Gegen krankhaftes Schwitzen sind oft "stärkere Geschütze" erforderlich. Gegen krankhaftes Schwitzen sind oft "stärkere Geschütze" erforderlich.

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Schwitzen: Deodorant mitunter chancenlos

Die Schweißproduktion des Körpers bringt viele in Verlegenheit - Manchmal ist sie auch krankhaft

Berlin. Schwitzen ist normal und schwitzen ist wichtig. Was aber für die meisten Menschen nur kurzfristiges Übel bedeutet, ist für Patienten, die unter starkem Schwitzen - der sogenannten Hyperhidrosis - leiden, Alltag. Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, die meisten versuchen, peinlichen Kontakten aus dem Weg zu gehen und ziehen sich aus Scham zurück. Doch die Medizin bietet zahlreiche Behandlungsoptionen.

Das menschliche Nervensystem ist ausgeklügelt. Es meldet Schmerzen, Gefahren oder Kälte. Und es reagiert sofort, wenn der Körper überhitzt. Bei großer Anstrengung oder sommerlichen Temperaturen beginnt man zu schwitzen: Rund einen halben Liter Flüssigkeit pro Tag verliert ein Mensch dadurch. Hyperhidrosis-Patienten aber liegen mit fast zwei Litern weit über dem Durchschnitt, denn in ihrem Nervensystem läuft etwas falsch. Egal, ob Sommer oder Winter, T-Shirt oder Rollkragen - sie schwitzen ständig ohne erkennbaren Grund, müssen mehrmals am Tag die Kleidung wechseln. "Viele Patienten fühlen sich hilflos, weil sie das Schwitzen nicht als Krankheit wahrnehmen, die behandelbar ist, sondern als Schwäche oder psychische Überreaktion", erklärt Prof. Chalid Assaf, Chefarzt der Abteilung Dermatologie (Hautheilkunde) am Helios Klinikum in Krefeld.

Dabei stehen den Patienten je nach Art und Stärke der Symptome verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Bei leichten Fällen können schon tägliches Duschen, luftige Baumwollkleidung ohne Kunstfasern und schweißhemmende Deos Abhilfe schaffen. Wenn das nichts nützt, ist die Schwachstromtherapie, die sogenannte Iontophorese, eine schonende Alternative. Winzige ionisierte Arzneistoffe gelangen über sanfte Stromimpulse in die Haut und unterbrechen die Schweißproduktion. "Über 70 Prozent der Patienten sprechen auf die Therapie an. Sie ist jedoch sehr zeitintensiv und nur an Händen und Füßen anwendbar", sagt der Dermatologe.

Bei Betroffenen mit verstärktem Achselschweiß kann auch eine Botox-Therapie Linderung bringen. Dabei wird der aus der Schönheitschirurgie bekannte Stoff unter die Haut gespritzt und blockiert dort die Schweißdrüsen. Eine Lösung auf Dauer ist das jedoch nur bedingt: Die Injektionen sind teuer, werden nicht von allen Krankenkassen bezahlt und müssen alle paar Monate wiederholt werden.

Wer das Problem endgültig loswerden will, lässt sich entweder die Schweißdrüsen in einer dermatologischen Klinik absaugen oder begibt sich in die Hände eines Chirurgen, der den für die Schweißproduktion im Achselbereich zuständigen Nerv durchtrennt. Der Routineeingriff dauert rund eine Stunde, wird aber ebenso nicht von allen Kassen übernommen.

Doch egal für welchen Weg man sich entscheidet, der Gang zum Arzt ist Voraussetzung für den Behandlungserfolg. Denn starkes Schwitzen ist nicht nur eine eigenständige Krankheit, sondern kann auch Symptom für eine andere sein.

Formen des Schwitzens

Beim krankhaften Schwitzen werden zwei Formen unterschieden:

Primäre Hyperhidrosis ist eine generell gesteigerte Schweißproduktion ohne erkennbare Ursache. Das Gehirn sendet dabei falsche Signale an die für die Schweißproduktion zuständigen Nervenzellen. Erbliche Faktoren könnten eine Rolle spielen.

Sekundäre Hyperhidrosis hat Schwitzen nur als Symptom für eine andere, mitunter schwere Erkrankung (Diabetes oder Tuberkulose). Besonders bei nächtlichen Schweißausbrüchen sollte ein Arzt um Rat gefragt werden.

 
erschienen am 15.06.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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