Erzieher brauchen viel Geduld.Foto: fotolia.de
Mit viel Geduld zum Vorbild für andere
Interessenten müssen erst eine andere Ausbildung absolvieren - Fachschule dauert weitere drei Jahre
Chemnitz. Zu den wichtigsten Eigenschaften eines Erziehers oder besser gesagt einer Erzieherin - denn Frauen dominieren diesen Beruf eindeutig - sollte Geduld gehören. Das geht schon beim zurückzulegenden Ausbildungsweg los. Interessenten können sich nämlich nicht einfach mit dem Abgangszeugnis der zehnten Klasse bewerben, sondern müssen vorher eine andere mindestens zweijährige Ausbildung hinter sich bringen. Typisch hierzulande ist es, sich zur Kinderpflegerin schulen zu lassen. Eine Variante, die auch jungen Frauen mit Hauptschulabschluss den Zugang ermöglicht.
Wer einen völlig artfremden Beruf erlernt hat, muss außerdem noch Praxiserfahrungen vorweisen; entweder zwei Jahre oder - falls sie im erzieherischen Bereich gesammelt wurden - 12 Monate. Mit einer mindestens siebenjährigen erziehenden oder pflegenden (Berufs-)Tätigkeit erfüllen Bewerberinnen in Sachsen aber auch ohne andere Vorbedingungen die Zugangsvoraussetzung.
Wenn es dann endlich soweit ist, kann an einer privaten (Schulgeld!) oder staatlichen Fachschule die drei Jahre lange Ausbildung zur Erzieherin beginnen. Zwei Drittel davon sind Schulunterricht - von Mathematik über Psychologie bis zur Literatur- und Medienarbeit, von Sozialkunde über Biologie bis zur rhythmischen Erziehung. Der einjährige berufspraktische Teil, der etappenweise über die gesamte Ausbildungszeit verteilt wird, findet dort statt, wo Erzieherinnen arbeiten, also etwa in Einrichtungen der Behindertenhilfe und offenen Jugendarbeit. Am Ende dürfen sich die Absolventinnen, die dann zumeist bereits fünf Jahre Bafög-finanzierten Lebensunterhalt hinter sich haben, staatlich anerkannte Erzieherinnen nennen und auf bestimmte Bereiche wie Kindergarten, Sonderpädagogik oder Heimerziehung spezialisieren. Haben sie mit zusätzlichem Lernaufwand auch noch die Fachhochschulreife erworben, kann es mit dem Studieren weitergehen. Bis zum Sozialpädagogik-Diplom, das unter anderem für mögliche Leitungsaufgaben wichtig ist, dauert es dann weitere vier Jahre.
Erzieherinnen sind Vorbilder. Das bezieht sich sowohl auf Allgemeinbildung, Einfühlungsvermögen, Auftreten und Selbstkontrolle als auch musikalische Fähigkeiten und die zum Beispiel für diverse Bastelarbeiten nötige Kreativität. Ein funktionierendes Personengedächtnis und eine gute Beobachtungsgabe - etwa bei der Feststellung von Verhaltensauffälligkeiten - sind ebenfalls erforderlich. Zudem müssen sie ihrem Arbeitgeber ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorlegen und einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben. Apropos Gesundheit: Günstig ist es auch, wenn sie die Kinderkrankheiten schon hinter sich haben und sich nicht von jedem kursierenden Infekt außer Gefecht setzen lassen.
Trotz der vielen Jahre, die vergehen müssen, ehe Erzieherinnen ihren Abschluss in der Tasche haben, und trotz aller Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung gilt das Level der Ausbildung in der Bundesrepublik im Europavergleich als niedrig. Erste Ansätze und Modellprojekte, sie auf Fachhochschulniveau anzuheben, gibt es jedoch.