Izabela Wrona hat in Deutschland ihr Abi gemacht und studiert.
Izabela Wrona hat in Deutschland ihr Abi gemacht und studiert.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd

Junge Messechefin mit starker Vision

Izabela Wrona ist jüngste Abteilungsleiterin bei der Frankfurter Messe und Veranstaltung

Frankfurt (Oder). Für den Weg mit dem Auto zur Arbeit braucht Izabela Wrona nur fünf Minuten. Dabei fährt sie täglich von Polen nach Deutschland - aus der Grenzstadt Slubice, wo sie wohnt, hinüber zum Kleist-Forum nach Frankfurt (Oder). Die deutsch-polnische Zusammenarbeit liegt ihr schon von Berufs wegen am Herzen: Seit dem Frühjahr leitet die 30-jährige Polin die Messe Frankfurt (Oder). Die Messe "Job und Karriere" Ende September war eine Bewährungsprobe für sie.

"Ich habe Erfahrungen mit Veranstaltungsmanagement und Messen und suchte nach einer Stelle mit deutsch-polnischem Hintergrund. Da kam das Frankfurter Angebot genau richtig", sagt die Absolventin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), die zuvor drei Jahre in Baden-Württemberg gearbeitet hatte. "Für mich war der grenzüberschreitende Aspekt der neuen Arbeit wichtig", fügt die gebürtige Stettinerin hinzu.

"Ich bin die jüngste Abteilungsleiterin bei der Frankfurter Messe und Veranstaltungs GmbH", sagt Wrona, die dort neben Messen auch für Kongresse und Veranstaltungen zuständig ist. Sie soll hier das deutsch-polnische Profil stärken, wie Geschäftsführer Markus Derling sagt. "Ich bin sicher, dass ihr das gelingen wird."

Auch Wrona ist der Ansicht, dass der Messestandort Frankfurt (Oder) eine Zukunft hat, wenn die deutsch-polnische Ausrichtung ausgebaut wird. "Ich finde, dieses Alleinstellungsmerkmal müssen wir nutzen", sagt sie. So will sie die Werbung um Besucher und Aussteller östlich der Grenze verstärken, ohne die deutsche Seite zu vernachlässigen. Sie sprach in Schulen und Ämtern in Slubice vor, um dort auf die anstehende Job-Messe aufmerksam zu machen. Auf polnischer Seite werben zudem Plakate für die Veranstaltung. "Wir gehen daher davon aus, dass auch Besucher aus Polen die Messe besuchen werden", sagt Wrona. Durch die Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts am 1. Mai dürfte das Thema viele interessieren. Angesichts des wachsenden Fachkräftepersonals sieht sie in dieser Messe überhaupt ein großes Potenzial. so könne es für deutsche Unternehmer interessant sein, Personallücken mit polnischen Arbeitskräften zu füllen. Auf der Job-Messe werden nicht nur deutsche Unternehmen, Kammern und Behörden, sondern auch das Arbeitsamt Slubice sowie ein Beratungsunternehmen und ein Bildungszentrum aus ihrer Heimatstadt Szczecin (Stettin) dabei sein.

"Es macht Spaß, hier in der Region zu arbeiten, denn gewisse Kontakte bestehen bereits", sagt Wrona. Sprachbarrieren kennt die fließend Deutsch sprechende Polin nicht. "Ich habe schon in der Grundschule angefangen, Deutsch zu lernen", berichtet sie. Das sei relative einfach gewesen, denn die Region Szczecin liege direkt an der Grenze. So besuchte sie bis 2000 das Deutsch-Polnische Gymnasium im grenznahen Löcknitz (Vorpommern). "Nach dem deutschem Abi war es für mich logisch, dass ich in Deutschland studiere", sagt sie. Deshalb schrieb sie sich 2001 für Kulturwissenschaften an der Viadrina ein.

Im jetzigen Messeteam sei sie "erstaunlich gut aufgenommen" worden, sagt Wrona. Sie ist längst nicht die einzige Polin bei der Messe und Veranstaltungs GmbH. So seien schon immer Kolleginnen und Kollegen sowie studentische Aushilfen von der Viadrina aus Polen und anderen Ländern im Team. Bei Messen, den Musikfesttagen an der Oder oder dem Liederfestival Transvocale würden so deutsch-polnische Akzente gesetzt, sagt Unternehmenssprecherin Ute Schirmack: "Das Deutsch-Polnische ist bei uns längst gelebte Praxis."

Wrona betrachtet Frankfurt und Slubice wirklich als eine gemeinsame Stadt. Sie hat als Studentin auf beiden Seiten der Oder gewohnt. "Der Standort hat so viele Vorteile, das ist vielen Menschen noch gar nicht bewusst." Sie habe während ihrer dreijährigen Zeit nahe Baden-Baden erlebt, wie eng das Elsass und Baden-Württemberg zusammenhängen. "Das ist auch die Zukunft für unsere Region. Wir werden das hinbekommen", ist sie sich ganz sicher. (dapd)

 
erschienen am 07.10.2011 ( Von Jörg Schreiber )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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