Iproplan-Geschäftsführer Jörg Thiele (links) und Architekt Robert Klose bei einer Besprechung am modernen Neubau des Berufsschulzentrums Chemnitz, das für 16 Millionen Euro saniert wird. Foto: Grit Strietzel
"Architekten - viel Kreativität, aber wenig praxistauglich"
Unternehmer Jörg Thiele koordiniert Bauprojekte weltweit - Nachwuchs braucht internationale Erfahrung und Fremdsprachenkenntnisse
Chemnitz. In Syrien das Bahnhofsportal, in Kambodscha ein Ausbildungszentrum, in Albanien Gerichtsgebäude, in Chemnitz das Berufsschulzentrum - für Jörg Thiele hat die Welt keine Grenzen. Er denkt global und arbeitet auch so. Seine Planungs- und Baumanagement Gesellschaft Iproplan ist das Spiegelbild seiner Philosophie. Architekten, Ingenieure, Regionalplaner und andere Fachkräfte sind unter einem Dach tätig, um große Projekte aus einer Hand zu managen.
"Nur in Deutschland hat man diese spartengeteilte Planung. Erst plant der Architekt, dann der Bauingenieur, dann der Heizungsinstallateur und so weiter", beschreibt Jörg Thiele eine Branche, die längst im Wandel ist. Denn wer international tätig sein will, hat mit diesen Strukturen wenig Chancen.
Rückläufige Investitionen auf der einen Seite und Auftraggeber, die komplette Leistungen kaufen wollen, auf der anderen - "Da kommt man mit der Kleinteiligkeit nicht weiter", so der Geschäftsführer. Beispiel Berufsschulzentrum Chemnitz: 16 Millionen Euro steckt die Stadt in die Sanierung. Iproplan bekam den Zuschlag, weil die gesamte Baumaßnahme in einem Haus geplant sowie koordiniert wird und sich das Unternehmen unter anderem verpflichtete, den Finanzrahmen einzuhalten.
15 Praktikanten wollen bei Jörg Thiele pro Jahr Berufsluft schnuppern. Doch nicht immer ist er zufrieden mit dem, was der Nachwuchs an den Hochschulen lernt. "Es gibt in Deutschland ein Überangebot an Architekten, die meist über ein hohes Maß an Kreativität verfügen. Doch praxistauglich sind sie wenig", urteilt Thiele aus Erfahrung. Spezialwissen und zugleich die Fähigkeit, die eigene Arbeit im Kontext mit dem Ganzen sehen, das werde gebraucht. Noch im Studium sollte man praktische Erfahrungen sammeln. Zwei Fremdsprachen fließend zu beherrschen, gehöre immer mehr zum Standard, insbesondere, wenn man im internationalen Geschäft erfolgreich tätig sein will. Wer in Deutschland einen attraktiven Job suche, sollte wenigstens fünf Jahre Auslandserfahrung mitbringen. Dies sei notwendig, um als Projektingenieur im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit überhaupt anerkannt zu werden, so Thiele.
Von Grit Strietzel