Warnsignal Wärme fehlt im Frühling

Nur Schatten, Hut und Sonnencreme bieten Schutz

Berlin. "Verständlich, dass die Menschen nach den trüben Wintermonaten jetzt ins Freie strömen. Aber die Frühlingssonne hat ihre doppelte Tücke: Zum einen ist sie in diesem Jahr fast so stark wie sonst im Hochsommer. Zum anderen hat die Haut im Frühling noch nicht genug Selbstschutz gegen UV-Strahlen. Deshalb kann ein Sonnenbrand bei Hellhäutigen schon nach 30 Minuten in der prallen Sonne auftreten", sagt Prof. Dr. Peter Sefrin. Er ist Arzt beim Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Babys sollten der direkten Sonne überhaupt nicht ausgesetzt werden. Kleinkinder und Senioren sowie hellhäutige Menschen sind sehr empfindlich und müssen sich besonders schützen. Das DRK empfiehlt, für das Picknick im Freien einen Schattenplatz zu wählen. Wer im Frühling Ausflüge oder andere Aktivitäten im Freien plant, sollte Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, lichtdichte Kleidung und eine leichte Kopfbedeckung benutzen. Der Sonnenhut ist für kleine Kinder und ältere Menschen ein Muss, weil ihr feines oder spärliches Kopfhaar kaum vor Sonne schützt. Diese Hinweise gelten natürlich auch im Sommer und nicht nur für Deutschland, sondern für die meisten Urlaubsgebiete. Je näher man dem Äquator komme, umso intensiver die Sonneneinstrahlung und umso höher die Gefahr eines Sonnenbrandes, so Sefrin.

Hautkrebsgefahr steigt

Ein Sonnenbrand ist eine Verbrennung ersten Grades. Wie bei einer Entzündung reagiert der Körper mit einer starken Durchblutung der betroffenen Hautpartien, der Grund für die Rötung. Zu viel Sonne über längere Zeit kann die Entstehung von Hautkrebs begünstigen und lässt die Haut schneller altern.

Die Sonnenbrandgefahr im Frühling wird von vielen unterschätzt. Zwar steht die Sonne noch nicht so hoch wie im Sommer, aber die Haut ist durch die Winterpause nicht mehr an die UV-Strahlung angepasst. Sie ist schwächer pigmentiert, und die so genannte Lichtschwiele, die schützende Verdickung der Hornhaut, ist weniger stark ausgebildet.

Die Wärmestrahlen der Sommersonne machen die Intensität der Strahlung in der heißen Jahreszeit direkt erfahrbar. Sie sind ein sofort spürbares Warnsignal, das aber im Frühling fehlt. Auch das trägt dazu bei, dass die Gefahr durch die Sonne im Frühling unterbewertet wird. Besonders aufpassen sollte man in der Mittagszeit, weil die Sonneneinstrahlung dann am höchsten ist. Vor allem an seine Unterarme sollte man bei einem Fahrradausflug denken: Im Gegensatz zu Gesicht und Händen waren sie den ganzen Winter über bedeckt. Wenn sie nun ohne schützende Kleidung in waagerechter Haltung der Sonne ausgesetzt sind, kommt es hier zu schnell zu einem Sonnenbrand.

Vorbräunen riskant

Die Haut muss sich im Frühjahr langsam an die Sonne gewöhnen. Mancher möchte diesen Prozess gern mit einer Vorbräunung auf der Sonnenbank abkürzen. Doch Experten lehnen das ab: Die meisten Solarien arbeiten fast ausschließlich mit UV-A-Strahlung. Dadurch erfolgt in der Haut lediglich eine Sofortpigmentierung. Für wirksamere Schutzmechanismen wie die Lichtschwiele oder die länger andauernde Bräunung durch Vermehrung des braunen Pigments sind UV-B-Strahlen nötig. Zwar gibt es inzwischen Studios, deren Geräte einen geringen Anteil UV-B-Licht abstrahlen - aber auch diese sind aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen. "Denn jede zusätzliche und überflüssige Belastung der Haut mit UV-Licht fördert die Alterung und erhöht das Hautkrebsrisiko", betont Dr. Utta Petzold, Hautärztin bei der Barmer/GEK. (sw)

 
erschienen am 12.05.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.05.2011
    12:55 Uhr

    gelöschter Nutzer: Ihre Textpassage zum Thema "Vorbräunen" hat zwei kleine Schwächen:
    1. Falsche Informationen zu den Besonnungsgeräten in modernen Sonnenstudios.
    2. Fehlerhafte Logik

    Zu 1: Natürlich kann man auf einer handelsüblichen Sonnenbank vorbräunen. Die UVB-Anteile sind in den heutigen Geräten allemal groß genug sowohl für Tiefenbräune als auch für die Bildung der sog. Lichtschwiele.
    Im übrigen unterscheiden sich die UV-Strahlen im Solarium in nichts von den UV-Strahlen der Sonne.
    Zu 2. Entweder schützt die Tiefenbräune und die Lichtschwiele vor den UV-Strahlen und verlängert damit die "Eigenschutzzeit" an der Sonne - oder eben nicht. Wenn sie es tun, können sie nicht gleichzeitig "zusätzlich" und "überflüssig" sein.

    Tatsächlich baut die Haut mit der Pigmentierung und der Verdickung der äußeren Hautschicht unter den UV-Strahlen von Sonne und (!) Solarium einen Sonnenschutz auf, der verlässlicher und oft genug auch gründlicher schützt als etwa eine Sonnencreme. Dass darüber hinaus die chemischen Sonnenschutzmittel nicht gegen den "schwarzen", einzig gefährlichen Hautkrebs schützen, ist seit vielen Jahren durch immer neue wissenschaftliche Studien belegt.
    Sonnenschutz per UVB-Strahlen, also sozusagen Sonnenschutz durch (mäßiges) Sonnen, dagegen produziert in der Haut das lebenswichtige Vitamin D, das unter anderem auch bei der "Reparatur" der Hautschäden durch übertriebenes Sonnen hilft.

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