ursachen vollständig geklärt sind, gibt es auch keine Therapie, die das Übel wirklich an der Wurzel packt. Zahlreiche hoffnungsvolle Behandlungsansätze und Alternativen zum nebenwirkungsreichen Cortison gab es in den letzten Jahren. Vielen ist noch der TV-Bericht in Erinnerung, der mit dem Titel "Heilung unerwünscht" Millionen von Betroffenen und Angehörigen vor den Bildschirm zog. Mit der Sendung sollte der Nachweis erbracht werden, dass Pharmakonzerne ein Medikament, das preisgünstiger als Cortison ist, verhindern wollen. Es handelte sich dabei um eine Vitamin B12-Creme. Studien hatten nämlich belegt, dass die Haut von Neurodermitiskranken zu wenig von diesem Vitamin enthält. Doch der versprochene und erhoffte Erfolg blieb aus. Wenngleich einige davon profitierten, handelte es sich offenbar wiederum nicht um eine ursächlich wirkende Therapie.
Eine weitere Erfolgsmeldung in Sachen Neurodermitis-Heilung waren die Wirkstoffe Pimecrolimus (Handelsname Elidel) und Tacrolimus (Handelsname Protopic), die immun-modulierend wirken, also die Abwehrkraft der Haut herabsetzen. Erklärt wird dieser Ansatz mit der allergischen Komponente der Krankheit. Der Dämpfer kam aber von den Arzneimittelbehörden, die den Hersteller eine Warnung aufdrucken ließen, dass die Salben die UV-Empfindlichkeit und das Hautkrebsrisiko erhöhen können. Aus diesem Grund raten Hautärzte auch davon ab. Der Wirkstoff Cortison hingegen sei über 40 Jahre bekannt, Nebenwirkungen damit kalkulierbar. Das ist bei Elidel & Co. nicht der Fall. Langzeitergebnisse sind vorher nötig.
Der Präsident des Bundesverbandes der Neurodermitiker, Jürgen Pfeifer, warnt ebenso vor der Verwendung dieser Mittel. Cortison sei ein bewährter Wirkstoff für den Notfall, den akuten Krankheitsschub. Die langfristige Behandlung müsse seiner Ansicht nach aber von innen kommen - Salbe allein genügt nicht. Neurodermitis benötigt Auslösemomente, die sehr unterschiedlich sein können, so Pfeifer. Es beginne oft bereits beim Abstillen des Säuglings und der Umstellung auf adaptierte Kuhmilchernährung. Weitere Ursachen seien Darmprobleme, hormonelle und psychosomatische Faktoren, die den schubförmigen Verlauf erklären. Auch Umweltfaktoren und Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen in Betracht. So vielschichtig wie die Ursachen sind auch die Therapieverfahren, die gebündelt häufig nur in speziellen Reha-Einrichtungen oder Kliniken angeboten werden.