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Mitarbeiterin oder Mutti?
Schwangere sollten im Job Professionalität beweisen
Berlin/Nürnberg (dapd). Eine Schwangerschaft ist für die meisten Frauen ein Grund zur Freude. Chefs und Kollegen teilen diese Begeisterung häufig kaum. "Leider wird eine Schwangerschaft im Berufsleben oft immer noch sehr negativ aufgefasst", sagt Andrea Juchem-Fiedler, Karriereberaterin aus Berlin. Der Grund seien Befürchtungen, dass sich werdende Mütter ausschließlich auf ihren Nachwuchs konzentrierten und dadurch den Job vernachlässigten.
"Nicht selten geraten Schwangere durch die Voreingenommenheit und das Unverständnis ihres beruflichen Umfelds gehörig unter Druck", weiß die Expertin. Um Konflikte zu vermeiden, sei es wichtig, den Vorurteilen aktiv zu begegnen. "Man sollte von Anfang an deutlich machen, dass man nicht etwa ab sofort nur noch Mutti ist, sondern dass man weiterhin Interesse an seiner Arbeit hat", betont Juchem-Fiedler, die sich auf das Coaching von Frauen spezialisiert hat.
Die Karriereberaterin empfiehlt, den Vorgesetzten nach Möglichkeit schon früh über die Schwangerschaft zu informieren - unter Umständen auch schon in den ersten drei Monaten. "Schwangere genießen arbeitsrechtlich einen besonderen Schutz - aber der greift nur dann, wenn der Arbeitgeber auch von der Schwangerschaft weiß", betont Juchem-Fiedler.
Für das Gespräch vereinbart man am besten einen Besprechungstermin, so dass der Chef auch genügend Zeit einplant. Neben der Information über die Schwangerschaft sollte man bei dieser Gelegenheit auch bereits Vorschläge zur künftigen Arbeitsorganisation machen. "Denn wenn der Vorgesetzte nicht weiß, wie und wann er mit der schwangeren Mitarbeiterin rechnen kann, wird er sie in seinen Planungen erst einmal nicht mehr berücksichtigen", warnt Juchem-Fiedler. Zudem zeigt man durch diesen Vorstoß, dass man weiterhin Interesse am Job hat.
Am besten überlegt man auch gemeinsam mit dem Vorgesetzten, wie und wann man den anderen Mitarbeitern die Neuigkeit überbringt. "Schließlich betrifft diese Information vor allem die Arbeitsorgansiation - und das ist Sache des Chefs", betont die Expertin.
Die Nachricht, dass eine Mitarbeiterin schwanger ist, löst auch bei Kollegen häufig gemischte Gefühle aus. Oft machten sie sich Sorgen um das eigene Arbeitspensum, sagt Susanne Bohn, Autorin des Ratgebers "Karrierekick Kind". Und manche fänden es einfach schade, wenn eine nette Kollegin sich für längere Zeit verabschiede. "Wichtig ist, dass man den Kollegen gleich mitteilt, wann über Vertretungslösungen gesprochen wird", sagt Bohn. So vermittle man, dass man das Thema im Blick habe und sich darum kümmere.
"Schwangere bringen auch etwas Positives in ein Team - sie strahlen Glück und Energie aus", betont Susanne Bohn. Trotzdem dürfe man die Schwangerschaft nicht ständig thematisieren. Gespräche über den nächsten Ultraschalltermin und die Warteliste für die Kindertagesstätte gehören in die Pausen. "Man sollte darauf achten, dass man Chefs und Kollegen als kompetente Kollegin in Erinnerung bleibt", sagt die Führungskräfte-Trainerin aus Nürnberg. Zudem gibt die Expertin zu bedenken, dass manche Kollegin möglicherweise ungewollt kinderlos sei und daher empfindlich auf das Thema Schwangerschaft reagiere. "Andere können mit Babys vielleicht einfach nichts anfangen und sind daher genervt, wenn man ständig darüber spricht", sagt Bohn.
Nicht jede Schwangerschaft verläuft problemlos. Es kann vorkommen, dass werdende Mütter schon vor dem Mutterschutz immer mal wieder ausfallen. Andrea Juchem-Fiedler empfiehlt, für solche Situationen vorab mit den Kollegen Notfallpläne zu erarbeiten. "Außerdem sollte die Schwangere signalisieren, dass sie selbst im Gegenzug auch bereit ist, ihren Kollegen den Rücken freizuhalten - wenn es ihr wieder gut geht", sagt die Karriereexpertin.
Entsteht im Team trotzdem eine negative Stimmung, empfiehlt Susanne Bohn Schwangeren ein offenes Gespräch. "Ohne sich zu rechtfertigen, sollte man den Kollegen erklären, dass einen die schlechte Atmosphäre belastet und dass man gerne über die Angelegenheit sprechen möchte", sagt die Expertin. Sei der Konflikt so nicht zu klären, sollte man sich an den Vorgesetzten wenden, um mit ihm gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
Bohn rät werdenden Müttern, sich die Freude auf ihr Kind trotz allem nicht verderben zu lassen. "Man sollte versuchen, Spaß am Job und an der Schwangerschaft zu haben", sagt Bohn. Wichtig sei, dass man gut auf sich achte und auf Anzeichen der Überlastung sofort reagiere. "Denn es geht hier schließlich um die Gesundheit und das Leben von Mutter und Kind - das hat absolute Priorität, egal, was die Kollegen sagen", betont Susanne Bohn.
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