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Wenn Stress alltäglich wird: Mehr als jeder Vierte stößt im Job immer oder häufig an seine Grenzen.

Foto: Jens Schierenbeck

Krank gearbeitet - Sorge um Gesundheit am Arbeitsplatz wächst

Berlin/Stuttgart (dpa) - Stress lass nach: Obwohl immer mehr Firmen sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter sorgen, klagen mehr Berufstätige über eine zu hohe Belastung am Arbeitsplatz. Die IG Metall pocht deshalb auf eine Anti-Stress-Verordnung.

Stress am Arbeitsplatz gehört für viele Berufstätige zum Alltag - und wird immer mehr zum Problem für Arbeitgeber. «Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen nehmen kontinuierlich zu», sagte Juliane Quaranta-Hoflin, Leiterin Arbeits- und Gesundheitsschutz beim TÜV Süd, bei der Vorstellung des «Corporate Health Jahrbuchs» in Stuttgart.

Die IG Metall fordert deshalb eine Anti-Stress-Verordnung. «Die bestehenden Regelungen im Arbeitsschutzgesetz reichen bei weitem nicht aus», sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, anlässlich eines zweitägigen Anti-Stress-Kongresses der Gewerkschaft in Berlin.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der IG Metall kommt mehr als jeder Vierte im Job immer oder oft an die Grenzen seiner körperlichen und seelischen Belastbarkeit. 42 Prozent der Befragten gaben an, hin und wieder unter Stress zu leiden. Nur 30 Prozent kennen das Problem überhaupt nicht.

Die überwiegende Mehrheit, nämlich 88 Prozent der Befragten, wünscht sich von den Unternehmen mehr Schutz vor Leistungsdruck und Stress am Arbeitsplatz. 69 Prozent sind der Meinung, dass auch die Politik eingreifen sollte. Befragt wurden 1000 Berufstätige.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält dagegen: «Eine solche Verordnung ist nicht notwendig, es gibt längst strenge Regelungen zum Arbeitsschutz», sagte Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Die pauschale Behauptung, dass Arbeit an sich krank mache, gehe an der Realität vorbei. Ein großer Auslöser für psychische Belastungen seien häufig private Probleme.

In der Politik bekommt der Vorstoß der Gewerkschaft hingegen Unterstützung. Die SPD hat sich bereits für eine Anti-Stress-Verordnung ausgesprochen, genau wie der CDU-Sozialflügel. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will mit einem neu eingebrachten Gesetzentwurf zur Förderung der Prävention, gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen. «Einen Schwerpunkt setzen wir in der betrieblichen Gesundheitsförderung: Auch in diesem Bereich sollen die Krankenkassen ihre Ausgaben verdreifachen», sagte Bahr. Finanzielle Anreize für Unternehmen und Beschäftigte, die an Projekten der betrieblichen Gesundheitsförderung teilnehmen, sollen ausgebaut werden.

Die Firmen versuchen zwar bereits gegenzusteuern. Unter den im «Corporate Health Jahrbuch» befragten 283 Unternehmen bieten mehr als 70 Prozent jeweils Beratung zu Stressmanagement oder Entspannungskurse an. Doch eine Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastungen am Arbeitsplatz führten erst 55 Prozent durch.

Und Stress am Arbeitsplatz kann nicht nur psychische Folgen haben: Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben festgestellt, dass eine Dauer-Belastung im Job sich negativ auf Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel auswirken kann. Stress führe zu einer Entzündungsreaktion im Körper, die unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen könne, wie es in einer Mitteilung des Zentrums heißt.

 
erschienen am 23.04.2013
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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