Für gutes Wachsen und Gedeihen benötigen Pflanzen unter anderem ausreichend Nährstoffe.
Foto: Wojciech Gajda/fotolia
Starthilfe für eine reiche Ernte
Gezielte Nährstoffgaben lassen Gartenpflanzen besser wachsen - Vorbeugender Schutz hält Schädlinge fern
Chemnitz. Morgen feiern Kleingärtner in ganz Deutschland den "Tag des Gartens". Viele Anlagen öffnen ihre Pforten, lassen Neugierige in das Gartenleben schnuppern und mit den Besitzern fachsimpeln. Zum Einsatz von Chemie beim Kultivieren der Pflanzen beantwortet Gartenfachmann und -besitzer Siegfried Neumann die Fragen von Silke Luthardt.
Freie Presse: Herr Neumann, seit etwa sechs Jahrzehnten geben Sie in der "Freien Presse" regelmäßig Tipps zu wichtigen Arbeiten im Haus- und Kleingarten. Was zählt zu Ihren wichtigsten Erfahrungen dieser Zusammenarbeit?
Siegfried Neumann: In den Jahren nach dem Krieg waren vor allem Informationen gefragt, wie man in der Parzelle höchstmögliche Erträge zur Eigenversorgung der Familie erreichen kann. Die Aspekte Erholung und Entspannung spielten kaum eine Rolle. Das hat sich grundlegend geändert. Viele Hobbygärtner von heute sehen den Kleingarten eher als grünes Wohnzimmer, in dem man komfortabel die Natur genießen kann. Und sie sind umweltbewusster geworden. Bei der Pflege der Pflanzen will die neue Generation Freizeitgärtner möglichst auf Chemie verzichten. "Bio" und "Öko" sind auch im Garten zu wichtigen Themen geworden. Grundsätzlich sind unter Ökologie die Beziehungen zwischen Lebewesen untereinander und mit ihrer Umwelt zu verstehen. Im Zeitalter des Umweltschutzes meint man damit in zunehmendem Maße auch einen schonenden, nachhaltigen Umgang mit der Natur - auch im Schrebergarten.
Freie Presse: Ist es tatsächlich möglich, in einem Kleingarten gänzlich auf die zusätzliche Gabe bestimmter Nährstoffe zu verzichten?
Siegfried Neumann: Das kommt auf die Art der Nutzung an. Wer in seiner Parzelle der Natur freien Lauf lässt, eventuell auftretende Schädlinge und Krankheiten toleriert, wird keine Chemie benötigen. Wer aber Blumen, Gemüse oder Obstgehölze in seinem Garten hat, muss sie mit ausreichend Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor, Kali, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgen, damit sie gut wachsen und gedeihen. In wohl keinem Kleingarten stehen alle Nährstoffe in optimaler Form und Menge zur Verfügung. Dünger kann das Angebot für die Pflanzen ergänzen.
Freie Presse: Welche Düngemittel gibt es?
Siegfried Neumann: Man unterscheidet mineralischen und organischen Dünger. Mineralischer Dünger, oft auch als "Kunstdünger" bezeichnet, wird auf der Basis von chemischen Stoffen hergestellt. Seine Wirkstoffe werden schneller freigesetzt als die des organischen Düngers und sind deshalb gut als Starthilfe für die jungen Pflanzen geeignet. Mineralische Feststoffdünger sind als Granulat im Handel erhältlich, werden als Einzel- oder Mehrnährstoffdünger angeboten. Sie enthalten hauptsächlich Stickstoff, Phosphor, Kalium, Schwefel, Kalzium und Magnesium sowie Spurenelemente. Eine gezielt verabreichte Düngung kann ein positives Pflanzenwachstum ungemein fördern. Andererseits muss man beachten, dass ein Zuviel des Guten nicht nur die Umwelt, sondern auch das Pflanzengewebe schädigen kann. Als organische Dünger dienen Kompost, Mist, Kräuterzubereitungen, Gründüngung und Mulch. Auch sie ergänzen das Nährstoffangebot für viele Pflanzen, wirken aber langsamer als mineralischer Dünger.
Freie Presse: Was sind Alternativen zu mineralischem Dünger?
Siegfried Neumann: Neben organischer Düngung kann eine wechselnde Fruchtfolge auf den Gemüsebeeten dazu beitragen, den Boden gesund zu halten, nicht übermäßig auszulaugen. Urgesteinsmehl, ein Bodenhilfsstoff aus zermahlenem Gestein, der unter anderem wichtige Mineralstoffe enthält, diente schon vor fast 100 Jahren dazu, nährstoffarme Böden aufzuwerten. Kräuterzubereitungen, zum Beispiel aus Brennnesseln, werden beim biologischen Anbau wegen ihrer Düngewirkung und Stärkung der Widerstandskraft der Pflanzen eingesetzt. Tees und Brühen aus bestimmten Pflanzen können zudem zur direkten Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten eingesetzt werden. Der Trend geht auch zu homöopathischen Elixieren, die Pflanzen widerstandsfähiger machen.
Freie Presse: Schädlinge und Krankheiten werden immer mehr zur Plage. Was raten Sie Betroffenen?
Siegfried Neumann: Zuerst empfehle ich den vorbeugenden Schutz der Pflanzen. So gibt es zum Beispiel in den Gärten unzählige nützliche Insekten wie Marienkäfer, Flor- oder Schwebfliegen, aber auch Vögel sowie Säugetiere wie Igel und Spitzmaus. Sie jagen und fressen viele Schädlinge. Diese Nützlinge kann man fördern, wenn sie im Garten einen Schlupfwinkel haben. Auch Mischkulturen, damit sind bestimmte Pflanzennachbarschaften gemeint, wirken vorbeugend oder abwehrend auf Krankheiten oder Schädlinge. Gute Nachbarn von Zwiebeln sind beispielsweise Möhren und Kopfsalat. Das Absammeln oder mechanische Vernichten von Raupen, Kartoffelkäfer oder Schnecken ist ebenfalls eine wirksame Methode, um die Invasion von Schädlingen einzudämmen. An Obstbäumen kann man Leimringe gegen Frostspanner anbringen. Eine chemische Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln empfehle ich, wenn der Befall die komplette Ernte gefährdet. Erfolge erreicht man aber nur, wenn auch die Nachbarn geeignete Maßnahmen ergreifen, denn Schaderreger machen am Gartenzaun nicht Halt.