Oberarzt Jörg Stolle und Prof. Thomas Scholbach bei der Untersuchung von Julia Fritzsche (von links).
Foto: Uwe Kreißig/Klinikum Chemnitz
Ultraschalluntersuchungen immer genauer
Neue Ultraschall-Untersuchungsmethode in Chemnitz entwickelt
Chemnitz. Als weltweit erste Klinik verfügt das Klinikum Chemnitz über ein Ultraschall-Diagnoseverfahren, mit dem die Blutmenge ermittelt werden kann, die dem ungeborenen Kind im Mutterleib zur Verfügung steht. Prof. Thomas Scholbach, Chefarzt der Kinderklinik, entwickelte diese Methode gemeinsam mit seinem Sohn, der Mathematiker an der Uni Münster ist.
"In der Schwangerenüberwachung stellen wir mitunter fest, dass ein Kind nicht mehr richtig wächst, ohne jedoch die Ursache dafür zu kennen. Besonders bei Risikoschwangerschaften und der Gefahr einer Frühgeburt können wir mit unserer neuen Methode so fundierte Aussagen treffen, ob das Kind noch gut versorgt wird."
Ist das nicht der Fall, könnte eine Geburt auch früher eingeleitet werden, um dem Baby außerhalb des Mutterleibs bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Doch das sei immer eine Gratwanderung. Denn einerseits sei jeder Tag mehr, den ein Frühchen im Mutterleib bleiben kann, ein Gewinn für das Baby. Andererseits könne das Verbleiben unter ungünstigen Umständen oder bei schlechter Versorgung auch schaden. "Die neue Methode hilft uns bei der Abwägung des Risikos", so Scholbach.
Das Verfahren wurde kürzlich auf dem Weltkongress zur vorgeburtlichen Ultraschalldiagnostik in Los Angeles vorgestellt. Nun präsentiere man es auch auf nationaler Ebene, um anderen Kliniken die Möglichkeit zur Nutzung zu geben. Ein Routine-Verfahren im Rahmen der Schwangerenbetreuung sei das aber noch nicht. Bei Risikoschwangerschaften übernehmen die Kassen im Rahmen der stationären Therapie die Untersuchungskosten. "Bis es einmal Kassenleistung für alle werdenden Mütter ist, ist es noch ein langer Weg", so der Chefarzt.
Doch nicht nur in der Schwangerschaftsdiagnostik sei das neue Ultraschallverfahren einsetzbar. So könne man anhand der Durchblutung eines Organs Rückschlüsse auf Funktionsstörungen ziehen. Entzündungen zeigten sich laut Scholbach oft durch eine stärkere Durchblutung, chronische Krankheiten eher durch eine verminderte. Auch die Reaktion von Tumoren auf die Behandlung ließe sich damit beurteilen. Bevor Funktionsstörungen an Organen eintreten, lassen sich mit der Methode bereits Veränderungen in den kleinen Blutgefäßen messen. So könnten Therapien in einem frühen Stadium eingeleitet werden. Die Heilungsaussichten seien deutlich höher, so Scholbach.
Die Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft sind für werdende Eltern ein Highlight, denn sie bieten neben dem rein medizinischen Nutzen auch die Möglichkeit, das Baby bereits vor der Geburt zu sehen. Dafür muss meist auch nichts zugezahlt werden. Die vierdimensionale Darstellung - auch Babyfernsehen genannt - ist eine Weiterentwicklung der bisherigen 3-D-Darstellung. 4-D-Ultraschall gibt es erst seit wenigen Jahren und wird von vielen jungen Eltern genutzt, auch wenn es selbst bezahlt werden muss. Das ungeborene Kind beim Daumenlutschen oder schlafend zu sehen, lassen sich dennoch wenige Eltern entgehen.