Sporttherapeutin Grit König (Mitte) übt mit Mechthild Melzer die Kräftigung des Beckenbodens.
Foto: Kristin Schmidt
Training hält den Beckenboden straff
Inkontinenz, Senkungen oder Potenzstörungen - Ursache ist oft der Beckenboden
Chemnitz. "Der Beckenboden besteht aus einer Vielzahl von Muskelfasern, Bindegewebsschichten und Bändern. Diese genau wahrzunehmen und zu trainieren, fällt vielen anfangs nicht leicht", weiß Grit König, Sport- und Bewegungstherapeutin am Sächsischen Beckenbodenzentrum in Chemnitz. Doch wozu muss man diese Körperregion überhaupt trainieren und was bitte ist ein Beckenbodenzentrum?
Den Beckenboden kann man sich wie eine Hängematte vorstellen. Der Mangel an Bewegung, Übergewicht, das Alter und hormonelle Veränderungen, Geburten oder Operationen im Bauchraum können Verletzungen und damit die Schwächung des Beckenbodens verursachen. Ein gezieltes Training kräftigt die Muskulatur und die Schließmuskeln. Das Training, das Frauen und Männern gleichermaßen gut tut, hält das "Netz", auf dem die Beckenorgane liegen, elastisch und straff.
Da Erkrankungen des Beckenbodens - insbesondere die Inkontinenz - sehr komplex sind, müssen verschiedene Fachbereiche zusammenarbeiten. Studien belegen, dass es die besten Behandlungsergebnisse in zertifizierten Zentren gibt. Das sächsische Beckenbodenzentrum vereint als Hauptpartner Urologie und Gynäkologie zweier Chemnitzer Krankenhäuser (DRK Krankenhaus-Rabenstein und Zeisigwaldkliniken Bethanien) sowie die chirurgische Gemeinschaftspraxis am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein. Es ist das erste dieser Art in Mitteldeutschland und wurde jetzt zertifiziert. Das Zertifikat wird nach einer intensiven, gründlichen Überprüfung durch die Fachgesellschaften für Gynäkologie/Geburtshilfe, Urologie, Visceralchirurgie und Proktologie erteilt. Es ist damit ein Qualitätsbeweis. Zu den wesentlichen Voraussetzungen gehören eine Kooperation und Zusammenarbeit, beispielsweise mit Chirurgen, Urologen, Gynäkologen, Physiotherapeuten, Neurologen und Ernährungsberatern. Diese treffen sich regelmäßig zu einer interdisziplinären Beckenbodenkonferenz, um Problemfälle zu beraten, Therapien zu empfehlen und durchzuführen.
Etwa jede zehnte Frau leidet an einer Schwäche des Beckenbodens. "Während dieses Problem in den früheren Zeiten sehr oft verschwiegen wurde, ist mittlerweile ein deutlicher Wandel im Umgang mit dieser Erkrankung zu erkennen. Dies vielleicht auch deswegen, weil heute moderne und schonende Operationsverfahren zur Verfügung stehen, die wirkungsvoll und nachhaltig für Beschwerdefreiheit sorgen können", berichtet Dr. Torsten Brosche, Frauenarzt am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein. "Mehr als die Hälfte der betroffenen Frauen leidet aufgrund von Geburten an einer Blasenschwäche. Der größer werdende Platzbedarf des Kindes im Körper der Frau und die Belastung durch das Pressen während der Entbindung können die Muskulatur überdehnen und so deren Stützfunktion verringern."
Inkontinenz ist ein weit verbreitetes Problem. "Es ist dies ein Zustand, der jeden halbwegs reinlichen Menschen beinahe zur Verzweiflung bringt", versucht Darmspezialist und Chirurg Dr. Dietrich Meißner die Gefühle Betroffener mit Stuhlinkontinenz auf den Punkt zu bringen. Doch aus Scham leiden sie lange im Stillen und versuchen das Manko mit Hygieneartikeln jeder Art zu kaschieren. Sozialer Rückzug ist nicht selten die Folge. Doch die Schwäche bzw. Krankheit kann sehr erfolgreich behandelt werden.
Die Urologin Dr. Anne-Kathrin Sünder von den Zeisigwaldkliniken Bethanien schildert, welche Fülle von Möglichkeiten es gibt, um den Harnfluss wieder zu normalisieren. Doch bevor Medikamente, Elektrotherapie oder Operation zum Einsatz kommen, muss eine ausführliche Diagnostik erfolgen. "Denn nur wenn man die Ursache des Übels kennt, kann man dagegen vorgehen", so Dr. Sünder. Patienten wird empfohlen, Protokoll darüber zu führen, wann und wie viel sie trinken, wie oft sie zur Toilette gehen, wie viel Harn dabei die Blase verlässt und und und.
Service
www.beckenbodenzentrum- sachsen.de