Mit Tapeten können unterschiedliche Akzente gesetzt werden.
Foto: Leipziger Messe
Zeit für einen Tapetenwechsel
Mit modernen Materialien ein neues Wohngefühl erzeugen
Leipzig. Wer wünscht sich nicht ab und zu einen Tapetenwechsel und dies im wahrsten Sinne des Wortes: in der Wohnung. Auch Zeitschriften und Fernsehsendungen machen Lust auf Veränderung in den eigenen vier Wänden. Farben, Formen, Materialien - das Angebot ist schier unüberschaubar. Wohnexperte Bernhard Zimmermann aus Leipzig informiert Raumausstatter und Händler auf der bevorstehenden Comfortex Leipzig, einer Fachmesse für Raumgestaltung, vom 1. bis 3. September. Seine Tipps sind nicht nur für Profis, sondern auch für Laien interessant.
Bernhard Zimmermann hat drei aktuelle Haupttrends ausgemacht. Da ist zum einen die Suche nach Ruhe und Ausgeglichenheit, nach mehr Naturnähe. Balkone und Dachgärten werden üppig bepflanzt, der Übergang vom Innen zum Außen ist fließend, Sitzmöbel werden für beide Einsatzbereiche konzipiert. Der Farbton Grün in Kombination mit natürlich warmer Farbgebung ist Leitgedanke in der Wohnraumgestaltung - New Green Living lautet das Motto.
Den zweiten Impuls liefern die späten 50er- und frühen 60er-Jahre. Gerade die Möbel dieser Zeit mit ihren tänzelnd zierlichen Beinen bei Stühlen und Tischen, die Feinheit der Materialkombination mit farblichen Akzenten sind es, die uns beleben und faszinieren. So sollte man durchaus in Erwägung ziehen, das ein oder andere "Edelstück" dieser Zeit wieder professionell beim Tischler bzw. Raumausstatter aufarbeiten zu lassen. Mittlerweile steigen bereits die Preise für brauchbare "Altware". Auch neue Möbelkollektionen, gezeigt auf den internationalen Möbelmessen, sind von diesen Impulsen inspiriert.
Natürlich ist auch die "moderne" Innenraumgestaltung mit klaren Linien und Formen weiter von Bedeutung. Dabei sprengt der rechte Winkel auf, und es gibt wieder mehreckige Formen bei Möbeln und textilen Dekoren. Gerade Raumtextilien wie Vorhänge, Bezugstoffe und Tapeten werden ein immer wichtigerer Bestandteil, um die etwas kühl und farblos wirkende "Moderne" zu ergänzen. Dabei geht es nicht zuletzt um die Energetik des Hauses/der Wohnung, wo Tapeten und Stoffe nachweislich überzeugende Vorteile bringen. Dazu kommt eine verbesserte Raumakustik, die in einer lauten Welt mehr und mehr geschätzt wird. Bei den häufig eingesetzten "harten" Bodenbelägen wie Laminat, Parkett und Ähnlichem vervollkommnen Teppiche, passend in Material, Farbe und Muster, die Bodengestaltung. Eine Wohltat für die Füße und das Gehör.
Obgleich die Farbgestaltung durch persönliche Vorlieben geprägt ist, sollte man ruhig mal etwas ausprobieren - zum Beispiel mit einer unifarbenen Tapete, von der man sich leichter wieder trennen kann, wenn der Farbton auf Dauer nicht gefällt. Aktuell werden neben den ruhigen, sprich stark aufgehellten und teils gedeckten Tönen gerne Akzente in Rot, Grün und auch immer noch in Gelb/Orange gesetzt. Blautöne sind regional unterschiedlich beliebt und bieten dem mittlerweile starken Grün Paroli. Kräftige Farbtöne positionieren sich fest, lichte Töne weiten den Wohnbereich, insbesondere klares Blau-Türkis. Rot spielt sich in den Vordergrund und eignet sich gut zur Zentrierung im Raum. Ganz stark im Kommen sind Tapeten. Durch Farbe und klare Muster können sie einer Wand spektakuläre Wirkung verleihen. Der Klassiker: zarte, fließende Töne für die Beruhigung in den intimeren Räumen wie Schlafzimmer und Bad, starke Farbklänge für Lebendigkeit und Aktivität in Küche und Wohnzimmer.
Ruhige Farbigkeit für das Schlafzimmer.
Foto: Leipziger Messe
Weniger ist mehr. Für die Wohnung heißt das, so manchen alten Krimskrams zu entsorgen, die alte Tapete abzulösen und damit vielleicht auch unbeliebte Gedanken an Geschehenes zu löschen. Eine neue Farbigkeit, eine Wand mit spannendem Muster aktuell tapeziert, ein schon lang begehrtes Einzelmöbel von nachhaltigem Wert nach Hause holen - und schon ist der Wandel perfekt.
Gegenwärtig lockert sich die Zusammenstellung der Möbel. So wird zum Beispiel ein Sofa mit anders geformten Einzelsesseln kombiniert, verschiedene Stuhlmodelle um einen Esstisch aufgestellt oder ein ausdrucksstarkes Designmöbel mit Historie prominent platziert. Der Raumausstatter/Polsterer ist hier ein guter Wegbegleiter in Aufbereitung und Neubezug von Sitzmöbeln mit "Vorgeschichte". Neben dem vielfältig diskutierten Nachhaltigkeitsgedanken beim Einrichten verbreiten aufgearbeitete Möbel einen ganz individuellen Charme. Schnelle Veränderungen gelingen durch Licht, am besten aus mehreren Quellen.
Das Fazit: Uniformität ist out, mehr Individualität beim Wohnen ist angesagt - gerne auch mit einem Möbel-Mix verschiedener Stilepochen. Auch der Mut zur Farbe wächst.
Ideen für ein neues Wohngefühl kann man sich nicht nur aus Zeitschriften holen, sondern auch am Urlaubsort, in Hotels oder zum Beispiel bei einem Besuch des Leipziger Grassi-Museums, das u. a. angewandte Kunst vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte zeigt. Bernhard Zimmermann empfiehlt: "Wer es sich leisten kann, sollte für das eine oder andere einen Profi heranziehen. Er berät, setzt die oft teuren Materialien gekonnt und wirkungsvoll ein. Das kostet natürlich etwas mehr als Do-it-yourself, aber stilvolles, behagliches Wohnen stellt eine Investition in das eigene Wohlbefinden dar."