Nach Jahren als angestellter Geschäftsführer ist Dirk Viertel nun selbstständig. Mit seinem Unternehmen Quartarius möchte er Dienstleister für den Mittelstand sein und seine Erfahrungen weitergeben.
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Neustart mit Neugier und Augenmaß
Dirk Vierteln war Geschäftsführer beim Computerspezialisten Megware und ist nun sein eigener Chef
Chemnitz. Für manche Entscheidungen braucht es keine lange Überlegungen, man fühlt sie. So ist es Dirk Viertel ergangen. Am Abend des 20-jährigen Firmenjubiläums des Computerspezialisten Megware im vergangenen Jahr, das er als Geschäftsführer verantwortlich organisiert hatte, spürt er instinktiv, dass seine Zeit bei dem Chemnitzer Unternehmen abgelaufen ist. Nach weiteren vier Wochen wird es ihm auch mental bewusst. "Eines Morgens habe ich festgestellt, dass ich diese Veränderung einleiten muss. Die Frische an Ideen und Kreativität habe ich für die nächsten 20 Jahre nicht mehr gewährleistet gesehen", sagt Viertel. Er selbst hat beruflich alles erreicht. Und Megware hat in diesem Jahr an die Hochschulen in Wien einen 3,5 Millionen teuren Supercomputer geliefert und damit das größte Einzelsystem in der Unternehmensgeschichte abgeschlossen.
"Es ist keine Midlife Crisis, aber auf dem Höhepunkt sollte man gehen", ist der 40-Jährige sicher und schließt damit eine erfolgreiche Karriere ab. Der gelernte Mechaniker für Datenverarbeitungs- und Büromaschinen kam nach der Wende von der Armee zurück. Doch seinen Betrieb VEB Buchungsmaschinen gab es so nicht mehr. In "Freie Presse" fällt ihm Anfang 1992 eine Anzeige von Megware auf. Nach erfolgreicher Bewerbung ist sie sein Einstiegskapital als Servicetechniker in der Filiale in Gera. Schon nach kurzer Zeit leitet er eine Filiale in Glauchau, Ende 1992 wurde er am Firmensitz in Chemnitz als Manager Einzelhandel und Mitarbeiter in der Geschäftsleitung. In den kommenden Jahren erlebt er fast alle Facetten in einem mittelständischen Unternehmen. Er ist für die Bereiche Einkauf, Einzelhandel, Marketing und Produktentwicklung zuständig, führte Bewerbungsgespräche bis zur letzten Auswahlrunde, organisierte die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, war zuständig für die werbetechnische Ausstattung und die Warenausstattung sowie Eröffnungsstrategie und -werbung neuer Filialen zuständig.
Seine Engagement fällt auf - Im Jahr 2000 wurde Viertel zum Geschäftsführer berufen. Doch es war keine einfache Zeit. Es gab immer mehr Anbieter für Computer, das Privatkundengeschäft ging zurück. Mit dem Rückbau des Filialgeschäft mussten mehr als 100 Mitarbeiter entlassen werden.
Gleichzeitig richtete sich Megware erfolgreich neu zu einem international agierenden Unternehmen mit dem Kerngeschäft Supercomputer für Universitäten, Institute und die Industrie aus. Viertel leitet das Unternehmen ohne Studium oder Uni-Abschluss. "Strategie, Weitsicht und Marktkenntnis zählen, dazu braucht man kein Studium", ist seine Erfahrung.
All diese Erfahrungen möchte Dirk Viertel in seinem Unternehmen Quartarius künftig weitergeben. "In den Seminaren für Unternehmer und Führungskräfte wird viel Theorie vermittelt. Die Praxis jedoch fehlt", meint er. Und damit auch praktische Anleitungen für grundlegende Prozesse in einem Unternehmen: Wie findet man gutes Personal, wie stellt man Mitarbeiter ein, was ist bei Kündigungen zu tun, wie verhandelt man gut vorbereitet mit der Hausbank über einen neuen Kredit? An 16 Abenden soll das Praxiswissen kurz und knackig vermittelt werden. Dies ist ein Standbein von Quartarius. Weitere sind Interimsmanagement in Fällen von Krankheit oder etwa wenn ein Nachfolger für eine Stelle noch nicht gefunden wurde sowie Coaching. "Jetzt gibt es in Ostdeutschland eine Managergeneration von hier, die die Praxis kennt und als Unternehmensberatung nicht nur theoretisch vorgeht", meint Viertel.
Mit dem beruflichen Neustart gibt auch familiäre Veränderungen. Seit sechs Wochen gehört neben dem 14-jährigen Sohn auch Tochter Antonia Caroline dazu. "Ich bin neugierig und wissbegierig, auf das, was mir bevorsteht", sagt Viertel.