Deutschland gehört zu den EU-Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung.Foto: Volkmar Schulz/Keystone
In Deutschland verdienen Frauen immer noch ein Viertel weniger
In Deutschland verdienen Frauen immer noch ein Viertel weniger
Berlin. Beim Gehalt sieht es mit der Gleichberechtigung weiter schlecht aus. Zwar arbeiten europaweit immer mehr Frauen, jedoch werden diese selten für ihre Tätigkeit so entlohnt wie ihre männlichen Kollegen. In der Europäischen Union lag der Unterschied zwischen den Geschlechtern im vergangenen Jahr im Schnitt bei 17,4 Prozent. In Deutschland waren es laut EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla sogar 23,0 Prozent. Die Gleichberechtigungsexpertin bei der Gewerkschaft Verdi, Alexa Wolfstädter, sieht die Ursachen dafür neben der schlechteren Bezahlung von so genannten Frauenberufen sowie den falschen steuer- und sozialrechtlichen Anreizen vor allem in den fehlenden Kinderbetreuungsangeboten.
Teilzeit meist "weiblich"
"Es gibt in Deutschland ein massives Problem bei der Kinderbetreuung", sagte Wolfstädter. Mütter seien deswegen unflexibler im Vergleich zu Vätern, die meist nicht so stark in die Betreuung eingebunden seien und dadurch Vollzeit arbeiten könnten. Europaweit arbeiteten 38 Prozent aller Frauen Teilzeit. Damit liege die Quote viermal höher als bei Männern, sagte Spidla.
Wolfstädter zufolge existiert die Bezeichnung "Rabenmutter" nur im Deutschen, worin sich ihrer Meinung auch das herrschende struktur-konservative Rollenbild widerspiegelt. In anderen Sprachen gebe es dafür keine Entsprechung. Lediglich in Österreich, den Niederlanden, Zypern, Tschechien und Estland sind die Gehaltsunterschiede aktuellen Erhebungen zufolge noch größer.
"Damit gehört Deutschland nach wie vor zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Frauen und Männern", sagte Spidla. Dabei ist die große Differenz bei den Gehältern nichts Neues. 2006 lag der Unterschied bei 24 Prozent, jedoch bei einer anderen Berechnungsgrundlage. Zu dem seit Jahren gleich bleibenden Niveau wollte sich das Bundesfamilienministerium auf Anfrage nicht äußern.
Gründe für die Ungleichheit in Deutschland sind dem EU-Kommissar zufolge die hohe Teilzeitquote bei Frauen sowie deren häufige Beschäftigung im Niedriglohnsektor, wie in der Pflege, dem Einzelhandel oder der Kinderbetreuung. Nach Angaben Wolfstädters sind Frauen zudem seltener in höheren Positionen aufzufinden und kämpften in Gehaltsverhandlungen auch weniger stark für finanzielle Erhöhungen als Männer.
In nicht tarifgebundenen Unternehmen wissen Kollegen Experten zufolge häufig nicht voneinander, was der andere verdient. Eine Übersicht gibt es im Internet. Diese wird vom WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung betreut und bietet einen Lohn- und Gehaltsüberblick zu über 180 verschiedenen Berufen. (ddp)
Von Nadine Schimroszik