Wenn die Heizung in die Jahre kommt
Wann lohnt sich eine Erneuerung?
Dresden. Nach einer Nutzungsdauer von 15 Jahren sind die Wärmeerzeuger in der Regel wirtschaftlich abgeschrieben und die Grenznutzungsdauer ist erreicht, informiert die Sächsische Energieagentur (Saena). Neuinvestitionen dürften über kurz oder lang ins Haus stehen. Die Entscheidung dafür sollte jedoch nicht unter Zeitdruck getroffen werden oder gar erst dann, wenn die alte Heizung tatsächlich nicht mehr funktioniert. Daher lohnt es sich, in Ruhe zu überlegen und zu planen. Dabei ist das Ziel klar: die bedarfsgerechte effiziente Deckung des Wärmebedarfs. Dazu stehen unterschiedliche Energieträger und Technologien zur Verfügung. Wichtig ist zunächst, den Wärmebedarf zu hinterfragen. Dieser hat sich bei vielen Gebäuden im Laufe der Jahre durch nachträgliche Modernisierungen wie Austausch von Fenstern oder Dämmmaßnahmen verringert. Überdimensionierte Wärmeerzeuger kosten mehr und wirken sich auch negativ auf die Effizienz der Anlage aus.
Der Aufwand zur Deckung des Wärmebedarfs setzt sich aus Investitions-, Betriebs- und Verbrauchskosten zusammen. Während die Investitionskosten in der Regel durch Kostenberechnung vom Haustechniker oder Angebote von Fachunternehmen laut Saena schnell vergleichbar seien, sind die Kosten für Verbrauch und Betrieb verschiedener Anlagen nicht sofort durchschaubar. Die Verbrauchskosten berechnen sich aus dem Wärmebedarf und dem Jahresnutzungsgrad der gesamten Anlage, das heißt: Wie viel Prozent der eingesetzten End-energie - zum Beispiel Gas, Öl oder Holz - kommen als nutzbare Wärmeenergie in der Heizung an? In der Praxis ist der Wert laut Saena deutlich niedriger als der meist vom Hersteller angegebene Nutzungsgrad der Wärmeerzeuger. Dieser liegt im Bereich von unter 70 Prozent bei älteren Anlagen, bis zu 90 Prozent bei neueren Heizungsanlagen. Ein wichtiger Kostenfaktor ist die weitere Energiepreisentwicklung. Hier sollten unterschiedliche Steigerungsraten, beispielsweise drei Prozent bis acht Prozent pro Jahr, in die Berechnung der Verbrauchskosten einfließen. Dazu kommen weitere Betriebskosten, zum Beispiel durch Wartung sowie Hilfsenergien wie Strom für eine Pumpe. Die entsprechenden Angaben, die diesbezüglich bei der Kalkulation berücksichtigt werden müssen, können von Ingenieure und Fachunternehmen gemacht werden.
Daneben beeinflussen weitere, zum Teil subjektive Faktoren die Auswahl der Heizungsanlage. Dazu zählen laut Saena, inwieweit man Unabhängigkeit von der weiteren Energiepreisentwicklung bei Öl und Gas anstrebt, ob im konkreten Fall der Nutzen des Einsatzes erneuerbarer Energien wie Erdwärme und Solarthermie im Verhältnis zum Aufwand steht oder ob im Haus Lagermöglichkeiten für Brennstoffvorräte existieren.
Vor der Entscheidung für ein Heizungssystem sollten mögliche Varianten betrachtet werden. Dabei hilft eine unabhängige Beratung, zum Beispiel durch einen qualifizierten Energieberater. Die Kosten für eine Energieberatung sind im Vergleich zu den anstehenden Investitionen überschaubar und dürften sich in den folgenden 15 Jahren Anlagennutzungsdauer mehr als rentieren. Prüfen sollte man bei der Planung auch, ob staatliche Förderungen für die Heizungssanierung, wie sie Programme des Freistaates Sachsen, des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau bieten, bei der Finanzierung nützen. So hat das Bafa kürzlich die Förderbeträge für Solarwärmeanlagen erhöht. In Sachsen gibt es noch bis Ende September über die Sächsische Aufbank eine zusätzliche Förderung für Pelletheizungen. Interessenten sollten sich beraten lassen, welche Gelder unter welchen Voraussetzungen in Anspruch genommen werden können. (pl)