Herausforderung Klettern: Um Teamfähigkeit ging es am Freitag beim Mentosa-Workshop in Chemnitz.
Foto: Wolfgang Schmidt
Berufseinstieg: Der Mentor macht's möglich
Trotz Fachkräftemangels finden Firmen und akademischer Nachwuchs in Sachsen teils schwer zueinander - Ein Mentoren-Netzwerk soll das ändern
Chemnitz. Über die Aussicht, in Sachsen einmal eine Anstellung zu finden, hat sich Toni Jost bislang keine großen Illusionen gemacht. "Wir müssen um unsere Jobs kämpfen", spricht der 28-Jährige über die Erfolgsaussichten von Geisteswissenschaftlern. Jost hat in Chemnitz Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promoviert derzeit.
Dass seine Skepsis in Sachen Jobsuche der Zuversicht gewichen ist, liegt auch an Mentosa. Bereits im zweiten Jahr versucht das von EU und Land geförderte Projekt, ein Mentoren-Netzwerk im Freistaat zu etablieren, um Unternehmen und Hochschulabsolventen zueinander zu bringen. Toni Jost gehört zu den 180 Studierenden und Promovierenden in Sachsen, die als Mentees bisher in den Genuss dieser Förderung gekommen sind. Sechs Hochschulen vermitteln ihnen für die Dauer von einem Jahr Mentoren in sächsischen Firmen, um sie mit der Berufspraxis und Anforderungen vertraut zu machen, die nicht zwangsläufig im Studium vermittelt werden, zum Beispiel im Hinblick auf Personalführung und Kommunikation.
"Viele Studierende fühlen sich nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet. Sie benötigen Kontakte mit Leuten aus der Praxis, um zu wissen, wo und wie man sich bewirbt", erläutert Cornelia Schleife, die das Mentosa-Programm an der TU Chemnitz koordiniert. Für die beteiligten Unternehmen ergebe sich der Vorteil, zu prüfen, ob ein Bewerber zur Firma passe und diesen frühzeitig zu binden.
Toni Jost weiß das zu schätzen. Dank seines Mentors Thomas Morgenstern von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Chemnitz hat er unter anderem die Arbeitsabläufe in der Verwaltung kennengelernt, Baustellen und Tagungen besucht sowie Investoren erlebt. "Mentosa hat den großen Vorteil, Kontakte zu knüpfen statt nur im Elfenbeinturm zu sitzen", sagt Jost, dessen Doktorarbeit sich um Nachkriegsarchitektur dreht.
Eben darin sieht Mentor Thomas Morgenstern einen Gewinn für die eigene Arbeit im Denkmalschutz. Neben Impulsen aus der Forschungsarbeit von Toni Jost betrachtet Morgenstern zudem den Austausch mit jungen Leuten als Gewinn für die eigene Arbeit. "Es ist gut, wenn man auch deren Auffassung von Stadtumbau und -sanierung zu hören bekommt", sagt er.
Während Art und Umfang der Betreuung zwischen Mentee und Mentor individuell vereinbart werden, wartet Mentosa überdies mit Begleit-Workshops auf. Sie stärken Schlüsselkompetenzen, schulen etwa Teamfähigkeit und vermitteln effizientes Zeitmanagement.
Für die Dauer der EU-Förderung wird der Erfolg von Mentosa evaluiert. Spätestens nach fünf Jahren soll das Mentoren-Netzwerk auf eigenen Füßen stehen und dazu beitragen, dass möglichst viele Hochschulabgänger im Freistaat bleiben. Laut der Sächsischen Absolventenstudie der TU Dresden lag die Quote derjenigen, die jenseits des Landesgrenze ihr Glück im Berufsleben suchen, zuletzt bei 45 Prozent.
Nachdem der erste Mentosa-Jahrgang das Programm absolviert hat, spricht Projekt-Koordinatorin Cornelia Schleife für die an der TU Chemnitz Betreuten von einer sehr hohen Zufriedenheit. Einem Drittel sei über Mentosa der Berufseinstieg gelungen, bei den anderen hätten sich Praktika beziehungsweise wertvolle Kontakte ergeben.
"Meine Erwartungen haben sich prinzipiell erfüllt", sagt auch Mentee Toni Jost. "Ich finde es cool, dass sich jemand darum kümmert, die Leute in Sachsen zu halten. Das ist gut investiertes Geld. Man kann nur gewinnen."
Bewerbungen
Bis zum 29. Februar können sich Studierende in Zwickau und Mittweida für den dritten Mentosa-Jahrgang bewerben, in Chemnitz bis zum 30. Januar. Details erfahren Interessierte im Internet.