Silke Groß studiert Biotechnologie/Bioinformatik in Mittweida. Dort besucht sie an drei Tagen in der Woche mit Sohn Linus die Vorlesungen. Ihr Freund Josua Freyer, der selbst noch in der Ausbildung zum Erzieher ist, unterstützt das Projekt Studium wo er kann. Hilfe bekommt Silke Groß auch von der Hochschule.
Foto: Wolfgang Schmidt
Mit dem Sohn in die Vorlesung
Für Studierende mit Kind haben Hochschulen der Region zahlreiche Angebote entwickelt
Mittweida. Silke Groß gibt es ehrlich zu: Vorlesungen besuchen und Windeln wechseln - das konnte sie sich nicht vorstellen. "Ich wollte nach dem Studium erst einmal zwei Jahre arbeiten und erst dann ein Kind bekommen", sagt die 19-Jährige. Neben ihr im Kinderwagen liegt Linus. Drei Monate ist der neue Erdenbürger, der das Leben der jungen Frau aus Geyer und ihres Freundes Josua Freyer ordentlich durcheinandergebracht hat, alt.
"Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, da habe ich mir natürlich Sorgen gemacht, wie ich das alles schaffen werde. Aber diese Sorgen haben sich als vollkommen unbegründet erwiesen", sagt Silke Groß. Erste Adresse für die werdende Mutter war das Campusbüro an der Hochschule. In diesem koordinieren Susann Pilath und Janett Neumeister die Aktivitäten der familienfreundlichen Hochschule. Die Mittweidaer dürfen mit dem Zertifikat der Hertie-Stiftung seit 2009 werben.
Neben Beratungs- und Informationsangeboten rund um die Themen Arbeiten, Forschen und Studieren in besonderen Lebenslagen übernehmen die beiden Mitarbeiter auch schon mal die "Notfallbetreuung" des Nachwuchses, wenn die Mutti oder der Vati mit dem Professor sprechen, eine Prüfung schreiben oder in der Bibliothek etwas recherchieren müssen. Silke Groß hat vor allem die Beratung geholfen: "Bafög, Elterngeld, Erstausstattung - am Anfang muss man sich um so vieles kümmern, da war das Campusbüro eine echte Hilfe." An drei Tagen in der Woche besucht sie die Vorlesungen in Mittweida, wohnt in dieser Zeit in einer Wohngemeinschaft. Weder dort noch im Seminar werde Linus als störend empfunden. Ganz im Gegenteil. "Meine Kommilitonen helfen mir, indem sie auch mal eine Runde mit dem Kinderwagen fahren, während ich in der Vorlesung sitze oder im Labor arbeite", sagt die junge Frau, die im zweiten Semester Biotechnologie/Bioinformatik studiert. Sie ist sicher: An einer großen Hochschule, wo der Student nur eine Nummer unter vielen ist, hätte sie ein oder zwei Urlaubssemester nehmen müssen - solange bis Linus den Kindergarten hätte besuchen können. Für den ist ihr Sohn in Mittweida schon angemeldet. Die Hochschule kooperiert mit der DRK-Einrichtung "Auenzwerge", die gerade einen Anbau erhält. Nach der Eröffnung im Frühjahr 2013 stehen 24 Plätze für die Kinder von Beschäftigten und Studierenden zur Verfügung.
Ist es also eine gute Idee, den Kinderwunsch in die Studienzeit zu verlegen? "Auf jeden Fall, denn so flexibel wie im Studium ist man nie wieder im Leben", sagt Silke Groß. Allerdings sind auch je eine große Portion Selbstdisziplin und Organisationstalent notwendig. "Man muss seinen Tagesablauf gut planen und alles so zeitig wie möglich erledigen, denn wenn mit dem Kind etwas ist, dann kann die Zeit schnell knapp werden", sagt die junge Frau.