Boxspring Die Höhe der Betten erleichtert den Einstieg. Manche Modelle lassen sich elektrisch verstellen.

Foto: ADA Möbelwerke/dpa

Gut geschlafen auf dem Matratzenstapel

Auch hierzulande kommt das Boxspringbett auf den Markt

Köln. Auf 20 Matratzen und 20 Eiderdaunendecken hat im Märchen die Prinzessin auf der Erbse geschlafen. Zwar nicht in jedem Fall für die feinfühlige Hoheit, aber für Normalsterbliche sind Stapel von Matratzen der Inbegriff von Gemütlichkeit. Boxspringbetten mit zwei oder drei Auflagen gibt es beinahe in jedem US-amerikanischen Haushalt, auch in Skandinavien sowie den Benelux-Ländern sind sie seit Jahren weit verbreitet. Erst jetzt sind sie in Deutschland im Kommen - das aber gewaltig, wie kürzlich auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln deutlich wurde.

Kaum ein Hersteller warb nicht mit mehrlagigen Betten. Im Trendbericht zur Möbelmesse IMM ist die Rede von Polsterbetten. Denn der mittlerweile geläufige Name "Boxspring" geht auf eine US-Marke zurück. Andere sprechen bei den Modellen daher auch vom Kontinentalbett. Ein solches Bett besteht aus drei Elementen: Statt eines Lattenrosts und Bettgestells hat es eine matratzenähnliche Unterkonstruktion. Darauf liegt die eigentliche Matratze, in der Regel eine Federkernmatratze. Ganz obenauf kann noch eine Auflage kommen, auch Topper genannt. Die unterste Lage bildet dabei eine stabile Basis und leitet den Körperdruck sanft ab. Die Obermatratze stützt den Körper zusätzlich ab.

Neben dem Komfort durch mehrere Matratzenschichten ist die Höhe gerade für Ältere und Menschen mit Rückenschmerzen optimal, sagt Ursula Geismann, Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbel-Industrie (VDM). "Die Einstiegshöhe liegt bei 60, 70 Zentimetern. Man kommt dadurch leichter ins Bett und wieder heraus." Geismann nennt noch einen weiteren Vorteil der Matratzenhöhe: "Man kann besser Fernsehschauen." Denn das TV-Gerät auf einer Kommode steht auf Augenhöhe. So wurden bei den präsentierten Kollektionen dieser Polsterbetten auch elektrische Verstellfunktion vorgestellt. Damit können zum Beispiel unterschiedliche Liege- und Sitzpositionen erreicht werden.

Box Eine Unterkonstruktion mit Federkernmatratze und obendrauf noch eine Auflage: So sind Boxspringbetten aufgebaut.

Foto: Fey/dpa

Auch die Optik ist für viele ein Kaufargument - ein großes Bett wird häufig als gemütlich wahrgenommen. Durch seine Höhe brauche das Boxspringbett aber auch ein großes Kopfteil, sagt Claudia Wieland, Sprecherin des Fachverbandes Matratzen-Industrie. Es wirke daher häufig im Gesamtbild mächtiger. Die Hersteller bieten besondere, auffällige Rahmen dafür an. Sie können in der Regel mit verschiedenen Stoffen oder Ledern bezogen werden.

Ein Problem kann die Höhe solch eines Bettes trotzdem sein. Das Polsterteil des Modells "Adele" von Treca Interiors Paris beispielsweise ist 1,65 Meter hoch: "So wirkt das Bett im Raum erst richtig", sagte Firmensprecherin Daniela Schwampe. Aber die Größe sei auch ein Problem, weiß Möbelexpertin Geismann: "Die deutschen Schlafzimmer sind häufig nicht groß genug für solch ein Bett."

Wie jede andere Matratze auch muss das Boxspringkonzept zum Schlafenden passen. Probeliegen ist daher wichtig, wie Wieland betont. Ein Kritikpunkt ist die erschwerte Austauschbarkeit der Matratzen, erläutert der Fachverband auf seiner Homepage. Eine normale Matratze habe aus hygienischen Gründen nach sieben bis zehn Jahren ausgedient. Es müsste beim ausgesuchten Modell möglich sein, die obere Lage auszutauschen, ohne dass dadurch gleich das ganze Bettsystem gewechselt werden muss oder sich die Optik verändert.

"Mein Kritikpunkt ist der Luftaustausch in der Matratze", ergänzt Geismann. "Ich muss damit viel mehr lüften als bei einem normalen Bettgestell, sonst liege ich in meinem eigenen Saft." Matratzenverbands-Sprecherin Wieland hingegen erläutert, die Betten belüfteten sich sehr gut selbst. "Wie bei einer Pumpe geht beim Hinlegen und Aufstehen die verbrauchte Luft raus und neue wieder rein." (dpa)

Box So ein Bett braucht Platz: Boxspringsysteme wirken durch ihre Höhe sehr mächtig.

Foto: Jensen/dpa

Tipps für den Bettenkauf

Vor allen Dingen die Größe muss beim Bett stimmen. "Es macht keinen Sinn, wenn ein Zwei-Meter-Mann sich Nacht für Nacht verkrümmt in ein 1,80 Meter langes Bett zwängt. Betten mit Überlängen sind bei vielen Möbelherstellern auf Wunsch erhältlich", rät Jochen Winning von der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel.

Auch die Höhe des Bettes ist wichtig. Für ältere Menschen sollte es etwa zehn Zentimeter höher sein, also 55 statt der üblichen 45 Zentimeter. Das erleichtert das bequeme Hinsetzen und Aufstehen. Sondermodelle wie Boxspringbetten setzten dabei natürlich andere Maßstäbe. Der gesamte Bettaufbau muss stabil und absolut standsicher sein. Er darf auf keinen Fall wackeln oder wegrutschen.

Die Basis des Liegekomforts sind eine geeignete Matratze und ein guter Lattenrost. Die Wirbelsäule muss so abgestützt werden, dass sie ihre natürliche S-Form behält. Beide sollten deshalb so kombiniert sein, dass Schultern und Becken tiefer einsinken können als der Rest des Körpers. Vor allem muss die Liegefläche ihre Eigenschaften dauerhaft behalten, nur so werden Rückenschmerzen und Haltungsschäden vermieden. Probeliegen ist beim Matratzenkauf unbedingt notwendig. Bei einem Doppelbett empfiehlt es sich, entsprechend des unterschiedlichen Körpergewichtes, zwei unterschiedliche Matratzen zu wählen, die individuell auf die jeweilige Person abgestimmt sind.

Optimal ist es, wenn die Härte des Lattenrostes im Schulter- und Beckenbereich variabel eingestellt werden kann. Denn oft hat man erst nach den ersten Nächten zu Hause ein Gefühl für die neue Unterlage und kann die Latten bei veränderten Schlafbedürfnissen nachspannen. Sehr komfortabel und praktisch sind Verstellmöglichkeiten von Kopf- und Fußteil.

Besonders geschätzt wird eine auf Knopfdruck veränderbare Neigung, wenn man durch Krankheit länger ans Bett gebunden ist. Der Verstellmechanismus muss aber robust genug sein, damit er nicht wackeln oder sich gar verbiegen kann. Die Liegefläche des Lattenrostes darf die Matratze auf Dauer nicht beschädigen. Auf glatte Oberflächen ist deshalb zu achten. (pl)

 
erschienen am 01.03.2013 ( Von Simone Andrea Mayer )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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